Preise für Verarbeitungskartoffeln steigen und erhöhen Kostenrisiken in Italien
Die europäischen Notierungen für Verarbeitungskartoffeln erholten sich zwischen Juni und Juli deutlich von ihren historischen Tiefständen der Kampagne 2025/26. Eine kleinere Anbaufläche in vier wichtigen Erzeugerländern und unsichere Erträge könnten die Kosten italienischer Verarbeiter, Händler und Schnellrestaurantketten erhöhen.
Notierungen für Industriekartoffeln drehen nach oben
Die europäischen Notierungen für Kartoffeln zur industriellen Verarbeitung haben sich nach historischen Tiefständen in der Kampagne 2025/26 wieder erholt, berichtet Italia a Tavola. Besonders kräftig fiel die Bewegung zwischen Juni und Juli aus. Die Preise lagen jedoch weiterhin deutlich unter dem Niveau der Kampagnen 2023/24 und 2024/25.
Die von Areté ausgewerteten monatlichen Durchschnittswerte der PotatoNL-Preisliste zeigen bei Frites-Kartoffeln für große Industrieverarbeiter einen Anstieg von 456%. Kartoffeln für kleinere Verarbeiter verteuerten sich um 105%, während die für den Fast-Food-Kanal bestimmte Kategorie um 384% zulegte.
Die Prozentsätze vergleichen den Juli mit einem äußerst schwachen Markt im Juni. Sie beschreiben daher eine starke Erholung von einer niedrigen Basis und keine Rückkehr zu den Höchstständen früherer Kampagnen. Absolute Preise wurden nicht genannt. Dennoch bedeutet die Entwicklung einen Richtungswechsel für Verarbeiter, die zuvor von außergewöhnlich niedrigen Rohstoffnotierungen profitiert hatten.
Anbaufläche in Nordwesteuropa schrumpft
Der wichtigste Aufwärtsfaktor ist die Aussicht auf eine kleinere Ernte in Europas zentralen Verarbeitungsregionen. Areté schätzt, dass die gesamte Anbaufläche in Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden um 14% zurückging. Diese Länder bilden die zentrale Rohstoffbasis für europäische Tiefkühlpommes und andere industriell verarbeitete Kartoffelprodukte. Flächenänderungen sind deshalb auch für Abnehmer außerhalb ihrer Inlandsmärkte relevant.
Zu der kleineren Anbaufläche kommt Unsicherheit über die Erträge. Wiederholte Hitzewellen und anhaltend geringe Niederschläge betrafen laut der Quelle weite Teile West- und Mitteleuropas. Das endgültige Angebot hängt somit nicht nur von den abgeernteten Hektaren ab, sondern auch von Menge und Qualität je Hektar.
Das Marktsignal ist noch vorläufig. Trotz der erheblichen Zuwächse zwischen Juni und Juli lagen die Notierungen laut Italia a Tavola weiterhin klar unter denen der beiden vorherigen Kampagnen. Prozentuale Veränderungen allein erlauben daher nur begrenzte Schlussfolgerungen. Die Verarbeiter werden beobachten, ob die Erholung anhält, wenn verlässlichere Ernteprognosen vorliegen.
Weitergabe an Handel und Gastronomie nicht automatisch
Die höheren Rohkartoffelnotierungen haben sich bislang nicht automatisch in steigenden Verbraucherpreisen für Pommes frites oder andere Verarbeitungsprodukte niedergeschlagen. Verpackung, Energie, Arbeit, Transport und Vertragsbedingungen beeinflussen ebenfalls den Endpreis. Bestehende Lagerbestände oder Liefervereinbarungen können die Wirkung der Veränderungen am Spotmarkt verzögern.
Setzt sich die Aufwärtsbewegung fort, könnten die Verarbeiter höhere Kosten für neu beschaffte Rohware tragen müssen. Der Druck könnte anschließend Großhändler, Supermärkte und die Speisekarten von Schnellrestaurants erreichen. Für italienische Unternehmen, die Kartoffeln oder Verarbeitungsprodukte am europäischen Markt beziehen, sind die Dauer der Erholung, die Größe der Ernte und die Weitergabe zusätzlicher Kosten durch die Lieferanten entscheidend.
Auch die Unterschiede zwischen den Marktsegmenten sind relevant. Die Erholung um 456% bei Kartoffeln für die Großindustrie und der Anstieg um 384% im Fast-Food-Segment waren wesentlich stärker als das Plus von 105% für kleinere Verarbeiter. Käufer und Erzeuger müssen deshalb die jeweilige Spezifikation und den Absatzkanal verfolgen, statt den europäischen Kartoffelmarkt als einheitliche Preisreferenz zu behandeln.