Rakhat zielt auf Asien, während Russland 65 % der Exporte abnimmt
LOTTE Rakhat prüft den Markteintritt in Südkorea, Indonesien und Thailand, um seine Exportbasis zu verbreitern. Rund 22 % des Gesamtabsatzes entfallen auf Ausfuhren, von denen Russland etwa 65 % abnimmt.
Rakhat sucht Wachstum jenseits seines größten Exportmarktes
Das kasachische Unternehmen LOTTE Rakhat prüft einen Markteintritt in Südkorea, Indonesien und Thailand. Damit will der Süßwarenhersteller sein Auslandsgeschäft breiter aufstellen, das bislang von Russland dominiert wird. Nach Angaben von Kazinform, die sich auf Kasachstans Landwirtschaftsministerium berufen, entfallen rund 22 % des Gesamtabsatzes auf Exporte. Etwa 65 % dieser Lieferungen gehen nach Russland.
Die Zahlen zeigen sowohl die Bedeutung Russlands als auch das Konzentrationsrisiko. Geografische Nähe und langjährige Handelsbeziehungen machen das Land zu einem etablierten Zielmarkt für kasachische Süßwaren. Zugleich gehört Kasachstan zu den größeren Abnehmern russischer Schokolade, sodass der Handel in beide Richtungen von Bedeutung ist.
Rakhat verkauft seine Produkte bereits in Zentralasien, im Südkaukasus, in China, der Mongolei, Afghanistan und Deutschland. 2026 begannen Lieferungen nach Lettland. Drei weitere asiatische Märkte würden die Präsenz verbreitern. Weder das Unternehmen noch das Ministerium nannten jedoch Starttermine, erwartete Liefermengen oder Umsatzziele.
Die Kapazität bietet Spielraum für zusätzliche Verkäufe
LOTTE Rakhat betreibt laut Kazinform zwei Werke in Almaty und Schymkent mit einer gemeinsamen Jahreskapazität von mehr als 100.000 Tonnen. Das Sortiment umfasst über 500 Produkte, darunter Schokolade, Pralinen und Bonbons, Kekse sowie Waffeln. Hinzu kommen mehr als 80 Sorten Tafelschokolade.
Der Hersteller kontrolliert die vollständige Produktionskette. Er verarbeitet Kakaobohnen und stellt Kakaomasse, Kakaobutter sowie Kakaopulver in eigenen Anlagen her, bevor daraus Fertigwaren entstehen. Diese vertikale Integration ermöglicht eine direkte Kontrolle über Rohstoffe, Rezepturen und Qualität, was bei der Anpassung an neue Märkte wichtig ist.
Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden in den vergangenen Jahren rund 19,4 Milliarden Tenge in Technologie und Kapazitätserweiterungen investiert. Mehr als 7,1 Milliarden Tenge flossen in das Werk Schymkent, wo neue Kategorien wie Waffeln und Maissnacks aufgebaut werden. Damit kann Rakhat Vertriebspartnern ein breiteres Angebot als nur Tafelschokolade präsentieren.
Der Vertrieb entscheidet über die Größe des Asiengeschäfts
Die anvisierten Länder unterscheiden sich deutlich von Rakhats etablierten regionalen Märkten. Für Verkäufe in Indonesien und Thailand benötigt das Unternehmen geeignete lokale Vertriebspartner, eine passende Positionierung und ein abgestimmtes Sortiment. Die Halal-Zertifizierung kann den Zugang zu relevanten Verbrauchergruppen erleichtern, besonders in Indonesien. Zertifizierungen nach ISO und HACCP liefern potenziellen Handels- und Vertriebspartnern zudem international anerkannte Nachweise.
Für Südkorea besteht ein anderer Zugang. 2013 übernahm die südkoreanische LOTTE Confectionery eine Mehrheitsbeteiligung an Rakhat. Diese Eigentümerstruktur könnte Marktkenntnis und Geschäftskontakte bereitstellen. Aus den Quellen geht jedoch nicht hervor, ob das Vertriebsnetz von LOTTE genutzt werden soll oder welche Produkte eingeführt werden könnten.
Kasachstan unterstützt heimische Hersteller beim Eintritt in Auslandsmärkte mit Finanzierungs- und Versicherungsinstrumenten, erklärte das Ministerium. Diese können einen Teil des kommerziellen Risikos senken, garantieren aber weder Regalplätze noch Nachfrage.
Russland bleibt kurzfristig der Kernmarkt
Die geplante Expansion nach Asien ist daher als schrittweise Diversifizierung zu bewerten, nicht als kurzfristiger Umbau der Exportstruktur. Solange Russland rund zwei Drittel der Ausfuhren abnimmt, müssen neue Märkte ein erhebliches Volumen erreichen, bevor sich diese Abhängigkeit spürbar verringert.
Kapazität, Sortiment und Investitionen bilden eine Produktionsbasis für Wachstum. Offen bleiben Vertriebsvereinbarungen, Startzeitpunkte und Liefermengen. Bis diese Angaben vorliegen, sind Südkorea, Indonesien und Thailand potenzielle neue Absatzkanäle, während Russland Rakhats wichtigster Auslandsmarkt bleibt.