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Tunesisches Olivenöl teurer als spanisches Nativ Extra – Preise kehren sich um

Importiertes tunesisches natives Olivenöl extra wird in Europa nun bei rund 4,20 Euro/kg gehandelt, über spanischem (3,65 Euro/kg) und sogar einigen italienischen Partien. Die Umkehr spiegelt Tunesiens ausverkaufte Exporternte, spanischen Lampante-Überschuss und Hitze wider.

Tunesisches Olivenöl teurer als spanisches Nativ Extra – Preise kehren sich um

Tunesisches Öl steigt über spanische und einige italienische Qualitäten

Importiertes tunesisches natives Olivenöl extra wird in Europa laut dem Fachportal Teatro Naturale nun bei rund 4,20 Euro/kg gehandelt und liegt damit über spanischem nativem Öl extra und sogar über einigen italienischen Partien. Dieses Niveau markiert einen deutlichen Sprung gegenüber den Notierungen von November und Dezember und kehrt die übliche Preishierarchie im Mittelmeerraum um.

Spanisches natives Öl extra notiert laut PoolRed am 14. Juli 2026 bei 3,65 Euro/kg, nachdem es am 9. Juli auf 3,55 Euro/kg gefallen war. Lampante-Öl, die für die Raffination bestimmte niedrigere Qualität, erreichte am 7. Juli mit 3,03 Euro/kg ein Periodenhoch und gab bis zum 14. Juli auf 2,98 Euro/kg nach. Natives Olivenöl hält sich stabil bei etwas über 3,25 Euro/kg.

Warum sich die spanischen Qualitäten gegenläufig bewegen

Teatro Naturale verweist auf ein ungewöhnliches Muster: Steigt Lampante, fällt spanisches Nativ Extra – und umgekehrt, entgegen der historischen Norm, nach der sich die verschiedenen nativen Qualitäten gleichgerichtet bewegen. Ursache ist die Desodorierung. Große Mengen des seit Januar reichlich produzierten spanischen Lampante werden durch dieses Verfahren in „natives Öl extra" verwandelt. Kaufen Raffinerien Lampante zur Desodorierung, steigt dessen Preis, das daraus gewonnene Angebot an „nativem Öl extra" wächst und dessen Preis sinkt. Endet der Zustrom desodorierten Öls, erholt sich der Preis für Nativ Extra wieder – wie derzeit zu beobachten.

Die Hauptabnehmer spanischen desodorierten Öls sind dem Portal zufolge italienische Unternehmen, insbesondere Abfüller, die Eigenmarkenprodukte für den Großhandel herstellen. Eigenmarken sind für den Handel sehr lukrativ geworden: hohe Margen, gute Warenrotation und günstige Regalplatzierung.

Italienische Notierungen und der tunesische Engpass

Dieselbe Logik erreicht italienisches Nativ Extra. Teatro Naturale nennt fragwürdige Käufe von nationalem Öl zu 5,30 Euro/Liter frei Bestimmungsort; zieht man mindestens 1,30 Euro/Liter Industrie- und Logistikkosten ab, ergibt sich ein Einkaufspreis nahe 4 Euro/kg – auf dem Niveau von tunesischem Öl. Einzelne Partien wurden zu 4,50 Euro/kg verkauft, doch die realen Notierungen für italienisches Nativ Extra liegen näher bei 5 Euro/kg; Foggia wurde von Ismea Mercati am 9. Juli mit 4,85 Euro/kg angegeben.

Viele Geschäfte werden an den Warenbörsen nicht registriert und eher per Mundpropaganda als über offizielle Indikatoren abgewickelt. Die Lage verunsichert die Ölmüller stark, die in geschlossenen Sitzungen mit Betriebsstilllegungen oder dem Zurückhalten von Oliven bei niedrigen Preisen drohen.

Der Handel mit tunesischem Öl ist derzeit minimal, da kaum Ware verfügbar ist: Tunesien hatte praktisch die gesamte Exportproduktion bis März verkauft. Die spanischen Häfen sind unterdessen noch voll mit zu Kampagnenbeginn gekauftem Öl – ein Puffer, der die spanischen Preise in Spannungsphasen gedämpft hat. Die spanischen Bestände am Kampagnenende liegen bei 260.000 Tonnen, unter dem Vorjahresniveau, während Hitzewellen in Andalusien und anderen Olivenanbaugebieten die traditionelle Produktion gefährden.

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