Rabobank hebt Prognose für weltweite Geflügelproduktion auf 3 bis 3,5 % Wachstum an
Die weltweite Geflügelproduktion dürfte in diesem Jahr um rund 3 bis 3,5 % zulegen. Das geht aus einer Ende Juni veröffentlichten Prognose der Rabobank hervor, über die das vietnamesische Fachmedium nhachannuoi.vn berichtet. Der Wert liegt über früheren Schätzungen und wirkt sich unmittelbar auf die Nachfrage nach Mais und Sojaschrot sowie auf das Angebot für Importmärkte aus.
Die weltweite Geflügelproduktion wächst in diesem Jahr voraussichtlich um rund 3 bis 3,5 % und damit stärker als bislang erwartet. Das geht aus einer Ende Juni veröffentlichten Prognose der Rabobank hervor, über die das vietnamesische Fachmedium nhachannuoi.vn berichtet.
Angehobene Prognose
Entscheidend ist weniger die Größe der Revision als ihre Richtung. Die Spanne der Rabobank liegt über den zuvor kursierenden Prognosen, was darauf hindeutet, dass die tatsächliche Erzeugung im ersten Teil des Jahres über den Annahmen der Analysten lag. In einer Branche, deren globales Jahreswachstum üblicherweise im niedrigen einstelligen Bereich liegt, bedeutet eine solche Anhebung zusätzliche Mengen in mehreren großen Erzeugerregionen und nicht einen einmaligen Sprung in einem einzelnen Land.
Die von nhachannuoi.vn wiedergegebene Zusammenfassung schlüsselt die Spanne von 3 bis 3,5 % weder nach Regionen noch nach Geflügelart oder Quartal auf und nennt keine Tonnage für den erwarteten Zuwachs. Erzeuger, Händler und Verarbeiter sollten die Zahl als Richtungssignal für das Angebot lesen, nicht als fertige Mengenbilanz für das Jahr.
Mehr Tiere, mehr Futter
Eine schnellere Ausweitung der Erzeugung schlägt fast unmittelbar auf den Futterverbrauch durch. Futter ist der größte Einzelkostenblock in der Broilermast, die Ration wird von Mais und Sojaschrot bestimmt, Weizen ersetzt Anteile, wo Preis und Verfügbarkeit es zulassen. Ein Plus von 3 bis 3,5 % bei Tierzahlen und Lebendgewicht übersetzt sich damit in zusätzliche Nachfrage nach Futtergetreide und Eiweißschroten - die engste Verbindung zwischen einer Geflügelprognose und dem übrigen Agrarkomplex.
Drei Kanäle verdienen die Aufmerksamkeit von Einkäufern und Verarbeitern:
- Die Nachfrage nach Futtergetreide und Ölschroten, bei der Geflügel mit Schweine- und Rindermast um dieselben Mais- und Sojaschrotmengen konkurriert.
- Die Verfügbarkeit von Eintagsküken und Elterntieren, die das Tempo der Ausweitung unabhängig von der Marge begrenzt.
- Die Kapazitäten in Schlachtung, Verarbeitung und Kühlkette, die darüber entscheiden, ob zusätzliche Lebenderzeugung als Frisch- oder Gefrierware auf Exportmärkte gelangt oder im Inland bleibt.
Der Produktionszyklus im Geflügelsektor ist kurz im Vergleich zu Schwein und Rind, Erzeuger reagieren daher innerhalb weniger Monate auf Margensignale. Genau dieses Tempo macht Anhebungen zur Jahresmitte plausibel - und es macht ein Überangebot möglich, wenn die Futterkosten sinken und Verarbeiter um Einstallungen konkurrieren.
Handel und Preise
Geflügelfleisch ist das am meisten gehandelte und günstigste der gängigen tierischen Proteine. Ein Angebotszuwachs am oberen Rand der Prognosespanne belastet die Preise daher eher, als dass er sie stützt. Am direktesten profitieren Importmärkte in Afrika, dem Nahen Osten und Asien: Hähnchen ist der billigste Weg, tierisches Eiweiß in die Ernährung zu bringen, zusätzliche exportfähige Ware deckelt den Einkaufspreis. Für die großen Exporteure - Brasilien, die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und Thailand - bringt dieselbe Entwicklung Menge, aber nicht zwingend Marge, vor allem wenn die Futterkosten nicht im Gleichschritt sinken.
Die Prognose unterstellt zudem eine relativ stabile Seuchenlage. Die hochpathogene Aviäre Influenza bleibt das wichtigste Abwärtsrisiko für jede globale Geflügelprojektion: Ein Ausbruch in einem großen Exportland kann binnen Wochen Mengen vom Markt nehmen und Einfuhrverbote auslösen, aus einer Angebotsfrage wird dann eine Frage des Marktzugangs. Regionalisierungsabkommen haben diesen Effekt auf einzelnen Handelswegen abgemildert, beseitigt haben sie ihn nicht.
Was die Branche jetzt braucht, sind die Details, die in der veröffentlichten Zusammenfassung fehlen. Regionale Aufteilung, das Verhältnis von Broilerfleisch zu Eiern und der unterstellte Verlauf der Futterkosten entscheiden darüber, ob 3 bis 3,5 % Wachstum als margenneutrale Ausweitung ankommen oder als Angebotsüberhang. Bis vollständigere regionale Zahlen der Rabobank vorliegen, taugt die Spanne als Planungsgröße für Futtereinkauf und Verarbeitungskapazität, nicht als Preisprognose.