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Vietnam strebt bis 2030 jährlich 2,6 Milliarden Liter heimische Rohmilch an

Vietnam will die heimische Rohmilchproduktion bis 2030 auf rund 2,6 Milliarden Liter pro Jahr steigern und damit 60–65 % des Bedarfs der Molkereien decken. Die Strategie verbindet den Ausbau von Herden und Futterflächen mit Investitionsreformen, stärkeren Kühlketten, überarbeiteten Standards und schärferer Marktaufsicht.

Vietnam strebt bis 2030 jährlich 2,6 Milliarden Liter heimische Rohmilch an

Heimische Milch soll 60–65 % des Bedarfs decken

Vietnam will die Abhängigkeit seiner Milchwirtschaft von externen Rohstofflieferungen verringern und die heimische Produktion frischer Rohmilch bis 2030 auf rund 2,6 Milliarden Liter pro Jahr steigern. Nach Angaben des vietnamesischen Milchverbands soll diese Menge etwa 60–65 % des Bedarfs der inländischen Milchverarbeitung decken. Gegenwärtig liefert die heimische Frischmilch nur rund 40 % der benötigten Produktionsmenge, sodass eine erhebliche Versorgungslücke geschlossen werden muss.

Die Ziele sind Bestandteil der vietnamesischen Entwicklungsstrategie für die Milchwirtschaft bis 2030 mit einem Ausblick bis 2045. Der Premierminister genehmigte die Strategie mit dem Beschluss Nr. 309/QD-TTg vom 23. Februar 2026. Das Ministerium für Industrie und Handel veröffentlichte anschließend mit dem Beschluss Nr. 2188/QD-BCT vom 8. September 2026 seinen Aktionsplan. Vorgesehen sind größere und produktivere Herden, mehr heimische Rohstoffe, zusätzliche verarbeitete Erzeugnisse mit höherer Wertschöpfung sowie ein Ausbau des Inlandsabsatzes und der Exporte.

Land, Futter und Finanzierung bremsen die Expansion

Laut VnEconomy beeinträchtigen hohe Produktionskosten, eine ineffiziente Logistik, schwache Verbindungen innerhalb der Wertschöpfungskette und ungleich entwickelte technologische Fähigkeiten weiterhin die Wettbewerbsfähigkeit. Kleinbetriebe und Genossenschaften stehen besonders unter Druck. Tống Xuân Chinh, stellvertretender Vorsitzender und Generalsekretär des vietnamesischen Milchverbands, erklärte, sie benötigten Unterstützung bei Zuchttieren, Futtergrasanbau und Verarbeitung landwirtschaftlicher Nebenprodukte, um mit großen Unternehmen mit integrierten Produktionsketten konkurrieren zu können.

Auch große Hersteller stoßen an Grenzen. Ein Vertreter von TH true MILK erklärte, das Unternehmen halte rund 80.000 Rinder und wolle den Bestand in den kommenden Jahren auf 150.000 erhöhen. Ein wesentliches Hindernis sei jedoch der Zugang zu Flächen für den Grasanbau und die eigene Futterversorgung. Das Unternehmen schlug vor, wenig produktive Agrarflächen für den Futterpflanzenanbau freizugeben. Der Verband fordert zudem geeignete Viehzuchtgebiete, bessere Zucht- und Veterinärleistungen, Umweltschutzmaßnahmen, langfristige Kredite, stabile Abnahmeverträge sowie leistungsfähigere gekühlte Lager- und Sammelsysteme.

Öffentliche Mittel sollten sich auf gemeinsam nutzbare Branchenstrukturen wie angewandte Forschung, Standards, Prüfkapazitäten, Marktüberwachung, Branchendaten und technische Ausbildung konzentrieren, sagte Chinh gegenüber Công Thương. Private Mittel sollen die wichtigste Finanzierungsquelle für Betriebe, Rohstoffregionen, Verarbeitungswerke, Technologie und Marktentwicklung bleiben. Als zentrale Investitionshemmnisse nannte der Verband den Zugang zu geeigneten Flächen, langfristigem Kapital und Infrastruktur sowie die Produktionskosten und die Dauer von Genehmigungsverfahren.

Standards und Durchsetzung gewinnen an Bedeutung

Mehr Markttransparenz ist ein weiterer Teil der Strategie. Von 2025 bis zum Ende des ersten Quartals 2026 bearbeiteten die Marktaufsichtsbehörden laut VnEconomy fast 200 Verstöße im Zusammenhang mit Milchprodukten. Sie verhängten Verwaltungsstrafen von mehr als 1,8 Milliarden vietnamesischen Dong und beschlagnahmten rechtswidrige Waren im Wert von über 1,7 Milliarden Dong. Zu den Fällen zählten geschmuggelte Erzeugnisse, Waren unklarer Herkunft sowie Verstöße gegen Kennzeichnungs- und Preisauszeichnungspflichten. Irreführende Angaben zu Art und Nutzen von Produkten nehmen zudem im Onlinehandel, in sozialen Netzwerken und bei Livestream-Verkäufen zu.

Die Behörden prüfen eine Überarbeitung der nationalen technischen Vorschrift für Flüssigmilch und fördern moderne Verarbeitung, sauberere Produktion, digitale Systeme und die Rückverfolgbarkeit von Produkten. Der Milchverband fordert eine klare Kennzeichnung, die zwischen Erzeugnissen aus frischer Rohmilch und Produkten aus rekonstituierter Milch unterscheidet. Er unterstützt risikobasierte Kontrollen und konsequente Maßnahmen bei bestätigten Verstößen, will aber doppelte Prüfungen regelkonformer Unternehmen vermeiden. Erweiterte Schulmilch- oder Schulverpflegungsprogramme könnten ebenfalls die Nachfrage stärken, sofern Qualität, Sicherheit und Rückverfolgbarkeit gewährleistet sind.

Wettbewerbsfähigkeit erfordert abgestimmte Umsetzung

Das Ziel für 2030 muss jährlich anhand der tatsächlichen Milchmenge, der Herdengröße und Leistung, des Rohstoffbedarfs der Verarbeiter, des Projektfortschritts sowie der Bedingungen auf dem Inlands- und Exportmarkt bewertet werden. Auslandsinvestitionen vietnamesischer Milchunternehmen können Rohstoffe, Technologien und neue Märkte erschließen, erhöhen aber zugleich den Druck, Investitionen im Inland berechenbarer zu machen. Der Erfolg der Strategie hängt daher davon ab, Herdenerweiterung, Futterversorgung, Verarbeitungskapazitäten, verlässliche Abnahmebeziehungen und durchsetzbare Produktstandards entlang der gesamten Milchkette miteinander zu verbinden.

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