Russland erwägt Abschaffung von Hähnchen-Importzöllen bei stark steigenden Großhandelspreisen
Die Großhandelspreise für Hähnchen in Russland sind zweistellig gestiegen, während die Produktion um 2,1% sank und die Rentabilität auf 6–7% fiel. Moskau erwägt Nullzölle auf einige Teilstücke, während Erzeuger vor billigem chinesischem Brustfilet warnen.
Die Großhandelspreise für Geflügel in Russland haben sich in den vergangenen Wochen stark beschleunigt und sorgen erneut für Unruhe in einer Branche, die soeben den ersten Produktionsrückgang seit Jahren gemeldet hat. Der Druck hat das Landwirtschaftsministerium veranlasst, die Abschaffung von Importzöllen auf einige Hähnchenteile zu prüfen, obwohl Beamte betonen, dass es keine Grundlage für außer Kontrolle geratene Preise gebe.
Großhandelspreise steigen zweistellig
Nach Berichten russischer Wirtschaftsmedien sind die gefragtesten Teilstücke — ganzer Schlachtkörper, Filet, Brust und Schenkel — im Vergleich zum Vorjahr zweistellig gestiegen, wobei sich der stärkste Anstieg auf die letzten Wochen konzentriert. Von russischen Medien zitierte Analysten halten einen weiteren allmählichen Anstieg von 5–10% in den kommenden Monaten für am wahrscheinlichsten, weisen jedoch darauf hin, dass die Erzeuger einen Teil des Kostendrucks über interne Reserven auffangen könnten, statt ihn voll an die Käufer weiterzugeben.
Produktion sinkt, Margen schrumpfen
Die Geflügelproduktion ist erstmals seit mehreren Jahren rückläufig. Von Januar bis Mai 2026 erzeugten die Betriebe 2,76 Millionen Tonnen Geflügel zur Schlachtung im Lebendgewicht, 2,1% weniger als im Vorjahreszeitraum. Die durchschnittliche Rentabilität der Branche war bis Mitte 2026 auf 6–7% gefallen, deutlich unter das von den Erzeugern als optimal angesehene Niveau, und einige Unternehmen haben bereits mit Personalabbau reagiert.
Sergej Juschin, Leiter des Nationalen Fleischverbands, sagte TASS am 7. Juli, es gebe keine Grundlage für einen unkontrollierten Anstieg der Geflügelpreise, und nannte den starken Wettbewerb und das reichliche Angebot als bremsende Faktoren. Die Belastung der Erzeugerwirtschaft führte er auf die hohen Kosten für Fremdkapital sowie steigende Ausgaben für Futter, Energie, tierärztliche Betreuung und Logistik zurück. Das Landwirtschaftsministerium wies Berichte über einen Produktionsrückgang zurück und erklärte, die Geflügelbetriebe arbeiteten normal und hielten die erforderlichen Produktionsmengen aufrecht.
Zollsenkung und Importe aus China im Fokus
Das Landwirtschaftsministerium erklärte, es erwäge Nullzölle auf bestimmte Arten von Hähnchenfleisch — ein Schritt, der ausländische Ware für russische Käufer billiger machen würde. Zugleich äußerten inländische Fleischerzeuger Besorgnis über einen starken Anstieg der Hähnchenimporte aus China, vor allem billiges Brustfilet, das direkt mit der heimischen Produktion konkurriert.
Für Importeure könnte die Kombination aus knapperem Inlandsangebot und einer möglichen Zollsenkung den Zugang zum russischen Markt erweitern, während ausländische Lieferanten — allen voran China — profitieren würden, wenn die Zölle auf ausgewählte Teilstücke auf null fallen. Für russische Verarbeiter erhöht dieselbe Verschiebung das Risiko, Volumen im Inland zu verlieren, gerade während ihre Margen schrumpfen.
- Produktion Januar–Mai 2026: 2,76 Millionen Tonnen Lebendgewicht, −2,1% im Jahresvergleich
- Rentabilität der Branche: 6–7% bis Mitte 2026
- Erwartete Preisbewegung: 5–10% in den kommenden Monaten
- Teilstücke unter Druck: ganzer Schlachtkörper, Filet, Brust, Schenkel