Russland meldet Rückgang gefälschter Milch von 30 % auf 0,02 %
Der gemeldete Anteil verfälschter Milch in Russland ist binnen vier Jahren von 30 % auf 0,02 % gesunken. Digitale Rückverfolgung und staatliche Kontrollen reduzierten laut CRPT-Vizechef Rewas Jussupow auch den Verkauf abgelaufener Milch und abgelaufenen Wassers deutlich.
Gemeldete Fälschungsquote sinkt auf 0,02 %
Der Anteil verfälschter Milch am russischen Lebensmittelmarkt ist von 30 % vor vier Jahren auf heute 0,02 % gefallen. Das berichtete TASS unter Berufung auf Rewas Jussupow, stellvertretender Generaldirektor des Zentrums für die Entwicklung zukunftsweisender Technologien, kurz CRPT. Er stellte die Zahlen bei einer Sitzung zur Ernährungssicherheit auf dem Östlichen Wirtschaftsforum in Wladiwostok vor.
Als Verfälschung bezeichnete Jussupow in diesem Zusammenhang Abweichungen zwischen den erfassten Rohstoffen und den daraus hergestellten Molkereierzeugnissen. Er führte den Rückgang auf die Arbeit der russischen Agraraufsicht Rosselchosnadsor, weiterer Behörden sowie des staatlichen Kennzeichnungs- und Rückverfolgungssystems Chestny Znak zurück. Die Daten wurden von einem Manager des Systembetreibers vorgelegt; das Ausgangsmaterial enthält weder eine unabhängige Prüfung noch eine Aufschlüsselung nach Milchkategorie, Region oder Unternehmensgröße.
Kontrollen erfassen abgelaufene und unsichere Waren
Nach Angaben Jussupows senkten die kombinierten Kontroll- und Rückverfolgungsmaßnahmen den Verkauf abgelaufener Milch um den Faktor 199 und den von abgelaufenem Wasser um den Faktor 550. In den vergangenen zweieinhalb Jahren identifizierte das System in Geschäften 3,7 Milliarden unsichere oder minderwertige Produkte. Diese Zahl bezieht sich auf den breiteren Konsumgütermarkt und nicht allein auf Milch.
Die Behörden konzentrieren sich nun darauf, Lieferungen verfälschter Molkereiprodukte und von Wasser an Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser zu verhindern. Laut Jussupow hatten einzelne Unternehmer versucht, solche Waren an diese Einrichtungen zu liefern. Für Molkereien und Händler steigt damit die Bedeutung konsistenter Angaben zu Rohstoffeinkauf, Produktionsmenge und Produktcodes entlang der gesamten Lieferkette. Lieferanten öffentlicher Einrichtungen tragen ein besonderes Risiko, weil Verstöße große Verbrauchergruppen und staatliche Beschaffungsprogramme betreffen können.
Digitales Abbild des Warenmarktes wächst
Chestny Znak erfasst nach den auf dem Forum genannten Zahlen inzwischen 1,1 Millionen Unternehmen in 52 Branchen. Jussupow zufolge sank der geschätzte Anteil des illegalen Handels im erfassten Markt binnen fünf Jahren von 26 % auf 9 %. Das System habe sich damit über seine ursprüngliche Funktion zur Bekämpfung von Fälschungen hinaus zu einem digitalen Abbild der russischen Warenwirtschaft entwickelt. Es ist mit 27 Bundesbehörden und sämtlichen Regionen Russlands verbunden.
Auch die Beteiligung der Verbraucher ist Teil des Kontrollmechanismus. Die mobile Chestny-Znak-Anwendung hat mehr als 40 Millionen Nutzer; Verbraucher haben 500 Millionen Produkte geprüft und 370.000 Beschwerden eingereicht. Für regelkonforme Milcherzeuger kann eine strengere Durchsetzung den Wettbewerb durch Anbieter mindern, die nicht deklarierte Zutaten verwenden oder abgelaufene Ware verkaufen. Händler und Verarbeiter müssen zugleich verlässliche Daten zu Einkauf, Produktion und Beständen führen. Die gemeldeten Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Rückverfolgung nicht nur einzelne Verstöße erkennt, sondern auch die tatsächliche Produktion mit den deklarierten Rohstoffströmen abgleicht.