Südkorea baut grüne Birnensorten für den Alltagskonsum aus
Südkoreas Behörde für ländliche Entwicklung erweitert Produktion und Vertrieb von drei heimisch gezüchteten grünen Birnensorten. Damit soll ein Markt diversifiziert werden, in dem Shingo 2025 einen Anteil von 85,4 % an der Birnenfläche hatte.
Ein Markt unter der Dominanz einer Sorte
Südkoreas Behörde für ländliche Entwicklung will Anbaugebiete und Vertriebskapazitäten für drei im Land gezüchtete grüne Birnensorten erweitern und damit einen Markt für den Alltagskonsum schaffen. NewsPim nennt Seolwon, Supergold und Greensis. Die Sorten unterscheiden sich deutlich von den großen braunen Birnen, die traditionell zu Chuseok und zum Mondneujahr verschenkt werden.
Das Programm soll die starke Abhängigkeit der Branche von der in Japan gezüchteten Sorte Shingo verringern. Nach Angaben von NewsPim und Food News entfielen 2025 insgesamt 85,4 % der südkoreanischen Birnenfläche auf Shingo. Der Anteil stieg von rund 35 % in den 1980er-Jahren auf 70 % Ende der 1990er-Jahre; auch Produktion, Lagerung und Vertrieb wurden zunehmend auf diese Sorte ausgerichtet.
NewsPim zufolge ermöglichte die in den 1990er-Jahren entwickelte Gibberellin-Behandlung, die Shingo-Ernte um etwa eine Woche vorzuverlegen und zugleich Fruchtgröße und Ertrag zu erhöhen. Damit entstanden große, gleichmäßige Früchte für den Geschenkemarkt. Fällt Chuseok jedoch früh, können noch nicht vollständig reife Birnen in den Handel gelangen; eine Preisbildung, die vor allem Größe und Aussehen berücksichtigt, beeinträchtigt zudem die Zufriedenheit der Verbraucher.
Unterschiedliche Erntezeiten, Aromen und Anwendungen
Seolwon ist eine frühe Sorte mit Ernte Anfang September. Die Früchte wiegen im Durchschnitt 600 g und erreichen mindestens 14 Brix, rund 2 Brix mehr als Shingo. Das süße, knackige Fruchtfleisch verfärbt sich nach dem Schneiden nur langsam und eignet sich daher für verzehrfertige Obststücke. Die Früchte sind bei Raumtemperatur etwa 30 Tage lagerfähig; die Blüte beginnt rund eine Woche später als bei Shingo, was das Risiko von Frühjahrskälte verringert.
Auch Supergold ist früh reifend und erreicht durchschnittlich 570 g sowie 13,6 Brix. Die Süße wird durch eine leichte Säure ergänzt. Bei einer Bewertung durch Großhandelsvermittler erzielte die Sorte eine Gesamtzufriedenheit von 4,25 von 5 Punkten und belegte in der Präferenz den ersten Platz; besonders der Saftgehalt wurde positiv bewertet. Reichlich Pollen und eine ähnliche Blütezeit wie bei Shingo machen sie außerdem als Bestäubersorte nutzbar.
Greensis, Südkoreas erste Kreuzung aus asiatischer und europäischer Birne, wird Mitte September geerntet. Die Früchte wiegen durchschnittlich 460 g, erreichen 12,3 Brix und besitzen eine grüne Schale, knackiges Fruchtfleisch und viel Saft. Ihre Resistenz gegen Birnenschorf kann den Pflanzenschutzaufwand senken. NewsPim nennt zudem einen Fall, in dem kühl gelagerte Ware bis Juni des Folgejahres vermarktet wurde.
Kleine Produktionsbasis und langsamer Sortenwechsel
Die kommerzielle Basis ist noch begrenzt. Gemeinsam mit kommunalen Agrartechnikzentren erhobene Daten beziffern die Fläche 2025 auf 10 ha für Seolwon, 27 ha für Supergold und 43 ha für Greensis, zusammen 80 ha. Die Behörde arbeitet mit Kommunen und spezialisierten Vertriebsorganisationen an Produktionsclustern, die größere und gleichmäßige Mengen bereitstellen können.
Für Seolwon plant Ulsan bis 2029 ein Anbaugebiet von 10 ha, Naju strebt bis 2030 insgesamt 30 ha an. In Naju, Südkoreas größtem Birnenanbaugebiet, schreitet die Diversifizierung bereits schneller voran: 2025 belegten heimisch gezüchtete neue Sorten 425 ha oder 25,8 % der insgesamt 1.642 ha Birnenanlagen. Laut NewsPim lag diese Quote etwa beim 1,8-Fachen des Landesdurchschnitts.
Ein schneller Wechsel bleibt dennoch schwierig. Obstanlagen werden üblicherweise alle 20–30 Jahre erneuert, während eine etablierte Birnensorte mehr als 50 Jahre angebaut werden kann. Nach einem Sortenwechsel können Betriebe zudem mehr als drei Jahre ohne Ernte und Einnahmen bleiben. Die Behörde will daher Produktionscluster mit Vertrieb und Verbraucherwerbung verbinden und zugleich später blühende, selbstfruchtbare und krankheitsresistente Sorten für Klima- und Schädlingsrisiken entwickeln.