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Hungerprotest bei Solino schürt Sorgen um Polens künftige Sole-Nachfrage

Beschäftigte des von Orlen kontrollierten Salzförderers Solino führen einen rotierenden Hungerprotest und fordern eine staatliche Übernahme von Qemetica. Sie befürchten, dass Veränderungen im Salz- und Sodageschäft von Qemetica die Sole-Abnahme verringern und die Zukunft des Bergwerks gefährden könnten.

Hungerprotest bei Solino schürt Sorgen um Polens künftige Sole-Nachfrage

Beschäftigte verlangen staatliches Eingreifen

Beschäftigte der von Orlen kontrollierten Salzbergbaugesellschaft Inowrocławskie Kopalnie Soli “Solino” setzen ihren rotierenden Hungerprotest wegen der Zukunft des Betriebs und seiner Industriekunden fort. Wie Interia Biznes berichtet, fordern sie eine Übernahme der früher als Ciech bekannten Qemetica durch Orlen oder den polnischen Staat. Im Mittelpunkt steht die Sorge, dass eine geringere Sole-Abnahme den langfristigen Betrieb des Bergwerks gefährden könnte.

Qemetica produziert Soda und Salz, während Solino Salzbergwerke und Sole-Versorgungssysteme betreibt, die von der Orlen-Gruppe genutzt werden. Qemetica hat eine vorläufige Vereinbarung über den Verkauf der Salzwerke im polnischen Janikowo und im deutschen Staßfurt an die deutsche K+S unterzeichnet. Die Transaktion soll im ersten Quartal 2027 erfolgen. Für Polens Chemielieferkette verbindet der Konflikt die vorgelagerte Salz- und Soleförderung mit der nachgelagerten Sodaproduktion und der industriellen Salznachfrage.

Regierung sieht keinen Grund für Übernahme

Die stellvertretende Staatsvermögensministerin Eliza Zeidler erklärte im Parlament, Orlen sehe derzeit keine Grundlage für einen Erwerb der Qemetica-Aktiva durch den Staatsschatz. Qemetica ziehe sich nicht aus dem polnischen Salzmarkt zurück; zudem seien das Soda- und das Salzgeschäft getrennte Tätigkeiten. Orlen hatte im vergangenen Jahr eine Übernahme des Sodageschäfts geprüft, nach einer Bewertung möglicher Synergien und der strategischen Bedeutung der Aktiva jedoch kein Angebot abgegeben.

Eliza Zeidler wies auch die Behauptung zurück, der Konflikt gefährde Polens Sicherheit bei der Lagerung von Öl und Kraftstoffen. Solino unterhält von Orlen genutzte Infrastruktur, darunter Salzbergwerke und Sole-Liefersysteme, doch nach Angaben der Regierung hängt die Sicherheit nicht von einer Übernahme Qemeticas ab. Produzenten und Händler verantworten Pflichtbestände für 47 Tage, die staatliche Agentur für strategische Reserven deckt 43 Tage ab. Das Ministerium sieht deshalb derzeit keinen Bedarf für eine weitere staatlich kontrollierte Gesellschaft.

Beschäftigung stabil, Absatzrisiko bleibt

Nach Angaben des Ministeriums kann der Hungerprotest nicht als Streik im Sinne des polnischen Rechts gelten, weil die vorgeschriebenen Verfahren nicht eingehalten wurden. Solino wurde am 16. März 2026 per E-Mail informiert; zuvor waren weder Forderungen an den Arbeitgeber gerichtet noch Verhandlungen versucht worden. Eine Streikankündigung hätte mindestens fünf Tage vorher erfolgen müssen. Vier Beschäftigte beteiligen sich im Wechsel an dem Protest.

Orlen zufolge plant Solino keinen Stellenabbau in der Salzproduktion oder im Vertrieb. Die Beschäftigung ist mit nahezu 250 Vollzeitstellen stabil; weder im vergangenen noch in diesem Jahr wurden Personalabbau oder freiwillige Austrittsprogramme eingeleitet. Eine am 9. März mit Gewerkschaftsvertretern geschlossene Entgeltvereinbarung sieht Lohnerhöhungen und zusätzliche Leistungen vor. Die Regierung sieht zudem keine Belege für eine unumkehrbare Stilllegung, Demontage oder Veräußerung strategischer Infrastruktur. Für Importeure und industrielle Abnehmer bleibt die wirtschaftliche Ursache des Protests dennoch relevant: Ein anhaltender Rückgang des Soleverbrauchs könnte Auslastung, heimische Salzverfügbarkeit und Beschaffungsbedarf der polnischen Soda- und Chemieindustrie verändern.

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