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EU genehmigt Krisendestillation für deutschen Wein: 43 Cent je Liter für Überschüsse zu Industriealkohol

Die EU-Kommission hat die Krisendestillation für die Anbaugebiete Rheinhessen und Württemberg genehmigt: Überschüssiger Rot- und Roséwein darf zu Industriealkohol verarbeitet werden. Ab Mitte September können Winzer Anträge stellen, gefördert werden 43 Cent je Liter plus 16 Cent für Logistik- und Brennkosten. Die EU stellt 10,33 Millionen Euro aus der Agrarreserve bereit, genug für bis zu 17,5 Millionen Liter.

EU genehmigt Krisendestillation für deutschen Wein: 43 Cent je Liter für Überschüsse zu Industriealkohol

Winzer aus zwei der größten deutschen Anbaugebiete können ab Mitte September überschüssigen Wein zu Industriealkohol destillieren. Die EU-Kommission hat die sogenannte Krisendestillation nach einem deutschen Antrag genehmigt. Wie das rheinland-pfälzische Weinbauministerium in Mainz mitteilte, können Erzeuger aus Rheinhessen und Württemberg ab Mitte des Monats Anträge stellen. Über die Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa berichteten Zeit Online, n-tv und lokalo.de.

Auslöser ist das Überangebot. Es ist zu viel Wein auf dem Markt, der Konsum geht zurück, und die Betriebe sitzen auf Beständen, die sich nicht zu auskömmlichen Preisen absetzen lassen. Rheinhessen ist das größte, Württemberg das viertgrößte der 13 deutschen Anbaugebiete, beide zusammen stehen damit für einen erheblichen Teil der nationalen Erzeugung. Über die Maßnahme lassen sich überschüssige Mengen in Industriealkohol umlenken, statt sie einzulagern oder in einen bereits gesättigten Markt zu drücken.

Fördersätze und zugelassene Mengen

Die Förderung wird je Liter gewährt und gilt für Rot- und Roséweine, die zu Industriealkohol destilliert werden:

  • 43 Cent je Liter als finanzielle Kernförderung;
  • zusätzlich 16 Cent je Liter für Logistik- und Brennkosten;
  • zugelassen sind Weine des Jahrgangs 2025 und älter.

Beide Beträge zusammen ergeben 59 Cent je Liter. Die Beschränkung auf Rot- und Roséwein trifft genau die Segmente, in denen sich die deutschen Überschüsse aufgebaut haben; die Jahrgangsgrenze lässt die Ernte 2026 außen vor. Die Krisendestillation wirkt auf der Nachfrageseite: Sie nimmt Wein zu einem festen Preis vom Markt, statt den Absatz zu subventionieren.

10,33 Millionen Euro aus der EU-Agrarreserve

Nach Angaben des Ministeriums in Mainz stellt die EU dafür 10,33 Millionen Euro aus der EU-Agrarreserve bereit. Damit lässt sich die Destillation von bis zu 17,5 Millionen Litern Wein unterstützen.

Die in Mainz genannte Summe bezieht sich auf Rheinland-Pfalz. Zu einer eigenen Mittelzuweisung für Württemberg, das außerhalb des Landes liegt, machte die von dpa verbreitete Mitteilung keine Angaben.

Nur industrielle Verwendung

Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, darf der bei der Krisendestillation gewonnene Alkohol ausschließlich für industrielle Zwecke genutzt werden, etwa für Desinfektionsmittel und Energie. Eine Verwendung in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie ist nicht zulässig. Wirtschaftlich ist diese Trennlinie entscheidend: Die destillierte Menge verlässt die Getränkekette endgültig und kehrt nicht als günstiger Grundstoff für Spirituosen zurück, was den Überschuss lediglich eine Stufe weiter verschieben würde.

Wie Winzer den Antrag stellen

In einem ersten Schritt müssen interessierte Winzer beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) die Menge an Wein angeben, die sie destillieren möchten. Die Antragstellung beginnt Mitte September.

Die Maßnahme ist eine einmalige, aus der EU-Agrarreserve finanzierte Intervention und kein dauerhaftes Marktinstrument; sie erfasst zwei Anbaugebiete, nicht alle 13. Erzeuger außerhalb von Rheinhessen und Württemberg fallen nicht unter das in Mainz angekündigte Verfahren. Weder das Ministerium noch die Berichte nennen, welcher Anteil der Obergrenze von 17,5 Millionen Litern tatsächlich abgerufen werden dürfte.

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