← Zurück zu den Nachrichten

Ukraine senkt Zuckerprognose wegen Rübenverlusten und gestörter Hafenlogistik

Ukrsakhar erwartet, dass die Prognose von 1,2 Millionen Tonnen Zucker nach wetterbedingten Schäden um 100.000 bis 200.000 Tonnen gekürzt wird. Der Inlandsbedarf bleibt gedeckt, doch weniger Exportware und höhere Produktionskosten dürften die Preise stützen.

Ukraine senkt Zuckerprognose wegen Rübenverlusten und gestörter Hafenlogistik

Wetterschäden belasten die Produktionsaussichten

Die Ukraine geht in eine knappere Zuckersaison, nachdem ungünstiges Wetter Rübenfelder beschädigt und die Pflanzenentwicklung verzögert hat. Yana Kavushevska, Vorsitzende des nationalen Verbands der ukrainischen Zuckerproduzenten Ukrsakhar, sagte UNIAN, dass das Land die Rekordernte der vergangenen Saison nicht wiederholen könne. Wegen Frost während der Aussaat soll die Ernte etwa zwei Wochen später als üblich beginnen. Der August bleibt für den endgültigen Ertrag und die Qualität der Rüben entscheidend.

Die Betriebe säten Zuckerrüben auf 162.000 Hektar aus, doch bis August waren nach wetterbedingten Verlusten von 3.000 Hektar nur noch 159.000 Hektar übrig. Einige Flächen wurden ausgespült, andere durch Wind geschädigt. Ukrsakhars erste Prognose lag bei 1,2 Millionen Tonnen Zucker, Kavushevska rechnet jedoch mit einer Kürzung um 100.000 bis 200.000 Tonnen. Weder Qualität noch Flächenertrag dürften die Rekorde der Vorsaison erreichen.

Hafensperren begrenzen den Export

Der ukrainische Inlandsverbrauch wird auf 800.000 bis 900.000 Tonnen Zucker geschätzt. Auf Basis der revidierten Produktion erwartet Ukrsakhar eine vollständige Versorgung des Binnenmarktes und ein Exportpotenzial von 200.000 bis 300.000 Tonnen. Damit wäre der Markt weitgehend ausgeglichen. In den beiden vorherigen Saisons produzierte die Ukraine dagegen etwa doppelt so viel Zucker, wie sie verbrauchte, und musste für einen großen Überschuss ausländische Käufer finden.

Die Europäische Union war in den ersten elf Monaten des Zuckerwirtschaftsjahres 2025–2026 das wichtigste Exportziel. Rund 19 % der Lieferungen gingen in die 27 Mitgliedstaaten. Dahinter folgten mit geringem Abstand Usbekistan und der Libanon sowie auf Rang vier Syrien. Nach den von Kavushevska genannten Zahlen hatte die Ukraine bis zum 7. August bereits 622.000 Tonnen exportiert, verglichen mit rund 580.000 Tonnen im Vorjahr.

Die Hafensperren gefährden nun Lieferungen nach Usbekistan, in den Libanon und nach Syrien und machen die Exporteure stärker von Landrouten abhängig. Zucker per Bahn nach Constanța zu bringen und dort in Container umzuladen, ist derzeit zu teuer, sagte Kavushevska. Die zusätzlichen Logistikkosten werden auf rund 50 $ je Tonne geschätzt und fallen bei einem Zuckerpreis von etwa 400 $ je Tonne erheblich ins Gewicht. Usbekistan war zu einem wichtigen Käufer geworden, nachdem Störungen an der Straße von Hormus verhindert hatten, dass Zucker aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Kunden in Zentralasien erreichte.

EU-Nachfrage und Kosten könnten Preise stützen

Für ukrainischen Zucker gilt derzeit eine EU-Quote von 100.000 Tonnen. Nach Einschätzung von Ukrsakhar könnte das Land auch eine verdoppelte Quote von 200.000 Tonnen bedienen, ohne die Inlandsversorgung zu gefährden. Die Märkte des westlichen Balkans sind ebenfalls wichtig, weil sie auf dem Landweg erreichbar sind. Bleiben die Häfen eingeschränkt, dürfte verfügbare Exportware vor allem nach Europa gehen. Dort erwartet Kavushevska angesichts prognostizierter Rückgänge der Rübenproduktion die besten Preise.

Die Folgen für den Weltmarktpreis sind weniger klar. Brasilien, Indien und Thailand bleiben die entscheidenden Akteure am globalen Zuckermarkt, obwohl Brasilien und Indien laut Kavushevska ebenfalls mit ungünstigen Bedingungen durch El Niño konfrontiert sind. Ob die Ukraine auf ihre traditionellen Überseemärkte zurückkehren kann, hängt davon ab, ob die Weltmarktpreise die Zusatzkosten der Route über Constanța decken.

Der ukrainische Großhandelspreis für Zucker liegt derzeit bei 22,60 Hrywnja je Kilogramm und damit nach zwei Jahren fallender Preise und hoher Überschüsse ungefähr auf dem Niveau von 2022. Ukrsakhar beziffert die Produktionskosten auf 30 Hrywnja je Kilogramm. Für eine minimale Rentabilität seien 32 bis 35 Hrywnja je Kilogramm erforderlich. Treibstoff und Arbeit sind teurer geworden, während unsichere Dieselpreise die Hersteller zwingen, ihre Budgets fast wöchentlich anzupassen. Kavushevska warnte, eine dritte Verlustsaison in Folge könne selbst große Betriebe vom Rübenanbau abhalten und damit die künftige Produktionsbasis schwächen.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.