EU importiert im Juni 2026 Rekordmengen Zucker und Geflügel aus dem Mercosur
Die Agrar- und Lebensmittelimporte der EU aus dem Mercosur erreichten im Juni 2026 einen Wert von 2,475 Milliarden Euro. Bei Zucker und gesalzenem Geflügelfleisch wurden Rekordmengen verzeichnet, während der Importwert mehr als neunmal so hoch war wie der EU-Exportwert.
EU-Importe steigen auf 2,475 Milliarden Euro
Die Europäische Union importierte im Juni 2026 Agrar- und Lebensmittelprodukte im Wert von 2,475 Milliarden Euro aus den Mercosur-Staaten. Das zeigen vorläufige Eurostat-Daten, über die farmer.pl berichtete. Der Wert lag 6,9 % über dem Mai 2026 und 17,9 % über dem Juni 2025. Zugleich übertraf er den Monatsdurchschnitt des gesamten Jahres 2025 um 18,1 %.
Die EU-Ausfuhren von Agrar- und Lebensmittelprodukten der KN-Kapitel 01-24 in den Mercosur beliefen sich im Juni auf 264 Millionen Euro. Das waren 12,1 % mehr als im Mai und 9,3 % mehr als im Juni 2025, jedoch 1,1 % weniger als der Monatsdurchschnitt 2025. Der Handel wuchs damit in beide Richtungen, doch der Wert der EU-Importe war mehr als neunmal so hoch wie der Exportwert.
Zuckerlieferungen erreichen Monatsrekord
Zucker trug besonders deutlich zum Anstieg bei. Die Mercosur-Länder lieferten im Juni 269.000 Tonnen in die EU. Das war ein Monatsrekord und mehr als ein Drittel der gesamten Zuckereinfuhren aus dem Staatenbund im Jahr 2025, wie farmer.pl unter Berufung auf die Analyse des Ökonomen Łukasz Ambroziak berichtete.
Die Junimenge lag zudem deutlich über Brasiliens WTO-Zollkontingent von 180.000 Tonnen für Zucker zur Raffination. Im Rahmen des EU-Mercosur-Abkommens wurde der Zoll innerhalb dieses brasilianischen Kontingents auf null gesenkt. Für Paraguay sieht das Abkommen außerdem ein zollfreies Kontingent von 10.000 Tonnen Raffinationszucker vor. Der Vergleich zeigt nicht, welcher Anteil der Juniimporte über die einzelnen Regelungen eingeführt wurde, verdeutlicht aber die Größe des Monatsvolumens im Verhältnis zu den Präferenzmengen.
Gesalzenes Geflügel gelangt vor allem in die Niederlande
Auch die Einfuhr von gesalzenem oder in Salzlake eingelegtem Geflügelfleisch der KN-Position 02109939 erreichte einen Rekord. Im Juni kamen 34.800 Tonnen Produktgewicht in die EU, überwiegend in die Niederlande. Das entsprach nahezu der Hälfte der gesamten Einfuhrmenge von 2025. Das Fleisch stammte aus Brasilien, dem im WTO-Rahmen ein EU-Kontingent von 124.500 Tonnen Schlachtkörperäquivalent zu einem Präferenzzollsatz von 15,4 % zur Verfügung steht.
Auch die Einfuhren von anderem Geflügelfleisch lagen über ihrem jüngsten Monatsniveau. Im Juni 2026 erreichten sie 11.800 Tonnen, gegenüber durchschnittlich 8.000 Tonnen pro Monat im Jahr 2025. Für Geflügelerzeuger, Verarbeiter und Händler wird die Beobachtung des EU-Marktes damit wichtiger, insbesondere wenn große Mengen auf wenige Einfuhrmärkte konzentriert sind.
Saisonalität begrenzt frühe Schlussfolgerungen
Ambroziak warnte, dass zwei Datenmonate für eine belastbare Bewertung der Folgen des EU-Mercosur-Abkommens nicht ausreichen. Die Einfuhr vieler Agrarprodukte ist saisonabhängig, wobei Zeitpunkt und Länge der Saison von Jahr zu Jahr variieren können. Die Junirekorde sollten deshalb mit den folgenden Monatswerten verglichen und nicht isoliert als Beleg für eine dauerhafte Veränderung gewertet werden.
Er verwies außerdem auf die notwendige Bereitschaft zur Anwendung von Schutzmaßnahmen und auf die Einhaltung der EU-Anforderungen. Sollte der Importanstieg den EU-Markt ernsthaft stören oder eine solche Störung drohen, könnten die Behörden die im Abkommen vorgesehenen Schutzklauseln aktivieren. Handelsliberalisierung dürfe die Standards nicht senken; auf den EU-Markt dürften weiterhin nur regelkonforme Produkte gelangen.
Vollständige Marktanalyse