Zuckerimporte gewinnen Marktanteile in Südafrika, lokale Verkäufe sinken
Südafrikas Zuckerrohranbauer warnen, dass Importe die heimische Produktion verdrängen, obwohl das Land seinen Eigenbedarf decken kann. Die verzollten Einfuhren erreichten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 124.594 Tonnen, während der lokale Absatz über drei Saisons um rund 188.000 Tonnen sank.
Importe steigen im ersten Halbjahr 2026 stark
Importierter Zucker erobert einen größeren Anteil am südafrikanischen Binnenmarkt und erhöht den Druck auf Zuckerrohranbauer und heimische Mühlen. Eyewitness News berichtet, dass Zucker aus Brasilien, Indien, Thailand und Eswatini zunehmend mit südafrikanischer Ware im Einzelhandel und in der Lebensmittelindustrie konkurriert.
Nach Daten des südafrikanischen Finanzamts, die Eyewitness News anführt, gelangten von Januar bis Juni 2026 insgesamt 124.594 Tonnen verzollter Zucker nach Südafrika. Im gleichen Zeitraum 2022 waren es lediglich 1.619 Tonnen. Die Einfuhren nehmen zu, obwohl Südafrika genügend Zucker produziert, um den Inlandsbedarf zu decken, erklärte Dr Thomas Funke, Geschäftsführer von SA Canegrowers.
Inlandsabsatz sinkt, Exportanteil steigt
Nach Angaben von SA Canegrowers ist der Absatz von lokal erzeugtem Zucker über drei Saisons um rund 35 % oder 188.000 Tonnen zurückgegangen. Weil der Zugang zum Binnenmarkt schrumpft, stieg der Anteil des südafrikanischen Zuckers, der mit Verlust exportiert werden muss, von 22 % auf 37 %.
Diese Entwicklung betrifft die gesamte Produktionskette. SA Canegrowers vertritt Tausende Anbauer in KwaZulu-Natal und Mpumalanga; mehr als eine Million Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt aus der breiteren Zucker-Wertschöpfungskette. Ein geringerer Inlandsabsatz kann die Auslastung der Mühlen senken und Anbauer sowie Verarbeiter den niedrigeren Preisen am Weltmarkt aussetzen.
Im Mittelpunkt der Kritik steht auch der gemeinsam von Regierung und Branche entwickelte Sugar Cane Value Chain Master Plan. Einzelhändler und Lebensmittelhersteller schienen sich darin zu verpflichten, 95 % ihres Zuckers von südafrikanischen Produzenten zu beziehen. Die Anbauer sehen diese Zusage angesichts wachsender Regalflächen und Industriekunden für Importware als nicht erfüllt an.
Zölle erfassen nicht alle Lieferländer
Die Regierung setzte den dollarbasierten Referenzpreis für importierten Zucker im August auf 785 $ je Tonne. SA Canegrowers bezweifelt, dass diese Änderung den Abstand zwischen Importware und heimischem Zucker vollständig schließt. Der Referenzpreis kann die Abgaben auf Lieferungen aus Übersee beeinflussen, doch für den regionalen Handel gelten andere Wettbewerbsbedingungen.
Funke erklärte, dass Zucker aus dem benachbarten Eswatini zollfrei nach Südafrika gelangen kann. Zudem verwies er auf niedrigere Strompreise in Eswatini als einen Unterschied bei den Produktionsbedingungen. Aus seiner Sicht hat Zucker aus Eswatini dieselbe wirtschaftliche Wirkung wie brasilianische Importware: Er verdrängt südafrikanischen Zucker aus dem Binnenmarkt und zwingt ihn auf den niedrigpreisigen Weltmarkt.
Die Zahlen deuten damit nicht auf einen Mangel an lokaler Produktion hin, sondern auf eingeschränkten Zugang zu den heimischen Abnehmern. Für Anbauer, Mühlen, Händler und Lebensmittelhersteller wird entscheidend sein, ob aus der Zusage einer lokalen Beschaffungsquote von 95 % tatsächliche Bestellungen werden. Zugleich muss sich zeigen, ob der neue Referenzpreis verzollte Einfuhren bremst, obwohl er den zollfreien regionalen Wettbewerb nicht erfasst.