Spanien verhängt und lockert landesweite Stallpflicht für Geflügel wegen Vogelgrippe
Spaniens Landwirtschaftsministerium ordnete ab dem 13. November die Aufstallung aller Freilandgeflügelbetriebe an, um die Vogelgrippe einzudämmen, und hob die Anordnung später bis zum 16. April vollständig auf. Der Verband Unións Agrarias meldete in einigen Regionen Eierpreisanstiege von 16 bis 18 Prozent, bezeichnete diese aber als Spekulation ohne Knappheit oder Gesundheitsrisiko.
Landesweite Stallpflicht
Spaniens Ministerium für Landwirtschaft, Fischerei und Ernährung (MAPA) ordnete die verpflichtende Aufstallung aller Freilandgeflügelbetriebe im ganzen Land an – eine vorbeugende Maßnahme, um die Ausbreitung der Vogelgrippe zu bremsen, nachdem die Fälle bei Wildvögeln in den vergangenen Wochen zugenommen hatten, wie Cadena SER berichtet. Die Anordnung trat am 13. November in Kraft und weitete die seit dem vorangegangenen Montag in Teilen Galiciens – insbesondere in mehreren Gemeinden der Provinz A Coruña – geltenden Beschränkungen auf das gesamte Land aus.
Erklärtes Ziel ist es, den Kontakt zwischen Hausgeflügel und potenziell infizierten Zugvögeln während einer der jährlichen Spitzenzeiten des Vogelzugs nach Süden zu verhindern. Die Behörden rechneten damit, dass die Maßnahme mindestens einen Monat gelten würde; die erste Dezemberhälfte gilt als entscheidend für die Bewertung der Lage. Die Regionen durften Zusammenführungen von Geflügel nur für Tiere aus derselben Region und nur nach einer gesundheitlichen Prüfung genehmigen.
Folgen für Freilandbetriebe
Die Stallpflicht trifft vor allem Freiland-Legehennenbetriebe, die ihre Tiere vorübergehend in geschlossene Ställe zurückführen mussten. Viele Betriebe hatten in den vergangenen Jahren in die Umstellung auf Freiland- und Tierwohlsysteme investiert, weshalb der Rückschritt erheblich ist, so Cadena SER. Die Masthähnchenproduktion, ohnehin in Stallhaltung, lief wie gewohnt weiter.
Roberto García, Generalsekretär von Unións Agrarias, sagte Radio Coruña, es handele sich um eine Frage der Tiergesundheit ohne Bezug zur Lebensmittelsicherheit; für die menschliche Gesundheit sowie die Versorgung mit Eiern und Fleisch bestehe kein Risiko. Jeder betroffene Betrieb müsse mit der vollständigen Tötung seines Bestands rechnen, was schwere wirtschaftliche Schäden und lange Ausfälle bis zur Rückkehr zum Normalbetrieb bedeute. Die Vogelgrippe werde vor allem von Wildvögeln auf Hausgeflügel übertragen.
Warnungen vor steigenden Eier- und Fleischpreisen
Zwar könnte die Umstellung leichte Marktschwankungen rechtfertigen, doch für die bereits mancherorts beobachteten Eierpreisanstiege von 16 oder 18 Prozent gebe es keine reale Grundlage, warnte García. Es werde ein „Alarmeffekt" erzeugt, den einige Akteure zur Spekulation nutzten; weder Knappheit noch Kostensteigerungen rechtfertigten so hohe Aufschläge. Schon das Wort „Aufstallung" könne einen Eindruck von Gefahr vermitteln, der nicht der gesundheitlichen Realität entspreche; besser sei es, kurz und entschlossen zu handeln als kleine, langgezogene Maßnahmen zu verhängen.
Teilweise und vollständige Aufhebung
Die Regierung hob die Beschränkungen später schrittweise auf. Bei einer Teillockerung bestand das Ministerium auf verstärkter Biosicherheit und Überwachung in den Geflügelbetrieben. Anschließend wurden die noch in ganz Spanien geltenden Aufstallungsmaßnahmen ab Donnerstag, dem 16. April, aufgehoben. Die Vogelgrippe ist für den Sektor nichts Neues, der seit fast einem Jahrzehnt mit ähnlichen Ausbrüchen lebt; in diesem Jahr wurden jedoch mehr Herde bei Wildvögeln entdeckt, weshalb die Behörden früher und entschiedener handelten. Die doppelte Herausforderung besteht laut Cadena SER nun darin, das Virus einzudämmen und zugleich unbegründete Spekulationsbewegungen am Markt für Eier und Geflügelfleisch zu verhindern.