Vietnams Zuckerindustrie fordert 20 Prozent Steuer auf Getränke mit HFCS
Der vietnamesische Zuckerrohr- und Zuckerverband fordert eine Verbrauchsteuer von 20 Prozent auf Getränke mit mehr als 5 g/100 ml HFCS. Der Vorschlag soll Lücken bei der Besteuerung gesüßter Getränke schließen und den Druck auf heimischen Rohrzucker verringern.
Verband fordert breitere Definition steuerpflichtiger Getränke
Der vietnamesische Zuckerrohr- und Zuckerverband hat die Regierung aufgefordert, das Dekret 360/2025/ND-CP zu ändern und den Kreis der verbrauchsteuerpflichtigen gesüßten Getränke zu präzisieren. Der Vorschlag würde Getränke mit freien Zuckern ausdrücklich erfassen, darunter Maissirup mit hohem Fruktosegehalt, kurz HFCS, oberhalb von 5 g/100 ml.
Das in der neunten Sitzung der 15. Nationalversammlung verabschiedete reformierte Sonderverbrauchsteuergesetz nimmt Erfrischungsgetränke mit mehr als 5 g Zucker je 100 ml ab dem 1. Januar 2027 in die Steuerpflicht auf. Der Verband unterstützt das gesundheitspolitische Ziel, hält die erfassten Süßungsmittel im Umsetzungsdekret jedoch nicht für eindeutig definiert.
Wie VnEconomy berichtet, stützt sich das Dekret auf den auf dem Etikett angegebenen Gesamtzucker und die nationale Norm TCVN 12828:2019. Nach Auffassung des Verbands könnten dadurch einige mit HFCS gesüßte Getränke unberücksichtigt bleiben. Er fordert stattdessen eine Orientierung am Begriff der freien Zucker der Weltgesundheitsorganisation, der zugesetzte Glukose, Fruktose und Saccharose umfasst.
HFCS-Importe verändern die Nachfrage nach Süßungsmitteln
HFCS ist eine Mischung aus Fruktose und Glukose, die mit Fruktoseanteilen von 42%, 55%, 65% oder 90% angeboten wird. HFCS 42% wird vor allem in Lebensmitteln und Süßwaren sowie teilweise in Getränken eingesetzt, während HFCS 55% überwiegend in der Erfrischungsgetränkeindustrie Verwendung findet. Nach Angaben des Verbands ist HFCS 55% 1,1-1,3-mal süßer als raffinierter Rohrzucker.
Vom Verband angeführte Zolldaten zeigen, dass Vietnams HFCS-Importe von 102.372 Tonnen im Jahr 2021 auf 184.975 Tonnen 2022, 231.904 Tonnen 2023 und 241.504 Tonnen 2024 stiegen. Im Jahr 2025 sanken sie auf 229.588 Tonnen, lagen aber weiterhin mehr als doppelt so hoch wie 2021. Der Verband beziffert den Zuwachs über fünf Jahre auf 226%.
Nach Angaben des Verbands wird importierter HFCS hauptsächlich in Süßwaren und Erfrischungsgetränken verwendet, wobei Getränkehersteller zunehmend Rohrzucker ersetzen. In den vergangenen zwei Jahren eroberte preisgünstiger HFCS in der Getränkeindustrie eine Nachfrage, die rund 300.000 Tonnen Rohrzucker entspricht. Dadurch schrumpft der Absatzmarkt heimischer Mühlen, und die Existenzgrundlage Hunderttausender Zuckerrohrbauern könnte betroffen sein.
Preisdruck verstärkt Forderung nach differenzierter Steuer
Vietnamesischer Zucker kostete nach den vom Verband vorgelegten Daten zwischen Januar und August 2026 zwischen 16.505 und 18.616 Dong je kg. Das entsprach rund 68% des gemeldeten regionalen Durchschnitts von 24.879 Dong je kg bei Produzenten wie den Philippinen, Indonesien und China. Der Preisabstand bestand, obwohl Vietnam in der Saison 2024/25 einen Zuckerertrag von 6,69 Tonnen je Hektar erreichte und damit unter den vom Verband verglichenen Hauptproduzenten Thailand, Indonesien und den Philippinen an der Spitze lag.
Der Verband schlägt für Getränke mit HFCS eine Verbrauchsteuer von 20% vor und fordert die Regierung auf, der Nationalversammlung einen nach Süßungsmitteln gestaffelten Mechanismus vorzulegen. Als Beispiele nennt er die Philippinen, wo HFCS-Getränke nach seinen Angaben doppelt so hoch besteuert werden wie Getränke mit herkömmlichem Zucker, sowie Indonesiens handelspolitische Schutzmaßnahmen gegen HFCS. Eine Umsetzung könnte die Kosten von Getränkeherstellern mit importiertem Sirup erhöhen, die Nachfrage nach anderen Süßungsmitteln stützen und die Wettbewerbsposition heimischen Rohrzuckers verbessern. Die tatsächliche Wirkung hängt von der Steuerbemessungsgrundlage, den Anwendungsregeln und davon ab, ob Hersteller ihre Rezepturen ändern oder die Mehrkosten an Verbraucher weitergeben.