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Russischer roter Kaviar wird bei sinkendem Lachsfang zum Premiumprodukt

Russlands Lachsfang erreichte bis zum 24. September rund 97.992 Tonnen und verknappt damit die Rohstoffbasis für roten Kaviar. Branchenvertreter halten höhere Preise für notwendig, während Verbraucher voraussichtlich kleinere Packungen kaufen oder seltener zugreifen werden.

Russischer roter Kaviar wird bei sinkendem Lachsfang zum Premiumprodukt

Geringerer Lachsfang verknappt die Rohstoffbasis

Russlands Markt für roten Kaviar stellt sich nach einem starken Rückgang des Lachsfangs auf ein knapperes Angebot und dauerhaft höhere Preise ein. Nach Angaben des russischen Forschungsinstituts für Fischerei und Ozeanografie hatten die Fischer bis zum 24. September rund 97.992 Tonnen Lachs gefangen. FederalPress zufolge waren das 3,4-mal weniger als zum gleichen Zeitpunkt des vorherigen ungeraden Jahres und 2,3-mal weniger als im vorherigen geraden Jahr.

Ilja Schestakow, Leiter der russischen Fischereibehörde, erklärte am 4. September, der Fang könne im Gesamtjahr um etwa zwei Drittel auf 100.000 bis 110.000 Tonnen sinken. Die geringeren Anlandungen reduzieren die Menge an Rogen, die den Verarbeitern zur Verfügung steht. Ausfuhrbeschränkungen für roten Kaviar seien dennoch nicht geplant, berichtete FederalPress.

Die jüngsten Zahlen setzen eine wechselhafte Produktionsentwicklung fort. Russland erzeugte 2023 insgesamt 23.985 Tonnen roten Kaviar, 2024 sank die Produktion auf 10.257 Tonnen und 2025 erholte sie sich auf 12.582 Tonnen. Von FederalPress angeführte Daten nennen zudem 13.256 Tonnen für 2017, 22.014 Tonnen für 2018 und 21.296 Tonnen für 2019. Das Ergebnis von 2018 fiel mit einem Rekordfang von 676.000 Tonnen Lachs zusammen. Lagerbestände sowie Verarbeitungs- und Kühlkapazitäten führen jedoch dazu, dass Rekordfänge nicht immer direkt eine Rekordproduktion von Kaviar bewirken.

Branche begründet einen Premiumpreis

German Swerew, Präsident des gesamtrussischen Verbands der Fischereiunternehmen, Unternehmer und Exporteure, beziffert einen wirtschaftlich tragfähigen Preis für roten Kaviar auf rund 15–16% des Preises für schwarzen Kaviar. In Zeiten höchster Nachfrage könne der Anteil bis zu 20% erreichen. Die frühere Wahrnehmung als relativ günstiges Produkt sei teilweise durch große Mengen gewilderter und minderwertiger Ware entstanden.

Nach Ansicht der Branche schadete das billige illegale Angebot sowohl den Fischbeständen als auch der Wirtschaftlichkeit legaler Küstenbetriebe. Strengere Qualitätskontrollen und die Entfernung beanstandeter Chargen verringern nun das legale Marktangebot. Das stützt die Preise und verlagert zugleich Umsätze zu kontrollierten Produzenten und Verarbeitern.

Die Erzeugerpreise sind bereits deutlich schneller gestiegen als die Verbraucherpreise. Agrotime berichtete unter Berufung auf die Beratungsgesellschaft Neo, dass die Abgabepreise der Produzenten zwischen 2017 und 2025 um 344% zunahmen, verglichen mit 197% für Endverbraucher. Die Expertin Albina Korjagina erklärte gegenüber FederalPress, der Abstand gehe vor allem auf höhere Rohstoff- und Fangkosten zurück und nicht lediglich auf spekulative Handelsaufschläge.

Konsum sinkt, ohne dass die Ware verschwindet

Swerew erwartet nicht, dass roter Kaviar aus den Geschäften verschwindet. Die Lachsbestände könnten jedoch eine langfristige Phase niedriger Biomasse erreicht haben. FederalPress zitierte seinen Vergleich mit der Zeit nach 1958, als schwache Lachsfänge fast 30 Jahre anhielten, bevor die Fänge ab Ende der 1980er-Jahre wieder kräftig ausfielen. Sollte auch der aktuelle Rückgang mehrere Jahre dauern, könnte der Premiumpreis zu einem dauerhaften Marktmerkmal werden.

Höhere Preise dürften stattdessen das Konsumverhalten verändern. Haushalte können kleinere Packungen wählen, seltener Kaviar kaufen oder auf günstigere Rogenarten ausweichen. Der Experte Artjom Suworow bezeichnete dies als Anpassung von Angebot und Nachfrage an die kleinere Rohstoffbasis und nicht als Marktkrise. Für Fang- und Verarbeitungsunternehmen ist entscheidend, ob die Preise bei den prognostizierten 100.000 bis 110.000 Tonnen die steigenden Kosten legaler Fischerei decken. Für den Handel zeichnet sich ein kleinerer Premiummarkt mit geringerem Pro-Kopf-Verbrauch, aber weiterhin verfügbarer Ware ab.

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