Spaniens Autoverwerter bereiten sich auf EU-Vorgaben für Recyclingkunststoff vor
Neue Pkw sollen 2032 zu 15 % und 2036 zu 25 % aus recyceltem Kunststoff bestehen. Spaniens Verwertungsbranche muss dafür vor allem Reinheit, Qualität und gleichbleibende Eigenschaften des Materials sichern.
Recyclingquoten verändern die Rolle der Verwerter
Spaniens 1.400 zugelassene Zentren für die Behandlung von Altfahrzeugen bereiten sich auf eine größere Rolle in der automobilen Wertschöpfungskette vor. Anlass sind neue EU-Vorgaben für Recyclingkunststoff in Neuwagen. Energelia zufolge schreibt die am 13. August in Kraft getretene Verordnung für 2032 einen Recyclinganteil von 15 % beim Kunststoff in neuen Fahrzeugen vor. 2036 steigt die Quote auf 25 %.
Damit geht die Aufgabe der Betriebe über die bisherige Rückgewinnung von Metallen und wiederverwendbaren Bauteilen hinaus. Sie müssen künftig auch Kunststoffe trennen, die wieder in die Fahrzeugproduktion einfließen können. Die Hersteller benötigen verlässliche Mengen recycelter Polymere mit anspruchsvollen technischen Eigenschaften. Für Demontagebetriebe, Schredder und Recycler gewinnen eine präzise Materialerkennung, Sortierung und Rückverfolgbarkeit an Bedeutung.
Vorhandene Kapazitäten, aber zu wenige erfasste Fahrzeuge
Nach Angaben des spanischen Verbands für die umweltgerechte Behandlung von Altfahrzeugen Sigrauto umfasst das nationale Netz 1.400 zugelassene Behandlungszentren, 25 Schredderanlagen und 9 Nachbehandlungsanlagen. Zusammen beschäftigen sie direkt rund 12.500 Menschen. Im vergangenen Jahr nahmen die Zentren 671.675 Fahrzeuge an. Darunter waren fast 65.500 Fahrzeuge, die durch die Überschwemmungen von Valencia im Jahr 2024 beschädigt worden waren.
Ohne diese Flutfahrzeuge blieb das Behandlungsvolumen nahezu unverändert und sank um 0,59 %. Sigrauto schätzt, dass jährlich mindestens 750.000 Fahrzeuge verarbeitet werden müssten. Der spanische Fahrzeugbestand ist laut Branchenverband Anfac im Durchschnitt mehr als 15 Jahre alt. Andalusien führte die Statistik mit 122.334 Fahrzeugen an, gefolgt von der Valencianischen Gemeinschaft mit 115.203, Katalonien mit 79.641 und der Autonomen Gemeinschaft Madrid mit 64.999 Fahrzeugen.
Die Kunststoffqualität bleibt der Engpass
Sigrauto-Generaldirektor Manuel Kindelan erklärte, dass nicht die Rückgewinnung von Kunststoff aus zerlegten Fahrzeugen die größte Schwierigkeit darstelle. Entscheidend sei die Herstellung eines Recyclingmaterials mit der Reinheit, Qualität und Beständigkeit, die für neue Automobilkomponenten erforderlich sind. Die heute eintreffenden Fahrzeuge sind durchschnittlich 21 Jahre alt und stammen aus einer Zeit, in der recyclinggerechtes Design kaum berücksichtigt wurde.
Trotzdem werden Sigrauto zufolge derzeit rund 85 % des Fahrzeuggewichts wiederverwendet oder recycelt. Einschließlich der energetischen Verwertung bestimmter Fraktionen steigt der Wert auf 95 %. Ab 2029 sollen weitergehende Anforderungen an Herstellerverantwortung, Behandlung, Schadstoffentfrachtung, Ausbau bestimmter Teile, Zerkleinerung, Information und Rückverfolgbarkeit gelten. Viele dieser Verfahren seien in Spanien bereits üblich, sagte Kindelan.
Wirtschaftlichkeit und Elektroautos erhöhen den Druck
Rafael Azor Castaño, Präsident des andalusischen Verbands der Autoverwerter, hält eine Trennung der Kunststoffe direkt bei der Demontage für integrierbar. Sie könne mit der üblichen Schadstoffentfrachtung und dem Ausbau wiederverwendbarer Komponenten verbunden werden. Ohne moderne Systeme zur Materialerkennung oder einen besser entwickelten Recyclingmarkt sei eine eigenständige Wirtschaftlichkeit jedoch unwahrscheinlich. Andalusien verfügt über 200 zugelassene Zentren, die einen Bestand von 6,55 Millionen Fahrzeugen betreuen und jährlich eine direkte Wirtschaftsleistung von 109,6 Millionen € erzeugen.
Elektrofahrzeuge bringen zusätzliche betriebliche Anforderungen. Die Zentren müssen Hochvoltsysteme sicher demontieren, Brände verhindern und das Batterierecycling organisieren. Investitionen in diese Bereiche treffen zeitlich mit den Anpassungen für automobiltauglichen Recyclingkunststoff zusammen. Damit werden die Jahre 2029 bis 2036 für die Umsetzung im spanischen Demontage- und Recyclingnetz entscheidend.