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Rohmilchpreise in Südrussland fallen um 20–30 %, Betriebe erwägen Herdenabbau

Die Erzeugerpreise für Rohmilch sind in mehreren südrussischen Regionen um 20–30 % gefallen, während einige Verarbeiter weniger Milch abnehmen. Steigende Futterkosten und fehlende Absatzalternativen treffen vor allem kleinere Betriebe.

Rohmilchpreise in Südrussland fallen um 20–30 %, Betriebe erwägen Herdenabbau

Erzeugerpreise geben deutlich nach

Die Erzeugerpreise für Rohmilch sind in mehreren Regionen Südrusslands innerhalb der vergangenen Monate um 20–30 % gefallen. Einige Betriebe müssen deshalb zwischen minimaler Rentabilität und einem Abbau ihrer Herden wählen, berichtete Kommersant. Die Marktlage hat sich abrupt gedreht: Zu Jahresbeginn warnten Verarbeiter noch vor Rohstoffknappheit und forderten die Höfe zu höherer Produktion auf. Bereits im Sommer diskutierten jedoch erste Landwirte über kleinere Herden, während manche Kleinbetriebe einen vollständigen Ausstieg aus der Milcherzeugung erwogen.

Der Druck geht über niedrigere Preise hinaus. Sergey Kolesnikov, Vorsitzender des AKKOR-Rats in der Region Stawropol, sagte Kommersant, Verarbeiter stellten die Abholung mitunter ein und verwiesen dabei auf ausgelastete Kapazitäten, defekte Fahrzeuge oder fehlende Fahrer. Kleine Höfe und private Haushalte sind besonders gefährdet, weil ihnen alternative Absatzwege fehlen. Laut Kolesnikov dauert es fünf bis acht Jahre, nach einer Auflösung wieder eine hochwertige Herde aufzubauen. Betriebe mit langfristigen Lieferverträgen können Preisschwankungen dagegen besser überstehen.

Steigende Futterkosten verschärfen die Lage

Die Zahlen einzelner Betriebe zeigen, wie stark die Margen schrumpfen. Landwirt Yevgeny Prasolov erhielt vor einigen Monaten noch 39 RUB je Liter und bekommt heute rund 30 RUB; private Haushalte erzielen etwa 27 RUB. Gleichzeitig stiegen seine monatlichen Ausgaben für Futterzusätze bei unverändertem Tierbestand von ungefähr 100.000 RUB auf 220.000 RUB. Er bezeichnete die Rentabilität als negativ und erklärte, der Betrieb müsse zwischen einem Herdenabbau und einer Fortsetzung der Verlustproduktion wählen.

Auch größere Betriebe geraten unter Druck. Sergey Toloknev, Leiter des Hofs Toloknevo, berichtete von einem schrittweisen Preisrückgang über vier bis fünf Monate: von 52 RUB je Liter im vergangenen Jahr auf derzeit etwa 38 RUB. Der Betrieb hält die Produktion stabil, erreicht in der Milcherzeugung aber nur noch die Gewinnschwelle und stützt sie mit dem Pflanzenbau. Der kleinere Landwirt Vitaly Podoprigora erhält lediglich 24–25 RUB je Liter und erwägt die Aufgabe des Betriebszweigs. Sein Hof hält noch 11 Milchkühe; ein rund 35 Kilogramm schwerer Heuballen kostet 150–200 RUB, bevor Getreide, weitere Aufwendungen und Arbeit eingerechnet sind.

Uneinigkeit über die Ursachen

Die Marktteilnehmer haben keine gemeinsame Erklärung für den Abschwung. Erzeuger verweisen auf Veränderungen in der Verarbeitung, den Einsatz billigerer Rohstoffe und schwachen Wettbewerb zwischen den Abnehmern. Kommersant zufolge fehlen jedoch bestätigte Belege für eine einzelne Ursache. Prasolov sagte, die Käufer begründeten den geringeren Milchbedarf mit schwächeren Verkäufen verarbeiteter Produkte, insbesondere von Käse aus Adygeja, der an der Schwarzmeerküste vertrieben wird. Nach dieser Darstellung benötigt die Verarbeitung wegen des rückläufigen Käseabsatzes weniger Rohmilch.

Die Landwirte sehen zudem eine wachsende Lücke zwischen Erzeuger- und Einzelhandelspreisen. Kolesnikov wies darauf hin, dass Molkereiprodukte in den Geschäften trotz der billigeren Rohmilch nicht günstiger geworden seien. Prasolov berichtete ebenfalls von steigenden Endverbraucherpreisen, während sein Erzeugerpreis innerhalb von drei bis vier Monaten um mehr als 10 RUB je Liter sank. Für die Betriebe drohen weniger Investitionen, die Auflösung von Herden und der Verlust wichtiger Einkommen im ländlichen Raum. Langfristige Verträge können Schutz bieten, doch Höfe ohne gesicherte Abnahme bleiben sowohl für weitere Preisabschläge als auch für abgelehnte Lieferungen anfällig.

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