Ukraines Kartoffelernte könnte 2026 um 30 % sinken
Die ukrainische Kartoffelernte könnte 2026 wegen anhaltender Hitze und Wassermangels rund 30 % kleiner ausfallen als im Vorjahr. Ende Oktober und Anfang November könnten die Ab-Hof-Preise um etwa 30 % und die Preise für eingelagerte Ware um 12–15 % steigen.
Hitze trifft Kartoffeln in einer kritischen Wachstumsphase
Die ukrainische Kartoffelernte könnte 2026 rund 30 % kleiner ausfallen als im Vorjahr. Anhaltende Hitze und fehlende Feuchtigkeit schädigten die Bestände während der Knospenbildung und Blüte. Das geringere Aufkommen dürfte das inländische Angebot reduzieren und die Preise in der herbstlichen Vermarktungsphase erhöhen.
Nach Angaben von Mykola Furdyha, Direktor des Instituts für Kartoffelanbau der Nationalen Akademie der Agrarwissenschaften der Ukraine, verursachte die ungewöhnliche Hitze während Knospenbildung und Blüte die größten Schäden. Auf dem Betrieb des Instituts, der rund 60 Kartoffelsorten anbaut, liegen die Erträge laut ua.news und Glavcom bereits etwa 30 % unter dem Vorjahresniveau.
Die Temperaturen überschritten an mehr als fünf aufeinanderfolgenden Tagen +37 °C, wodurch die photosynthetisch aktive Oberfläche der Pflanzen nicht mehr normal funktionierte, erklärte Furdyha. Die Pflanzen verbrauchten das Wasser zur Kühlung und zum Überleben statt zur Ertragsbildung. Der sechstägige Hitzeschock verringerte den Ertrag seiner Schätzung zufolge selbst auf bewässerten Flächen um rund 7 Tonnen je Hektar.
Auf nicht bewässerten Feldern ist die Lage schwieriger, und die Verluste dürften höher ausfallen. Das endgültige landesweite Erntevolumen wird erst nach Abschluss der Rodung feststehen. Die Erzeuger rechnen jedoch bereits mit einem geringeren Angebot marktfähiger Kartoffeln.
Vorübergehender Preisrückgang verdeckt den Herbstdruck
Die Preise für Frühkartoffeln stehen derzeit unter Druck, weil die Ernte läuft und die Anbauflächen in den führenden Regionen Dnipropetrowsk, Kyjiw, Tschernihiw und Tscherniwzi deutlich ausgeweitet wurden. Landwirte, die frühzeitig Einnahmen erzielen wollen, verkaufen die Ware laut Glavcom direkt vom Feld für 6,5–7 Hrywnja je Kilogramm und drücken damit vorübergehend den Markt.
Dieser saisonale Rückgang dürfte nicht bis in den Spätherbst anhalten. Furdyha erwartet Ende Oktober und Anfang November bei direkt vom Feld verkauften Kartoffeln einen Preisanstieg von etwa 30 %. Ware aus professionellen Gemüselagern könnte sich wegen des knapperen Angebots sowie der Kosten und des Wertes der Qualitätserhaltung um 12–15 % verteuern.
Andere von Glavcom zitierte Analystenschätzungen gehen je nach Region und Qualität von einem herbstlichen Preisanstieg um 20–30 % aus. Neben ungünstigem Wetter und der kleineren Ernte gelten hohe Anbau- und Lagerkosten sowie das geringere Angebot hochwertiger Kartoffeln als Preistreiber.
Lagerqualität entscheidet über die Verfügbarkeit
Furdyha riet Verbrauchern davon ab, unmittelbar nach der Ernte den gesamten Winterbedarf zu kaufen. Professionelle Gemüselager bieten bessere Bedingungen als private Balkone oder Keller, sodass Kartoffeln im Einzelhandel ihre Qualität länger behalten sollten. Für Verarbeiter und Händler zeigt der Unterschied zwischen dem prognostizierten Plus von 30 % bei Feldware und 12–15 % bei gelagerter Ware, wie wichtig Lagerkapazitäten und der richtige Beschaffungszeitpunkt sind.
Der Ausblick für Kartoffeln steht im Gegensatz zu den Erwartungen für den gesamten ukrainischen Pflanzenbau. Nach Angaben von ua.news prognostiziert der Ukrainische Getreideverband für 2026 eine Getreide- und Ölsaatenernte von 83,6 Millionen Tonnen, nach rund 80 Millionen Tonnen im Vorjahr. Die Abweichung zeigt, dass ein konzentrierter Hitzeschock während Knospenbildung und Blüte bei einer einzelnen Kultur ein erhebliches Angebotsproblem auslösen kann, obwohl die gesamte Pflanzenproduktion voraussichtlich steigt.