EU-Agrarmärkte bleiben trotz höherer Energie- und Düngerkosten robust
Die Europäische Kommission erwartet für die EU-Agrarmärkte 2026 trotz geopolitischer Risiken und steigender Kosten insgesamt eine robuste Entwicklung. Bei Ölsaaten, Milchprodukten, Schweine- und Geflügelfleisch wird eine stabile oder höhere Erzeugung erwartet, während Getreide, Zucker, Olivenöl und Wiederkäuerprodukte nachgeben dürften.
Positiver Ausblick in einem fragilen Wirtschaftsumfeld
Die Agrarmärkte der EU dürften 2026 trotz geopolitischer Turbulenzen, unsicherer Energiemärkte und höherer Produktionskosten insgesamt robust bleiben. Das geht aus dem Sommerausblick der Europäischen Kommission hervor, über den Ypaithros berichtet. Der Konflikt im Nahen Osten verschärft die Risiken durch extreme Wetterereignisse, Tierseuchen und anhaltende Handelsspannungen, stellt die insgesamt positive kurzfristige Einschätzung jedoch nicht infrage.
Bei Ölsaaten, Milchprodukten, Schweine- und Geflügelfleisch wird ein Produktionsanstieg erwartet. Bei Getreide, Zucker, Olivenöl und Produkten aus der Wiederkäuerhaltung rechnet die Kommission mit Rückgängen. Für den Handel bedeutet dies mehr Angebot auf einigen Protein- und Fleischmärkten, zugleich aber eine knappere Verfügbarkeit und möglicherweise festere Preise bei anderen Warengruppen.
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld bleibt schwach. Die Kommission erwartet für die reale Wirtschaftsleistung der EU ein Wachstum von 1,1% im Jahr 2026 und 1,4% im Jahr 2027. Die Inflation soll bei 3,1% beziehungsweise 2,4% liegen, vor allem wegen höherer Öl- und Erdgaskosten. Das Basisszenario unterstellt eine schrittweise Normalisierung der Energiemärkte, sobald die Schifffahrt durch die Straße von Hormus und auf wichtigen Seerouten wiederhergestellt ist. Die Risiken bleiben jedoch überwiegend negativ.
Düngerkosten steigen erneut
Die durch die Nahostkrise verursachten höheren Energie- und Düngerausgaben haben die Stabilisierung der landwirtschaftlichen Betriebsmittelkosten aus dem Jahr 2025 beendet. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Energiekosten um 5,6% und die Düngerkosten um 4,2%. Futtermittel verbilligten sich gegenüber dem Schlussquartal 2025 um 0,3% und blieben damit relativ stabil. Pflanzenschutzmittel wurden 0,1% günstiger, Saatgut 0,1% teurer.
Stickstoffdünger kostete in der EU im April 2026 72% mehr als 2024. Trotz einer anschließenden Entspannung lagen die Preise Mitte Juni noch immer 56% über dem Niveau von 2024. Laut Ypaithros führen eine schwächere Nachfrage und ein besseres Angebot international zu einem schnelleren Preisrückgang. Europa bleibt jedoch besonders anfällig für geopolitische Entwicklungen, die Abhängigkeit von importiertem Erdgas und Störungen der Lieferketten. Die Aussichten für Phosphatdünger bleiben ungünstig, während Kalidünger stabiler ist.
Die Erschwinglichkeit von Dünger im Verhältnis zu den Getreidepreisen fiel im März und April auf das Niveau von 2022 zurück und belastet die Erzeugermargen. Der Zeitpunkt birgt vor allem für Sommerkulturen Risiken: Landwirte könnten die Düngung oder die Anbauflächen reduzieren, insbesondere bei Mais. Das könnte das heimische Angebot begrenzen und den Einkaufsbedarf von Futtermittelherstellern und Getreideimporteuren erhöhen.
Gegenläufige Trends bei Pflanzen und Tierprodukten
Die Getreideerzeugung der EU wird 2026/27 auf 273,7 Millionen Tonnen geschätzt und liegt damit nahe dem Fünfjahresdurchschnitt. Bei Ölsaaten wird ein Plus von 3,1% erwartet. Die Erzeugung von Eiweißpflanzen dürfte geringfügig sinken, aber über dem Durchschnitt bleiben. Die Zuckerproduktion soll um 13% zurückgehen. Auch die Olivenölerzeugung sinkt, bleibt jedoch über dem üblichen Niveau.
Höhere Erträge dürften die Milchproduktion und damit auch die Herstellung von Milchprodukten steigern. Die Rindfleischerzeugung soll wegen schrumpfender Bestände 2026/2027 dagegen weiter sinken, wodurch die Preise hoch bleiben. Bei Schaf- und Ziegenfleisch zeigt sich ein ähnliches Bild. Produktion und Verbrauch von Schweinefleisch dürften stabil bleiben, während die Geflügelerzeugung dank starker Nachfrage und hoher Preise weiter zunimmt.
Der Euro-Dollar-Kurs wird bis Ende 2026 bei etwa 1,15 erwartet. Die Lebensmittelpreise dürften weiter steigen, da die Energiekosten nach und nach auf landwirtschaftliche Betriebsmittel und Lieferketten überwälzt werden. Das Verbrauchervertrauen bleibt daher gedämpft und schwankungsanfällig. Für Importeure und Exporteure sind Energietransportrouten, Düngerpreise und eine mögliche Verringerung der Maisfläche entscheidende Indikatoren dafür, ob das robuste Basisszenario der Kommission Bestand hat.