Saudi-Arabiens United Group verlagert Gerstenkäufe weg vom Schwarzen Meer
United Group reduziert wegen kriegsbedingter Lieferausfälle seine Gerstenkäufe aus der Schwarzmeerregion. Der saudische Importeur weicht auf Argentinien und die EU aus, während gelieferte Gerste bis zu 25 % teurer geworden ist.
Lieferausfälle drücken den Anteil der Schwarzmeerregion
United Group, der größte gewerbliche Gerstenkäufer Saudi-Arabiens, reduziert seine Einkäufe in der Schwarzmeerregion und verlagert Bestellungen nach Argentinien und in die Europäische Union. Elevatorist berichtete unter Berufung auf Bloomberg und Unternehmenschef Abdulaziz Aldharrab, dass die durch den Krieg zwischen Russland und der Ukraine verursachten Lieferstörungen hinter diesem Kurswechsel stehen.
In der ersten Jahreshälfte stammte etwa ein Viertel der Importe von United Group aus der Schwarzmeerregion. Im Sommer verlor dieser Beschaffungskanal an Zuverlässigkeit, als intensivere Kämpfe und Schäden an der Getreideinfrastruktur die Exporte aus der Ukraine und Russland stark verringerten. Das letzte vom Unternehmen bestellte Schwarzmeerschiff traf ungefähr zwei Wochen vor dem Bericht in Saudi-Arabien ein. Inzwischen bezieht United Group Gerste aus anderen Herkunftsländern.
Argentinien und EU-Anbieter gewinnen Aufträge
Argentinien dürfte laut Aldharrab in diesem Jahr etwa 30 % der Käufe von United Group liefern, nach rund 20 % im Vorjahr. Das Unternehmen kauft außerdem Gerste in Rumänien, Bulgarien und Frankreich. Australien und die baltischen Staaten werden als weitere Optionen geprüft, wodurch sich die Auswahl möglicher Lieferanten vergrößert.
Die Verlagerung ist marktlich relevant, weil United Group jährlich Millionen Tonnen Gerste importiert und unter saudischen Unternehmen der größte Käufer ist. Saudi-Arabien ist zugleich der zweitgrößte Gerstenimporteur der Welt. Änderungen in der Beschaffung des Unternehmens können daher erhebliche Ladungsmengen umlenken und den Wettbewerb unter Exporteuren um den Golfmarkt verschärfen.
Alternative Herkunftsländer schützen Käufer nicht vollständig vor höheren Kosten. Nach Angaben von Aldharrab kostet nach Saudi-Arabien gelieferte Gerste derzeit bis zu 25 % mehr als zwei Monate zuvor. Die zusätzlichen Kosten würden letztlich an die Branche und die Verbraucher weitergegeben und den Nahrungsmittelpreisanstieg verstärken. Knappere Verfügbarkeit sowie höhere Fracht- und Versicherungskosten wirken dabei zusammen.
Transportrisiken erschweren die Versorgung am Golf
Der Krieg im Nahen Osten schafft zusätzliche Risiken, da Getreidetransporte durch die Straße von Hormus beeinträchtigt wurden. Saudische Häfen am Roten Meer sind deshalb in diesem Jahr zu wichtigen Annahmestellen für Getreide in den Golfstaaten geworden. Allerdings nehmen auch auf diesen Routen die Risiken zu. Dies verteuert Fracht und Versicherung, während Importeure Ersatz für ausgefallene Schwarzmeerlieferungen suchen.
Saudi-Arabien hält Getreidereserven vor, um den heimischen Markt vor Engpässen zu schützen. Das Land verfügt üblicherweise über Weizenvorräte für fünf bis sechs Monate, während Gerstenimporteure Reserven für mindestens 55 Tage sichern müssen. Dieser Puffer verschafft Käufern Zeit zur Diversifizierung, beseitigt aber nicht die Folgen dauerhaft höherer Ersatz- und Logistikkosten.
Weniger wohlhabende Länder im Nahen Osten und in Nordafrika würden laut Aldharrab stärker belastet, falls die Störungen noch mehrere Monate andauern. Eine Verringerung der Konfliktintensität und mindestens ein gesicherter Korridor für Getreidetransporte lägen im Interesse aller Seiten. Für Produzenten in Argentinien und der EU schafft die saudische Verlagerung zusätzliche Nachfrage. Für Importeure am Golf bedeutet sie eine breitere Lieferbasis, aber auch längere Wege, höhere Prämien und anhaltende maritime Risiken.