Südkorea nähert sich EU-Rindfleischzulassung und treibt CPTPP-Beitritt voran
Südkorea bringt die gesundheitliche Zulassung von Rindfleisch aus Deutschland, Polen, Spanien, Belgien und Schweden voran und strebt zugleich eine CPTPP-Mitgliedschaft an. Eine Studie erwartet für 2026–2035 jährliche Einbußen von 2,9–6,7 Milliarden Won bei der heimischen Rinderproduktion.
Fünf EU-Lieferländer kommen im Zulassungsverfahren voran
Südkorea nähert sich der Einfuhrzulassung für Rindfleisch aus fünf Ländern der Europäischen Union. Für die heimischen Tierhalter entsteht damit eine neue Quelle des Wettbewerbsdrucks. Nach Angaben von Nongmin Shinmun befinden sich die gesundheitspolizeilichen und pflanzenschutzrechtlichen Prüfungen für Deutschland, Polen, Spanien, Belgien und Schweden in einem fortgeschrittenen Stadium. Gleichzeitig arbeitet die Regierung auf einen Beitritt zum Umfassenden und Fortschrittlichen Abkommen für eine Transpazifische Partnerschaft hin.
Deutschland, Polen und Spanien haben Stufe fünf des achtstufigen Zulassungsverfahrens erreicht. In dieser Phase entscheiden die Behörden grundsätzlich über die Einfuhrfähigkeit. Belgien und Schweden befinden sich auf Stufe vier. Lieferungen können damit noch nicht sofort beginnen, doch mehr Antragsteller nähern sich den verbleibenden Schritten, darunter die Vereinbarung und amtliche Veröffentlichung der Einfuhrgesundheitsbedingungen.
Vor allem polnisches und spanisches Rindfleisch könnte sich in Gastronomie und Verarbeitung als wettbewerbsfähig erweisen, weil dort Preis und Rohstoffkosten besonders wichtig sind. Das Korea Rural Economic Institute erwartet kurzfristig weder eine starke Veränderung der von den USA und Australien dominierten Importstruktur noch eine rasche Verdrängung im Premiumsegment für Hanwoo. Zusätzliche Bezugsquellen könnten jedoch die Marktstimmung und die Beschaffungsstrategien der Verarbeiter beeinflussen.
Studie erwartet Verluste in mehreren Tierhaltungszweigen
Ein aktueller Bericht des Instituts schätzt, dass umfangreiche Rindfleischimporte aus der EU den Produktionswert von Hanwoo und anderen heimischen Fleischrindern zwischen 2026 und 2035 gegenüber dem Basisszenario um durchschnittlich 2,9–6,7 Milliarden Won pro Jahr mindern würden. Sinkende Hanwoo-Großhandelspreise und kleinere Bestände könnten den gesamten landwirtschaftlichen Produktionswert jährlich um 3,8–8,8 Milliarden Won verringern.
Die Folgen dürften nicht auf Rindfleisch begrenzt bleiben. Ein größeres oder preisgünstigeres Angebot könnte die Nachfrage nach austauschbaren Fleischarten verschieben. Das Institut prognostiziert einen jährlichen Rückgang des Produktionswerts bei Schweinen um 700 Millionen–1,5 Milliarden Won und bei Masthühnern um 100–300 Millionen Won.
Der Institutsforscher Song Woo-jin erklärte, Einfuhren aus den fünf EU-Ländern würden die auf die USA und Australien ausgerichtete Versorgung oder den hochwertigen Hanwoo-Markt voraussichtlich nicht schnell umgestalten. Die Hanwoo-Branche kämpfe jedoch bereits mit sinkenden Tierzahlen und steigenden Produktionskosten. Bei einer Konjunkturabschwächung oder höheren Hanwoo-Preisen könnte mittel- und niedrigpreisiges EU-Verarbeitungsfleisch einen Teil der heimischen Nachfrage ersetzen.
CPTPP-Debatte vergrößert die Marktöffnung
Die parallele Diskussion über einen CPTPP-Beitritt wirft weitergehende Fragen für Südkoreas Landwirtschaft auf, weil eine Mitgliedschaft den Abbau hoher Zölle und Lockerungen bei Quarantänevorschriften mit sich bringen kann. Nongmin Shinmun verweist auf das Vereinigte Königreich, dessen CPTPP-Mitgliedschaft im Dezember 2024 wirksam wurde. Der britische Bauernverband NFU befürchtet, dass der kumulierte Wettbewerbsdruck großer Agrarexporteure wie Australien und Neuseeland mehr preisgünstige Agrarimporte bringen und heimische Erzeuger Produkten mit anderen Tierwohl- und Umweltstandards aussetzen könnte.
Für Südkorea geht die politische Aufgabe daher über Grenzkontrollen hinaus. Von Nongmin Shinmun zitierte Fachleute empfehlen, Tierseuchen und Hygienebedingungen in jedem EU-Mitgliedstaat streng zu überwachen und zugleich Hanwoo durch Qualität, Reifung und Markenbildung abzugrenzen. Seo Jin-kyo, Leiter des GSnJ Institute, hält eine Entschädigung nach Einzelprodukten für unzureichend, weil sie direkte und indirekte Schäden durch Substitution zwischen Erzeugnissen nicht vollständig erfasst. Er fordert einen breiteren Einkommensschutz für Produkte mit deutlichen Preisrückgängen.