Südkoreas Craftbiermarkt halbiert sich, während japanische Marken zurückkehren
Südkoreas Craftbiermarkt schrumpfte laut der Korea Craft Brewers Association von 152 Milliarden Won im Jahr 2021 auf 75,2 Milliarden Won im Jahr 2023. Sankei zufolge schwächte die Niedrigpreisstrategie im Convenience-Handel das Verbraucherinteresse, während japanisches Bier nach dem Boykott von 2019 Marktanteile zurückgewann.
Markt fällt weit unter den Höchststand von 2021
Südkoreas Craftbiermarkt befindet sich trotz einer Rekordhitze, die den Bierkonsum normalerweise stützen würde, in einer anhaltenden Schrumpfungsphase. Nach Angaben der Korea Craft Brewers Association sank das inländische Marktvolumen von 152 Milliarden Won im Jahr 2021 auf 75,2 Milliarden Won im Jahr 2023 und damit um mehr als die Hälfte. Auch nach 2023 setzte sich der Abwärtstrend fort.
Sankei berichtet, Craftbier habe in Südkorea einige Jahre zuvor einen explosionsartigen Aufschwung erlebt und den sommerlichen Alkoholkonsum maßgeblich angetrieben. Ein großer Teil des Wachstums beruhte jedoch auf preisgünstigen Produkten in Convenience-Stores. Diese Strategie verbreiterte zwar den Vertrieb, trug laut der Zeitung letztlich aber auch dazu bei, dass sich Verbraucher von der Kategorie abwandten.
Die Kontraktion zeigt, dass eine breite Präsenz im Einzelhandel allein keine dauerhafte Nachfrage nach unabhängig gebrautem Bier geschaffen hat. Kleine Brauereien müssen nun Größe, Preis und Zugang zu den Regalen der Convenience-Stores mit jenen besonderen Zutaten, Verfahren und Aromen in Einklang bringen, durch die sich Craftbier ursprünglich abhob.
Japanisches Bier kehrt als Wettbewerber zurück
Die Erholung japanischer Biermarken verändert ebenfalls den südkoreanischen Markt. Während des 2019 begonnenen Boykotts japanischer Waren verschwanden diese Produkte weitgehend aus den örtlichen Regalen. Sankei zufolge beeinflusst ihre spätere Rückkehr zusammen mit den verbesserten Beziehungen zwischen Südkorea und Japan das Kräfteverhältnis im Markt.
Die Quelle nennt weder Verkaufszahlen einzelner japanischer Brauereien noch Handelsmengen. Ihre erneute Präsenz erhöht dennoch den Druck in einem bereits schrumpfenden Craftsegment. Koreanische Craftbrauer konkurrieren damit nicht nur mit einheimischem Massenbier, sondern auch mit Importprodukten, deren Bekanntheit sich seit der Boykottphase erholt hat.
Der Vergleich mit Japan verdeutlicht die unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Craftbier entstand in den Vereinigten Staaten und verbreitete sich ab den 1990er-Jahren weltweit. In Japan gewann die Branche an Dynamik, nachdem eine Änderung des Alkoholsteuergesetzes 1994 die lokale Bierproduktion ermöglicht hatte. Mehr als 30 Jahre später gibt es dort laut Sankei rund 1.000 Brauereien. In Südkorea bleiben erfolgreiche Produkte mit unverwechselbaren lokalen Zutaten dagegen selten.
Schlammbier zeigt einen möglichen Premiumweg
Eine Ausnahme ist ein Bier, das mit dem jährlichen Boryeong-Schlammfestival im Westen Südkoreas verbunden ist. Der 28-jährige Unternehmer Lim Chae-rim begann bereits während des Studiums mit der Entwicklung. Dem Bier wird kein roher Schlamm zugesetzt: Das Wasser wird durch ein verarbeitetes Material gefiltert, das durch Brennen von hochwertigem Wattenschlamm entsteht. So soll ein mineralreiches Bier erzeugt werden.
Der Umsatz stieg laut Sankei von 140 Millionen Won beim Marktstart 2023 und soll 2026 mehr als 1 Milliarde Won erreichen. Lim Chae-rim führt den eigenständigen Charakter auf einen kräftigen Getreidegeschmack zurück. Die Verbindung mit Boryeong und einem der bekanntesten Sommerfestivals Südkoreas verschafft der Brauerei zudem ein Unterscheidungsmerkmal jenseits des Preises.
Das Beispiel zeigt, dass Geschichten über lokale Herkunft, besondere Produktion und touristisch geprägte Verkäufe auch in einem schrumpfenden Markt Kunden erreichen können. Den landesweiten Rückgang kehrt es nicht um, doch Produzenten dürften sich stärker von austauschbaren, rabattierten Angeboten in Convenience-Stores lösen müssen. Für Brauer, Zulieferer und Investoren bleibt entscheidend, ob weitere Betriebe ähnlich erkennbare Produkte aufbauen können, bevor große koreanische und zurückkehrende japanische Marken den verfügbaren Markt weiter einengen.