Geflügelfleisch in Russland über 15 Prozent teurer – Kosten werden weitergegeben
Hähnchenfleisch verteuerte sich in Russland im August 2026 um 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Putenfleisch um 15,1 Prozent – so Rosstat-Daten, die Kommersant zitiert. Das Landwirtschaftsministerium sprach am 22. September von einer Korrektur nach einer langen Phase niedriger Preise angesichts aufgelaufener Produktionskosten. Von Januar bis August erzeugten Agrarbetriebe 4,4 Millionen Tonnen Geflügel in Lebendgewicht.
Der Preisanstieg für Geflügelfleisch in Russland hat sich im August 2026 beschleunigt: Gekühltes und gefrorenes Hähnchenfleisch verteuerte sich um 15,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Putenfleisch um 15,1 Prozent. Die Rosstat-Daten zitieren Kommersant und Rosbalt. Das russische Landwirtschaftsministerium äußerte sich am 22. September dazu und bezeichnete die Entwicklung als Korrektur nach einer längeren Phase relativ niedriger Preise, nicht als Folge von Versorgungsproblemen.
Ministerium verweist auf aufgelaufene Produktionskosten
„Die Entwicklung der Großhandelspreise hängt weitgehend von Veränderungen der Produktionskosten und der Marktlage ab. Zugleich blieben die Preise für Geflügelfleisch über einen längeren Zeitraum auf einem relativ niedrigen Niveau. Derzeit findet eine Korrektur unter Berücksichtigung des aufgelaufenen Anstiegs der Produktionskosten statt“, heißt es in der Mitteilung, die TASS, Interfax, Kommersant und KP.RU verbreiteten.
Das Ministerium verwies zudem auf den hohen Wettbewerb und die erheblichen Produktionskapazitäten, die ein stabiles Angebot auf dem Binnenmarkt sichern. Die Geflügelbetriebe arbeiteten stabil, steigerten ihre Effizienz, bremsten den Kostenanstieg und deckten den Inlandsmarkt vollständig mit den erforderlichen Mengen, heißt es in der von MK.RU wiedergegebenen Mitteilung. Die Behörde deutet den Preisanstieg als Reaktion auf bereits getragene Kosten der Erzeuger, nicht als Zeichen knapper werdender Verfügbarkeit.
Rosbalt führt die Beschleunigung auf höhere Ausgaben der Erzeuger für Futter, Logistik und weitere Produktionskosten zurück. Weder das Ministerium noch die Veröffentlichungen beziffern die einzelnen Kostenbestandteile.
Die Zahlen hinter der Entwicklung
Laut Kommersant lag der durchschnittliche Einzelhandelspreis für gekühltes und gefrorenes Hähnchenfleisch im August 2026 bei 263,6 Rubel je Kilogramm und damit 15,8 Prozent über dem Vorjahreswert. Pute, ein kleineres, aber schneller wachsendes Segment des russischen Geflügelmarktes, verteuerte sich im selben Zeitraum um 15,1 Prozent, berichtet Rosbalt. Die zentralen Kennzahlen:
- Hähnchenfleisch, gekühlt und gefroren: 263,6 Rubel je Kilogramm im August 2026, plus 15,8 Prozent zum Vorjahr (Kommersant unter Berufung auf Rosstat)
- Putenfleisch: plus 15,1 Prozent zum Vorjahr im August 2026 (Rosbalt unter Berufung auf Rosstat)
- Geflügelerzeugung in Agrarbetrieben: 4,4 Millionen Tonnen Lebendgewicht von Januar bis August 2026 (Rosstat)
Mengen bleiben stabil, Margen werden neu justiert
Die von Januar bis August in Agrarbetrieben erzeugten 4,4 Millionen Tonnen stützen das Argument des Ministeriums, dass der Preisanstieg kostengetrieben und nicht mengengetrieben ist. Die Geflügelhaltung zählt zu den Schlüsselzweigen der russischen Landwirtschaft und liefert die günstigste breit verfügbare tierische Proteinquelle, wie MK.RU anmerkt; der Staat unterstützt die Erzeuger über verschiedene Subventionsmechanismen, die stabile Lieferungen sichern und die Preisbildung im Inland beeinflussen sollen.
Die russische Produktion reicht über den Binnenmarkt hinaus. KP.RU berichtet, dass russische Erzeuger den heimischen Markt mit Geflügelfleisch versorgen und zugleich exportieren können, und verweist auf Lieferungen von Geflügelfleisch nach Katar; das Volumen dieser Lieferungen wird im ausgewerteten Material nicht genannt.
Geflügel im breiteren Preisbild
Der Anstieg steht nicht allein. Rosbalt berichtet, dass im September auch die Preise für Eier, Getreideerzeugnisse, Fleisch, Margarine und Benzin weiter stiegen. Für Verbraucher bleibt Geflügel das günstigere Protein: MK.RU merkt an, dass Russen zunehmend Geflügel statt Rind- und Schweinefleisch essen. Diese Substitution verschafft Verarbeitern und Handel mehr Spielraum, Kosten weiterzugeben, bevor die Nachfrage reagiert.
Stabile Mengen, anhaltende Substitutionsnachfrage und eine über mehrere Perioden aufgelaufene Kostenbasis bilden die zentrale Spannung im Markt. Das Ministerium argumentiert, die Korrektur bringe die Preise wieder in Einklang mit der Produktionsökonomie, nachdem Geflügel jahrelang zurückgeblieben sei. Ob die Weitergabe bis in den Herbst anhält, hängt von den Futterkosten ab und davon, wie stark der vom Ministerium angeführte Wettbewerb weitere Erhöhungen begrenzt.