← Zurück zu den Nachrichten

Russlands Käsemarkt ist nach zehnjährigem Kapazitätsboom gesättigt

Russland produziert inzwischen 9,1 % mehr Käse, als im Inland verbraucht wird, während Lagerbestände und Marktkonzentration steigen. Viele Hersteller arbeiten ohne Gewinn oder mit Verlust und verlagern ihren Schwerpunkt vom Kapazitätsausbau auf den Kampf um Marktanteile.

Russlands Käsemarkt ist nach zehnjährigem Kapazitätsboom gesättigt

Zehnjährige Expansion stößt an ihre Grenze

Russlands Käseindustrie hat nach einem 2014 begonnenen Investitionszyklus die Marktsättigung erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse zum Produzentenranking des Nationalen Verbands der Milcherzeuger, von Milknews und Streda Consulting. Die heimische Produktion liegt inzwischen 9,1 % über dem Verbrauch. Das Überangebot drückt die Preise und führt bei vielen Herstellern zu einer Gewinnmarge von null oder zu Verlusten.

Die Expansion setzte nach dem russischen Lebensmittelembargo von 2014 ein. Es beschränkte Einfuhren aus Ländern, die nach der Eingliederung der Krim in Russland Sanktionen unterstützten. Die meisten europäischen Käsesorten verschwanden vom russischen Markt. Noch 2013 hatten sie bis zur Hälfte des Einzelhandelsangebots gestellt. Der frei gewordene Absatzraum zog neue Anbieter und umfangreiche Investitionen in die Inlandsproduktion an.

Diese Welle ebbt nun ab. Andrey Kucherov, Leiter des Agrarkompetenzzentrums von Reksoft Consulting, sagte dem Kommersant, der Zustrom neuer Projekte habe stark abgenommen und auch die Zahl neuer Betriebe sinke. Als Gründe nannte er hohe Finanzierungskosten, teurere Rohmilch und die Marktsättigung. Die Hersteller wechseln deshalb vom Ausbau der Kapazitäten zum Wettbewerb um bestehende Marktanteile, obwohl die Konsolidierung der Branche nahezu abgeschlossen ist.

Die 20 größten Hersteller halten 80 %

Die 20 größten Anbieter kontrollierten 2025 nach Berechnungen von Soyuzmoloko einen Rekordanteil von 80 % am russischen Markt für halbfesten Käse. Gegenüber 2024 stieg ihr Anteil um 3,4 Prozentpunkte. Zusammen produzierten diese Unternehmen 375.500 Tonnen halbfesten Käse, 6 % mehr als im Vorjahr. Damit übertrafen sie das Wachstum des Gesamtmarktes von 2,7 % deutlich.

Auch bei den Marktführern dürfte sich das Wachstum verlangsamen. Ekaterina Mikhaleva, Leiterin des Bereichs Konsumgüter und Landwirtschaft bei Strategy Partners, erwartet für 2026 bei den großen Herstellern nur noch ein Produktionsplus von 3–4 %. Der Druck zeigt sich bereits in den Beständen: Im ersten Quartal 2026 stiegen die russischen Käselager im Jahresvergleich um 21 % auf 77.100 Tonnen. Exporte bauen einen Teil des Überschusses ab, bleiben jedoch begrenzt.

Das Überangebot schlägt inzwischen auf die Verbraucherpreise durch. Nach Angaben von Rosstat kostete Hart- und Schnittkäse im Juni durchschnittlich 955,6 Rubel je Kilogramm, 0,8 % weniger als ein Jahr zuvor. Mikhaleva zufolge liegt die Rentabilität vieler Käsehersteller derzeit bei null oder im negativen Bereich. Zusätzliche Neubaukapazitäten lassen sich damit immer schwerer wirtschaftlich begründen.

Nachfrage liefert gemischte Signale

Soyuzmoloko-Geschäftsführer Artem Belov berichtete, dass der inländische Käseverbrauch im vergangenen Jahr zurückging. Über alle Kategorien hinweg belief er sich auf 1,05 Millionen Tonnen, ein Minus von 1,2 % gegenüber dem Vorjahr. Die Produktion lag 9,1 % darüber. Ein wachsendes Angebot aus Belarus verschärft den Wettbewerb zusätzlich. Jüngere Zahlen fallen günstiger aus: NTech registrierte im ersten Quartal ein Absatzplus von 5 % nach Menge und von 8 % in Rubel.

EkoNiva sieht weiterhin Spielraum für organisches Verbrauchswachstum. Nach Angaben des Unternehmens nahm der russische Käsekonsum in den vergangenen fünf Jahren jährlich um etwa 7–8 % zu und überschritt erst 2025 die Marke von 10 Kilogramm pro Kopf. Das liegt deutlich unter dem Durchschnitt von 18 Kilogramm in den meisten westlichen Ländern. Diese Lücke eröffnet Nachfragepotenzial, doch hohe Bestände, sinkende Preise und schwache Margen zeigen, dass im nächsten Wettbewerbsabschnitt nicht neue Werke, sondern Kostenkontrolle, Produktpositionierung sowie der Zugang zu inländischen und ausländischen Absatzkanälen entscheiden werden.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.