Haropas Getreideumschlag steigt um 33 %, Rouen wartet auf mehr Neuernte-Verladungen
Haropa Port schlug im ersten Halbjahr 2026 laut La France Agricole 4,07 Millionen Tonnen Getreide um, 33 % mehr als im Vorjahr. Nach 8,4 Millionen Tonnen in der Kampagne 2025/26 erwartet Rouen trotz der Konkurrenz aus dem Schwarzmeerraum eine Belebung.
Getreidemenge steigt im ersten Halbjahr um ein Drittel
Haropa Port schlug im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 4,07 Millionen Tonnen Getreide um, 33 % mehr als im gleichen Zeitraum 2025, berichtete La France Agricole. Terre-net nannte mit 4,09 Millionen Tonnen, die in Drittländer verschifft wurden, eine leicht abweichende Zahl, ebenfalls ein Plus von 33 %. Besonders stark war der Mai mit Exporten von mehr als 800.000 Tonnen über Rouen.
Damit endete eine starke Vermarktungskampagne 2025/26. Rouen, laut Terre-net der führende Getreideexporthafen Westeuropas, verlud in der Kampagne 8,4 Millionen Tonnen und damit 61 % mehr als 2024/25. Die Vorsaison war durch eine der schwächsten Ernten in der französischen Geschichte belastet worden. In der Kampagne 2025/26 entfielen rund 54 % der französischen Getreideexporte in Drittländer auf Rouen.
Gerste und neue Nachfrage aus dem Nahen Osten stützen die Kampagne
Gerste leistete mit 2,6 Millionen Tonnen einen wesentlichen Beitrag, darunter 500.000 Tonnen für Saudi-Arabien. Marokko blieb vor China und Côte d’Ivoire das wichtigste Ziel für Mahlweizen. Zu den traditionellen Märkten in Marokko und Westafrika kam eine stärkere Nachfrage aus dem Nahen Osten hinzu, der in der Kampagne fast 900.000 Tonnen Getreide erhielt.
Für den Start der Kampagne 2026/27 meldete Haropa allerdings eine abwartendere Marktlage. Der stellvertretende Generaldirektor Kris Danaradjou sagte am 10. September, der Hafen rechne in den kommenden Monaten mit einer Rückkehr der Verladungen auf volle Leistung. Er verwies auf eine zufriedenstellende französische Ernte trotz hitzebedingter Schäden. Das große Hinterland Rouens ermögliche zudem, Qualitätsunterschiede zwischen den Anbauregionen auszugleichen.
Schwarzmeerangebot bleibt die größte Unsicherheit
Entscheidend wird die Konkurrenz aus Russland und der Ukraine sein. Danaradjou zufolge gilt auch die Qualität des russischen und ukrainischen Weizens als gut. Die tatsächliche Konkurrenz hänge jedoch davon ab, ob beide Länder ihr Getreide ausführen können. Er bezeichnete dies als logistische und organisatorische Herausforderung und verwies auf den russischen Mangel an raffinierten Mineralölprodukten für die Logistik.
Französischer Weizen genießt bei Käufern, die derzeit alle verfügbaren Herkünfte prüfen, laut Terre-net einen guten Ruf. Die Qualität könnte Rouen helfen, seine Absatzmärkte weiter zu diversifizieren. Entscheidungen der Käufer werden im weiteren Jahresverlauf 2026 jedoch auch von der Verfügbarkeit von Frachtraum, der Exportleistung des Schwarzmeerraums und Störungen wichtiger Schifffahrtsrouten abhängen.
Investitionen in Hafen und Silo erweitern die Exportkapazität
Haropas gesamter Seeverkehr erreichte im ersten Halbjahr 42 Millionen Tonnen, ein Anstieg von 5,7 %. Der Containerverkehr wuchs um 8 % auf 16 Millionen Tonnen, flüssiges Massengut um 2 % auf 18,7 Millionen Tonnen und trockenes Massengut um 11 % auf 6,5 Millionen Tonnen. Anders als auf Teilen von Rhein und Donau blieb die Schifffahrt auf der Seine während der sommerlichen Hitzewellen unbeeinträchtigt.
Neue Kapazitäten in Petit-Couronne sollen Rouens Stellung im großvolumigen Getreideexport stärken. Terre-net berichtete, die BZ Group habe 35 Millionen € in ein Silo mit 55.000 Tonnen Kapazität investiert; La France Agricole nannte dagegen 50.000 Tonnen. Beide Publikationen meldeten zusätzlich 25 Millionen € von Haropa für Kai, Liegefront und Fender, damit die größten Massengutfrachter abgefertigt werden können. Es ist Rouens erstes neues Getreidesilo seit Anfang der 1990er-Jahre.