Russische Fischexporte in die EU erreichen im Juli 80,6 Millionen Euro — Höchstwert seit 20 Monaten
Die russischen Fisch- und Meeresfrüchtelieferungen in die Europäische Union stiegen im Juli auf 80,6 Millionen Euro, den höchsten Monatswert seit 20 Monaten — das geht aus Eurostat-Daten hervor, die Pravda.ru und finance.rambler.ru zitieren. Auf Filet und Fischfleisch entfielen 67,6 Millionen Euro, getragen von gefrorenem Kabeljau und Alaska-Seelachs. Kumuliert liegen die Lieferungen von Januar bis Juli mit 352,2 Millionen Euro weiter 21% unter dem Vorjahr.
Die russischen Fisch- und Meeresfrüchteexporte in die Europäische Union erreichten im Juli 80,6 Millionen Euro und damit den höchsten Monatswert seit 20 Monaten. Das geht aus Eurostat-Daten hervor, auf die sich Pravda.ru und finance.rambler.ru berufen. Die Lieferungen lagen 8% über dem Juni-Wert und 36% über dem Vorjahresmonat.
Der Juli-Wert kam dem jüngsten Höchststand von 83,3 Millionen Euro aus dem Oktober 2024 nahe, berichtet Pravda.ru. Die europäische Nachfrage konzentriert sich auf Weißfisch, vor allem Alaska-Seelachs und Kabeljau, den Verarbeiter und Handel trotz des Sanktionsumfelds um den russischen Handel weiter beziehen.
Filet trägt den größten Teil des Werts
Auf Fischfilet und Fischfleisch entfielen 67,6 Millionen Euro der Juli-Summe, rund 84% des Monatswerts. Die stärkste Nachfrage liegt bei Tiefkühlware, wo russischer Kabeljau und Alaska-Seelachs im Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem europäischen Markt kaum Alternativen haben, so Pravda.ru und finance.rambler.ru.
Neben Filet verteilte sich der Juli-Korb auf mehrere Kategorien: Gefrorener ganzer Fisch war die zweitgrößte Position, verarbeitete Ware folgte mit deutlichem Abstand. Die übrigen Lieferungen des Monats gliederten sich wie folgt:
- gefrorener Fisch — 9,8 Millionen Euro
- verarbeitete und konservierte Erzeugnisse — 3 Millionen Euro
- gekühlter Fisch — 126.000 Euro
- Tintenfische und Kalmare — 34.000 Euro
Gekühlter Fisch bleibt mit 126.000 Euro eine Randposition gegenüber Tiefkühlware. Die Käufe von Tintenfischen und Kalmaren zeigen bei aller Größenordnung, dass der europäische Handel nicht bereit ist, auf das breite Sortiment russischer Meeresfrüchte zu verzichten, schreibt Pravda.ru.
Sieben-Monats-Summe weiter 21% niedriger
Von Januar bis Juli summierten sich die Lieferungen auf 352,2 Millionen Euro und lagen damit 21% unter dem Vorjahreszeitraum, berichtet Pravda.ru und bezeichnet den Zeitraum als die ersten sieben Monate 2024. Das Portal führt den Rückgang auf eine hohe Vergleichsbasis und die schwächere Konsumnachfrage in Europa bei hoher Inflation und Energiekosten zurück. Der Juli bleibt damit ein Monatshoch innerhalb eines insgesamt schwächeren Jahres.
Der AML/KYC-Spezialist Michail Frolow sagte Pravda.ru, der Rückgang der Jahreswerte sei „eine vorübergehende Korrektur im Zusammenhang mit der Umverteilung globaler Handelsströme und der verschärften Kontrolle von Finanztransaktionen in europäischen Banken“.
Der Warenstrom läuft über die Niederlande und Deutschland
Die Niederlande und Deutschland bleiben die wichtigsten Drehkreuze für die Verteilung von russischem Fisch in Europa, dort sind die größten Verarbeitungskapazitäten und Logistikzentren der Region konzentriert, berichtet Pravda.ru. Der Makroökonom Artjom Loginow erklärte den Juli-Sprung mit „der saisonalen Lageraufstockung durch europäische Verarbeiter und der Stabilität der Logistikketten, die entgegen dem politischen Druck weiterhin effizient funktionieren“.
Für russische Lieferanten zählt dabei nicht nur die Menge, sondern der Erlös. Der Finanzanalyst Nikita Wolkow sagte Pravda.ru, „die Stabilität der Exporterlöse im Fischereisektor ist entscheidend für die finanzielle Widerstandsfähigkeit der Fangflotte und für die Umsetzung der Investitionsprogramme zur Erneuerung der Schiffe“. Höhere Exporteinnahmen helfen den Unternehmen zudem, Logistikkosten aufzufangen, was den Druck auf die Inlandspreise begrenzt, schreibt Pravda.ru; Priorität bleibt jedoch die Versorgung des Heimatmarkts, die über staatliche Quoten gesteuert wird.
Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft
Pravda.ru erwartet eine weiterhin positive Entwicklung dank des traditionellen Nachfrageanstiegs vor dem Jahreswechsel in Europa, warnt aber, dass die Jahreszahlen wegen der Wechselkursvolatilität und komplizierterer Zahlungsabwicklung unter dem Wert von 2023 liegen könnten. Das Portal argumentiert zudem, dass Europas Lebensmittelversorgung erheblich vom russischen Fang abhängt: Kabeljau und Alaska-Seelachs aus den nördlichen und fernöstlichen Meeren nehmen eine dominierende Stellung ein, und diese Mengen lassen sich kurzfristig nicht ohne Knappheit und stark steigende Lebensmittelpreise aus anderen Quellen ersetzen.