USA erheben zusätzlichen Zoll von 12,5 % auf türkisches Olivenöl und Oliven
Die USA belegen Olivenöl und Olivenprodukte aus der Türkei zusätzlich zum bestehenden Basiszoll mit 12,5 %. Türkische Exporteure warnen, dass günstigere Bedingungen für Wettbewerber den Zugang zu ihrem wichtigsten Markt vor einer erwarteten guten Ernte gefährden.
Zollnachteil für türkische Anbieter
Die USA haben begonnen, auf Olivenöl und Olivenprodukte aus der Türkei zusätzlich zum bestehenden Basiszoll einen Zoll von 12,5 % zu erheben. Türkische Branchenvertreter warnen, dass die Ausfuhren in ihren wichtigsten Markt nahezu zum Stillstand kommen könnten, falls die Regelung nicht vor der nächsten Ernte geändert wird.
Für wichtige Wettbewerber gelten andere Bedingungen. Tunesien ist laut Ekonomim vom neuen Zusatzzoll ausgenommen und zahlt weiterhin den bestehenden Basiszoll. Produkte aus der Europäischen Union werden mit 10 % belastet, während für die Türkei 12,5 % gelten.
Emre Uygun, Vorsitzender des Verbands der ägäischen Oliven- und Olivenölexporteure, sieht die Türkei dadurch unter den großen Lieferländern in der ungünstigsten Position. Der Verband hat sich an das türkische Handelsministerium und weitere Behörden gewandt.
USA nehmen 43 % der türkischen Ölausfuhren ab
Die wirtschaftliche Abhängigkeit ist erheblich. In den ersten neun Monaten der Exportsaison 2024/25 erzielte die türkische Olivenbranche Ausfuhrerlöse von 480 Millionen $, davon 118 Millionen $ in den USA. Die Türkei exportierte in diesem Zeitraum 44.097 Tonnen Olivenöl, von denen 19.041 Tonnen in die USA gingen.
Damit wurden 43 von jeweils 100 Tonnen exportierten türkischen Olivenöls auf dem US-Markt verkauft. In den ersten sechs Monaten 2026 kamen weitere 20.577.863 $ Erlös aus Olivenölexporten in die USA hinzu.
Davut Er, stellvertretender Vorsitzender des Exportverbands, bezeichnete die USA als größten Markt für türkische Oliven und türkisches Olivenöl. Die jährlichen amerikanischen Olivenölimporte aus allen Herkunftsländern entsprächen nahezu der gesamten türkischen Produktion, weshalb dieser Markt besonders schwer zu ersetzen sei.
Gute Ernte könnte Verkaufsdruck erhöhen
Die Exporteure erwarten in der neuen Saison eine gute Ernte, können diesen Angebotsvorteil wegen des Zolls aber möglicherweise nicht nutzen. Emre Uygun warnte, dass türkisches Olivenöl bei schwächerem Direktabsatz in den USA stattdessen als Rohstoff an große Erzeugerländer wie Spanien und Italien verkauft werden könnte.
Türkische Anbieter müssten dann stärker im Massengeschäft konkurrieren und würden einen Teil der Wertschöpfung aus direkten US-Verkäufen verlieren. Tunesische und europäische Lieferanten könnten wegen ihrer geringeren Zollbelastung zugleich zusätzlichen Raum auf dem amerikanischen Markt gewinnen.
Nach Angaben von Davut Er baut die Branche alternative Märkte wie Australien, Brasilien, Indien und Südkorea aus, doch deren Wachstum reicht nicht aus, um die USA zu ersetzen. Die USA seien nach der Europäischen Union der zweitgrößte Käufer und Verbraucher von Olivenöl weltweit, berichtete Ekonomim unter Berufung auf Er.
Exporteure fordern Verhandlungen
Die Branchenvertreter verlangen von der türkischen Regierung, sich in Gesprächen mit den zuständigen US-Handels- und Wirtschaftsbehörden für eine Aufhebung des Zusatzzolls einzusetzen. Nach ihrer Auffassung spiegelt die Behandlung der Olivenprodukte die breiteren politischen und sicherheitspolitischen Beziehungen beider Länder nicht wider.
Bleibt die Regelung bestehen, treffen eine voraussichtlich große Ernte und ein erschwerter Zugang zum wichtigsten Exportziel gleichzeitig türkische Erzeuger und Händler. Der Zollabstand wird auch die Einkaufsentscheidungen amerikanischer Importeure beeinflussen, wenn Öl aus der Türkei, Tunesien und der EU vergleichbare Marktsegmente bedient.