Vietnam klagt sechs Verdächtige wegen Handels mit 250 Tonnen kranker Schweine an
Die Polizei der vietnamesischen Provinz Quang Tri hat sechs Personen wegen einer mutmaßlichen provinzübergreifenden Lieferkette für mehr als 250 Tonnen mit Afrikanischer Schweinepest infizierter Schweine angeklagt. Laut den Ermittlern wurden die Tiere günstig im Norden beschafft, in Quang Tri geschlachtet und anschließend vermarktet.
Sechs Beschuldigte wegen Verstößen gegen die Lebensmittelsicherheit
Die Polizei der vietnamesischen Provinz Quang Tri hat eine mutmaßliche provinzübergreifende Lieferkette zerschlagen, über die mehr als 250 Tonnen mit Afrikanischer Schweinepest infizierter Schweine gekauft, transportiert, geschlachtet und vermarktet worden sein sollen. Gegen sechs Personen wurde nach Artikel 317 des vietnamesischen Strafgesetzbuchs wegen Verstößen gegen Lebensmittelsicherheitsvorschriften Anklage erhoben, berichtete Dân Việt unter Berufung auf die Provinzpolizei.
Als mutmaßlichen Organisator identifizierten die Ermittler den 1973 geborenen Mai Văn Quang aus der Provinz Thanh Hoa. Weitere Beschuldigte sind Hà Văn Nghĩa, der laut Ermittlungen für die Begleitung der Transporte engagiert wurde, die Schlachthofbetreiberinnen Trần Thị Ngọc Hiền und Hoàng Thị Mộng Truyền sowie die angestellten Fahrer Trương Văn Quốc und Trần Ngọc Bắc.
Quang, Hiền und Truyền befinden sich in Untersuchungshaft. Den drei übrigen Beschuldigten wurde untersagt, ihren Wohnort zu verlassen, während die Behörden den Fall weiter untersuchen.
Im Mai wurden fast 10 Tonnen abgefangen
Die Wirtschaftspolizei nahm die Ermittlungen auf, nachdem sie Hinweise auf einen groß angelegten, provinzübergreifenden Handel mit mutmaßlich infizierten Schweinen festgestellt hatte. Am 19. Mai stoppten Wirtschaftspolizei, Verkehrspolizei, örtliche Beamte und die Tierhaltungs- und Veterinärstation Nr. 7 eine Lieferung nahe dem Friedhof der früheren Stadt Dong Ha und dem Industriepark Quán Ngang.
Die Beamten beobachteten, wie Schweine von einem Spezialfahrzeug auf kleinere Lastwagen umgeladen wurden. Nach Angaben von Dân Việt konnten die Beteiligten weder Rechnungen und Begleitpapiere noch eine tierärztliche Quarantänebescheinigung vorlegen.
Das kontrollierte Fahrzeug transportierte 172 Schweine mit einem Gesamtgewicht von 9.968 Kilogramm, also fast 10 Tonnen. Zwei Tiere waren bereits verendet. Untersuchungen des Zentralen Zentrums für Veterinärdiagnostik und -tests II ergaben bei 18 Tieren einen positiven Befund auf Afrikanische Schweinepest.
Beschaffung in mehreren nördlichen Provinzen
Die erweiterten Ermittlungen ergaben, dass die Gruppe mutmaßlich von Februar bis Mai 2026 aktiv war. Nach Angaben der Polizei kaufte sie kranke Schweine in nördlichen Provinzen wie Bac Giang, Hung Yen und Thai Binh und transportierte sie zur Schlachtung in den Betrieb Tây Trì in Quang Tri. Anschließend gelangte das Fleisch auf den Markt.
Die Verdächtigen kauften vor allem günstige Tiere mit möglichen Krankheitssymptomen wie Hautblutungen, geröteten Augen und Abmagerung. Laut den Behörden wurden die Schweine geschlachtet und zur Erzielung illegaler Gewinne verkauft. Insgesamt sollen in diesem Zeitraum mehr als 250 Tonnen infizierter Schweine gekauft, transportiert und vermarktet worden sein.
Folgen für den Schweinefleischmarkt
Der Fall offenbart eine erhebliche Kontrolllücke zwischen Tierbeschaffung, Lebendtiertransport, Schlachtung und Einzelhandelsvertrieb. Fehlende Rechnungen und Quarantänedokumente erschweren es Behörden und gewerblichen Käufern zusätzlich, den Weg potenziell belasteten Schweinefleischs nachzuvollziehen.
Für regelkonform arbeitende Schweinehalter, Verarbeiter und Fleischhändler bedeuten günstige kranke Tiere sowohl ein Lebensmittelsicherheitsrisiko als auch unlauteren Preiswettbewerb. Der bestätigte Erregernachweis bei 18 abgefangenen Tieren unterstreicht zudem das Biosicherheitsrisiko, wenn verdächtige Schweine über Provinzgrenzen transportiert und in Schlachtbetrieben verarbeitet werden.
Die Ermittlungen dauern an. Die Behörden haben weder die Bestimmungsorte und Käufer noch den Wert des mutmaßlich verkauften Fleisches veröffentlicht. Die Polizei prüft weiterhin das gesamte Ausmaß der Lieferkette und eine mögliche Beteiligung weiterer Personen.