Vietnam will Fleischproduktion bis 2030 auf über 10 Millionen Tonnen steigern
Vietnam will seinen großen Nutztiersektor mit strengerer Biosicherheit, digitalen Systemen und moderner Zuchttechnik modernisieren. Bis 2030 sollen mehr als 10 Millionen Tonnen Fleisch, über 25 Milliarden Eier und rund 1,6 Millionen Tonnen Milch erzeugt werden.
Große Nutztierbranche beginnt ihre Neuordnung
Vietnam bereitet für 2026-2030 eine Neuordnung seiner Tierhaltung vor. Wissenschaft, digitale Technik und strengere Biosicherheit sollen den Übergang von traditionellen Betrieben zu einer größeren und moderneren Produktion ermöglichen. Das Land zählt bereits zu den weltweit bedeutenden Erzeugern: Sein Schweinebestand ist der fünftgrößte, sein Geflügelbestand der neuntgrößte der Welt, berichtete Báo Tin Tức von der vietnamesischen Nachrichtenagentur.
Die staatlichen Ziele verdeutlichen den Umfang der Pläne. Bis 2030 soll die gesamte Fleischproduktion auf mehr als 10 Millionen Tonnen steigen, die Eierproduktion 25 Milliarden Stück übertreffen und die Milchproduktion rund 1,6 Millionen Tonnen erreichen. Das Wachstum soll weniger durch zusätzliche Tiere als durch höhere Produktivität, Seuchenkontrolle, Automatisierung und eine bessere Abstimmung von Zucht, Futter, Haltung, Schlachtung und Verarbeitung entstehen.
Seuchenschäden rücken Biosicherheit in den Mittelpunkt
Die Afrikanische Schweinepest hat die Prävention zu einer zentralen wirtschaftlichen Frage gemacht. Nguyễn Văn Điệp, Geschäftsführer von AVAC Vietnam, erklärte, seit dem Auftreten des Virus im Jahr 2019 seien in Vietnam mehr als 7 Millionen Schweine gekeult worden. Die Verluste beliefen sich auf mehrere zehn Billionen vietnamesische Dong. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht, weshalb die Branche Impfungen als wichtigstes aktives Kontrollinstrument betrachtet.
Für die kommerzielle Impfstoffproduktion werden weiterhin stabile Zellkultursysteme für große Mengen, ein sicherer und wirksamer Ausgangsvirusstamm sowie ausreichende Daten für die regulatorische Prüfung benötigt. Nguyễn Văn Minh, stellvertretender Geschäftsführer von BAF Vietnam, sagte, die Gestaltung von Betrieben konzentriere sich deshalb nicht mehr ausschließlich auf maximale Leistung. Betreiber behandeln Höfe zunehmend als integrierte Risikomanagementsysteme, in denen Technik biologische Gefahren überwacht und frühere Kostenbereiche wie die Abfallbehandlung potenziell Wert schaffen.
Technikoffensive trifft auf Abhängigkeit von importiertem Futter
Das Modernisierungsprogramm umfasst genomische Selektion und Genomeditierung, um leistungsfähige und krankheitsresistente Rassen zu entwickeln. Die Behörden wollen zudem große Tierhaltungsdatenbanken aufbauen, künstliche Intelligenz zur Seuchendiagnose einsetzen und die Automatisierung ausweiten. Kreislaufwirtschaft, Abfallverwertung und Futtermittelzusätze zur Senkung der Treibhausgasemissionen sollen Vietnams Net-Zero-Kurs unterstützen und zugleich die Effizienz erhöhen.
Erhebliche Hindernisse bleiben bestehen. Phạm Kim Đăng, stellvertretender Leiter der Behörde für Tierproduktion und Tiergesundheit, verwies auf die starke Abhängigkeit von importierten Futtermittelrohstoffen, eine zersplitterte Produktionsstruktur und schwache Verbindungen in der Wertschöpfungskette. Vietnam will deshalb eigene Zuchttechnik stärken, eine nachhaltigere Futtermittelproduktion entwickeln, international anerkannte seuchenfreie Zonen schaffen, moderne Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten ausbauen und digitale Systeme branchenweit einführen. Verbraucher verlangen zugleich mehr Rückverfolgbarkeit, Lebensmittelsicherheit, Tierwohl und Umweltleistung. Die Behörden erwarten bis 2030 eine weiter steigende Nachfrage nach Fleisch, Eiern und Milch, während der Anteil von rotem Fleisch sinken und Geflügel an Bedeutung gewinnen soll. Für Erzeuger und Verarbeiter entscheidet der Zugang zu Technik, biosicheren Lieferketten und zertifizierten Produktionsgebieten darüber, wer den Binnenmarkt und eine stärkere internationale Integration bedienen kann.