US-Rindfleisch erreicht Rekordpreise, doch die Margen der Rancher bleiben unter Druck
Der durchschnittliche US-Einzelhandelspreis für frisches Rindfleisch stieg im Juli 2024 auf den Rekordwert von 8,15 $ je Pfund. Das knappe Viehangebot stützte die Preise, doch hohe Kosten, teure Ersatztiere und niedrigere Gebote der Schlachtbetriebe begrenzten den Nutzen für Rancher.
Einzelhandelspreis steigt über 8 $ je Pfund
Der durchschnittliche US-Einzelhandelspreis für frisches Rindfleisch erreichte im Juli 2024 erstmals 8,15 $ je Pfund, teilte der Economic Research Service des US-Landwirtschaftsministeriums mit. Nach Einschätzung der American Farm Bureau Federation war der Rekord das Ergebnis einer über mehrere Jahre entstandenen Angebotsverknappung und nicht einer einzelnen Störung.
Die Weidebedingungen verschlechterten sich ab 2020. Es folgten drei Jahre einer mit La Niña verbundenen Dürre. Die Preise für Futtergetreide erreichten Rekordstände, während die Inflation weitere Betriebskosten erhöhte. Viele Erzeuger gaben überdurchschnittlich viele weibliche Tiere in Mast und Schlachtung, statt sie für die Zucht zu behalten. Das stützte kurzfristig die Fleischerzeugung, verkleinerte jedoch die Zuchtbasis.
Der Rinderbestand sank dadurch auf den niedrigsten Stand seit 73 Jahren. Der Wiederaufbau dauert: Von der Geburt bis zum Schlachtgewicht benötigt ein Kalb 18-24 Monate; eine zurückbehaltene Färse braucht etwa ein Jahr bis zum ersten Kalb. Da die Rancher noch nicht genügend weibliche Tiere zurückhalten, rechnete der Verband mit weiterem Aufwärtsdruck auf die Verbraucherpreise.
Schlachtbetriebe nutzen das vorübergehende Angebot
Trotz des kleineren Gesamtbestands standen am 1. August 11,1 Millionen Rinder in Mast, geringfügig mehr als im Vorjahr. Die Einstallungen erreichten 1,7 Millionen Tiere und lagen etwa 6 % über 2023. Um rund 25 % niedrigere Futtergetreidepreise im Jahr 2024 förderten zusätzliche Einstallungen und längere Mastzeiten. Dadurch entstand vorübergehend ein Angebot besonders schwerer Tiere.
Die Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe konnten ihre Kassapreise für Rinder senken und zugleich Teilstücke sowie Boxed Beef zu hohen Preisen verkaufen. Im August wurden 1,855 Millionen Masttiere vermarktet. Nach Einschätzung der Farm Bureau Federation profitierten die Verarbeiter in dieser Phase von den hohen Ladenpreisen, während die Landwirte niedrigere Ankaufspreise hinnehmen mussten.
Auch die Kühlhausdaten zeigten die Knappheit. Die gesamten Vorräte an rotem Fleisch lagen am 31. Juli sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber 2023 um 3 % niedriger. Die Rindfleischbestände sanken binnen Jahresfrist um etwa 1 % und gegenüber dem 31. Juli 2022 um rund 20 %. Die starke Inlandsnachfrage traf damit auf einen kleineren Puffer.
Hohe Viehpreise lösen noch keinen Bestandsaufbau aus
Rancher erhielten historisch hohe Preise, doch die Vorteile waren ungleich verteilt. Der durchschnittliche Preis für Mastochsen in fünf Marktregionen lag in der Woche zum 25. August bei 185,54 $ je 100 Pfund. Das waren nur 1,5 % mehr als 2023, aber 56 % mehr als im Durchschnitt 2018-2022. Auf den südlichen Plains kosteten 500-600 Pfund schwere Ochsenkälber 288,91 $ je 100 Pfund, 3 % mehr als im Vorjahr und 67 % mehr als im Durchschnitt 2018-2022.
Gleichzeitig stiegen die Ausgaben. Das US-Landwirtschaftsministerium prognostizierte im Februar 2024 landwirtschaftliche Produktionskosten von rekordhohen 455 Milliarden $, ein Plus von 4 % oder 16,7 Milliarden $ und den sechsten jährlichen Anstieg in Folge. Ein Bestandsaufbau erfordert teure Tiere, hoch verzinstes Betriebskapital und jahrelanges Warten auf zusätzliches Angebot. Ein Verkauf bringt sofort Liquidität. Der Rekord im Einzelhandel ist deshalb kein verlässlicher Maßstab für die Rentabilität der Rancher; die künftigen Margen von Verarbeitern und Händlern hängen davon ab, wie schnell das aktuelle Mastviehangebot zurückgeht.