Russischer Drohnenangriff zerstört Kühllager von Rud in Schytomyr
Ein russischer Drohnenangriff hat ein 4.350 Quadratmeter großes Kühllager samt Nebengebäuden des ukrainischen Speiseeisherstellers Rud in Schytomyr zerstört. Betroffen sind Lagerung und Warenumschlag eines Unternehmens, das mehr als 75.000 Verkaufsstellen im Inland und mindestens 36 Auslandsmärkte beliefert.
Kühllager, Technik und Fertigwaren zerstört
Ein russischer Drohnenangriff hat das Kühllager von Rud, dem größten ukrainischen Speiseeishersteller, am südöstlichen Stadtrand von Schytomyr zerstört. In dem 4.350 Quadratmeter großen Gebäude befanden sich Fertigwaren, Verladetechnik und weiteres Firmeneigentum. Auch die angrenzenden Verwaltungs- und Sozialräume wurden zerstört.
Beim Datum des Angriffs widersprechen sich die Berichte. Der Sender Channel 24 schrieb unter Berufung auf Angaben von Ruds Rechtsabteilungsleiterin Olga Blazhkevich gegenüber NV Business, die Drohne habe das Lager am 5. September gegen 16:05 Uhr getroffen. UA.News nennt dagegen den 25. September. Beide Medien geben dieselbe zerstörte Fläche an und berichten vom Einsatz einer Drohne.
Rud bewertet derzeit die Folgen; eine endgültige Schadenssumme liegt noch nicht vor. Channel 24 zufolge leiteten die Strafverfolgungsbehörden ein Ermittlungsverfahren ein. Die verfügbaren Berichte enthalten weder Angaben zu Opfern am Standort noch zur Menge der vernichteten Fertigwaren.
Schaden trifft einen führenden Anbieter
Nach Unternehmensangaben, die von Channel 24 und UA.News zitiert werden, hält Rud rund 30 % des ukrainischen Speiseeismarktes. Das seit 1998 tätige Unternehmen betreibt einen Produktionskomplex in Schytomyr und verarbeitet jährlich mehr als 35.000 Tonnen Milch. Seine Produkte werden landesweit in mehr als 75.000 Verkaufsstellen angeboten.
Das Sortiment umfasst neben Speiseeis auch tiefgekühltes Gemüse und Beeren, Teig, Backwaren, Molkereiprodukte und Fertiggerichte. Für diese Produktpalette sind Kühlraum und Verladetechnik betriebsentscheidend: Die Fertigwaren müssen bis zur Auslieferung an den Handel oder zur Übergabe an Exportkanäle unter kontrollierten Temperaturen bleiben.
Inlandsvertrieb und Export unter Druck
Channel 24 bezeichnet Rud zudem als größten ukrainischen Speiseeisexporteur. Die Produkte erreichen mehr als 36 Länder und werden über Händler wie Lidl, Kaufland, REWE, Billa, Aldi, Tesco, Auchan, Carrefour und Metro verkauft. Die Menge der zerstörten Vorräte ist nicht bekannt; Schäden an Produktionslinien wurden ebenfalls nicht gemeldet. Das unmittelbar bestätigte Betriebsrisiko betrifft somit vor allem Lagerung, Kommissionierung und Versand, nicht den Ausfall der Fertigungskapazität.
Der Verlust des Lagers könnte dennoch die Menge an Tiefkühlware begrenzen, die Rud am Standort Schytomyr vorhalten kann, und die Lieferplanung erschweren. Entscheidend sind verfügbare Ersatzkapazitäten, die Möglichkeit zur Umleitung von Waren und Transporten sowie die Zeit für den Ersatz von Kühl- und Verladetechnik. Für Händler und Auslandskunden bestehen kurzfristig vor allem Risiken durch verspätete Lieferungen und eine geringere Verfügbarkeit einzelner Produkte, nicht durch einen bestätigten vollständigen Lieferstopp.
Der Vorfall reiht sich in Schäden an weiteren ukrainischen Gewerbe- und Logistikstandorten ein. Nach Angaben von Channel 24 wurde zuvor ein mehr als 8.000 Quadratmeter großes Lager der Suziria Group in der Region Kyjiw bei einem russischen Angriff beschädigt. Für Tiefkühlunternehmen sind wiederholte Lagerschäden besonders problematisch, weil temperaturgeführte Waren deutlich weniger flexibel verlagert und untergebracht werden können als ungekühlte Produkte.