Spaniens Elektroautoverkäufe erreichen Rekord, während die Produktion sinkt
In Spanien stiegen die Neuzulassungen um 12,3 % auf 1.369.095 Fahrzeuge, während erstmals mehr als 100.000 reine Elektroautos verkauft wurden. Gleichzeitig drosseln die Werke wegen der schwächeren Nachfrage in Europa ihre Produktion.
Die Kunden kehren in Spaniens Autohäuser zurück
Spaniens Automobilmarkt entwickelt sich in zwei unterschiedliche Richtungen. Die Neuzulassungen wachsen kräftig, getragen von Privatkunden und elektrifizierten Fahrzeugen, während die heimischen Werke ihre Produktion wegen der nachlassenden Nachfrage in Europa zurückfahren.
Nach Angaben von Autofácil, das sich auf den spanischen Verband der Automobil- und Lkw-Hersteller ANFAC beruft, nahmen die Neuzulassungen um 12,3 % auf 1.369.095 Fahrzeuge zu. Auf Personenkraftwagen entfielen 1.148.650 Zulassungen, womit die Marke von einer Million deutlich überschritten wurde.
Privatkunden waren der wichtigste Wachstumstreiber. Die Zulassungen in diesem Absatzkanal stiegen gegenüber dem Vorjahr um 18,1 %. Familien und einzelne Autofahrer kehrten damit nach mehreren Jahren der Unsicherheit in den Markt zurück. Dennoch liegen die Jahresverkäufe noch rund 100.000 Fahrzeuge unter dem Niveau des Jahres 2019 vor der Pandemie.
Mehr als 100.000 reine Elektroautos verkauft
Die Elektrifizierung gewinnt bei dieser Markterholung an Gewicht. Der Absatz reiner Elektrofahrzeuge stieg um 76,2 % und überschritt in Spanien erstmals innerhalb eines Jahres die Marke von 100.000 Einheiten. Damit expandierte ein Segment deutlich, das bisher einen vergleichsweise kleinen Teil des nationalen Marktes ausmachte.
Reine Elektroautos und Plug-in-Hybride stellen zusammen fast jeden fünften in Spanien verkauften neuen Pkw. Modelle wie das Tesla Model 3 treiben den Wandel mit an. Der veränderte Absatzmix schlägt sich auch in den Emissionen nieder: Der durchschnittliche Kohlendioxidausstoß neu zugelassener Fahrzeuge sank um 10,8 % auf 103 Gramm je Kilometer.
Für Händler und Importeure eröffnen die Zahlen einen schneller wachsenden Markt für elektrifizierte Modelle. Zugleich stehen die Hersteller unter Druck, Fahrzeuge zu wettbewerbsfähigen Preisen und mit einem für spanische Kunden geeigneten Modellangebot bereitzustellen. Höhere Zulassungen führen jedoch nicht automatisch zu mehr Produktion in Spanien, da ein Teil der verkauften Fahrzeuge aus Werken in anderen Ländern stammen kann.
Werke spüren die schwächere Nachfrage in Europa
Autofácil berichtet, dass Spaniens große Fahrzeugwerke ihr Tempo gedrosselt haben, weil der europäische Markt an Schwung verloren hat. Damit entsteht ein deutlicher Gegensatz zwischen belebten Autohäusern und schwächer ausgelasteten Montagelinien. Spaniens Produktionsstandorte sind auf Nachfrage außerhalb des Heimatmarktes angewiesen und reagieren daher empfindlich auf rückläufige Verkäufe in anderen europäischen Ländern.
Diese gegenläufige Entwicklung betrifft Fahrzeughersteller, Zulieferer und Logistikunternehmen. Die inländischen Zulassungen erholen sich, bleiben aber unter dem Niveau vor der Pandemie. Gleichzeitig entfällt das stärkste Wachstum auf Technologien, die eine Anpassung von Werken und Lieferketten verlangen. Für Spaniens Autoindustrie geht es daher nicht nur darum, mehr elektrifizierte Fahrzeuge zu verkaufen, sondern diese Nachfrage mit wettbewerbsfähiger Produktion im eigenen Land zu verbinden. Andernfalls kann das Wachstum in den Verkaufsräumen mit einer sinkenden Auslastung spanischer Produktionskapazitäten einhergehen.