Qemetica investiert über 2 Milliarden Zloty in die Dekarbonisierung seiner Werke
Polens einziger Sodahersteller investiert in vier Jahren mehr als 2 Milliarden Zloty, um Kohle in seinen Werken durch Biomasse und Siedlungsabfälle zu ersetzen. Ein Vertrag über den Umbau eines Kessels im Wert von 300 Millionen Zloty ist bereits unterzeichnet, die Inbetriebnahme ist für das zweite Halbjahr 2028 geplant, eine thermische Abfallbehandlungsanlage soll bis 2030 entstehen. Energie macht rund die Hälfte der Kosten des Sodageschäfts aus.
Der Engpass ist Dampf, nicht Strom
Qemetica, der einzige Sodahersteller in Polen und die Nummer zwei in der Europäischen Union, wird in den kommenden vier Jahren mehr als 2 Milliarden Zloty aufwenden, um die Kohlendioxidemissionen seiner Werke zu senken. Die Zahl nannte Strategiedirektor Piotr Szlagowski-Budacz gegenüber der Polnischen Presseagentur (PAP), berichtet das Branchenportal wnp.pl.
Nach Angaben von wnp.pl steht der Konzern bei den Dekarbonisierungszielen im Rahmen der EU-Klimapolitik vor einer erheblichen Herausforderung. Eine direkte Elektrifizierung kommt für Qemetica aus technologischen Gründen nicht infrage: Die Sodaproduktion benötigt große Mengen Prozessdampf, der heute überwiegend aus Kohle erzeugt wird. Die Lösung für das Unternehmen seien Biomasse und Siedlungsabfälle, für entsprechende Investitionen würden in den kommenden Jahren mehr als 2 Milliarden Zloty bereitgestellt, sagte Szlagowski-Budacz.
Kesselumbau für 300 Millionen Zloty, Abfallanlage bis 2030
Der erste konkrete Auftrag liegt bereits vor. Im August unterzeichnete das Unternehmen einen Vertrag über die Umrüstung eines Kohlekessels auf Biomasse. Auftragnehmer sind Mostostal Zabrze Realizacje Przemyslowe und Sumitomo SHI FW, der Vertragswert beträgt 300 Millionen Zloty. Die Inbetriebnahme des Kessels ist für das zweite Halbjahr 2028 geplant, eine Anlage zur thermischen Abfallbehandlung soll bis 2030 entstehen.
Die Rechnung dahinter ist einfach. Energiekosten machen rund die Hälfte der Kosten des Sodageschäfts von Qemetica aus, berichtet wnp.pl. Dieser Anteil erklärt, warum das Unternehmen den Brennstoffwechsel und nicht schrittweise Effizienzmaßnahmen ins Zentrum seiner Emissionsstrategie stellt und warum der Preis europäischer Emissionszertifikate fast unmittelbar in die Kostenbasis durchschlägt.
ETS-Reform gilt als unzureichend
Deshalb komme der Regulierung des EU-Emissionshandelssystems (EU ETS) zentrale Bedeutung zu, so Szlagowski-Budacz. Der im Juli von der Europäischen Kommission vorgelegte Reformvorschlag enthalte mehrere günstige Korrekturen, ändere aber nichts an der grundsätzlichen Richtung des Systems und bleibe aus Sicht der Chemieindustrie unzureichend.
Der Vorstand von Qemetica formulierte mehrere konkrete Forderungen:
- Das Tempo, in dem die Menge kostenloser Emissionszertifikate reduziert wird, sollte bereits ab 2027 abgeschwächt werden.
- Die Reform der Marktstabilitätsreserve sollte den Preisdruck bei Zertifikaten tatsächlich begrenzen.
- Ein größerer Teil der Einnahmen aus dem Zertifikateverkauf sowie der Mittel der Bank für industrielle Dekarbonisierung sollte in die Transformation der Industrie fließen, unter der Bedingung technologischer Neutralität, also ohne den Unternehmen vorzuschreiben, auf welchem Weg sie Emissionen senken.
- Müllverbrennungsanlagen sollten nicht in das ETS einbezogen werden.
Die Finanzierung dürfe sich nicht überwiegend auf Elektrifizierung oder ausgewählte Technologien beschränken, da solche Lösungen in Teilen der Branche, darunter in der Sodaproduktion, technisch nicht ausreichten, argumentierte der Strategiedirektor. Werden Verbrennungsanlagen dennoch in das System aufgenommen, müssten auch Deponien mit entsprechenden Kosten für Kohlendioxid und Methan belastet werden, damit die Deponierung nicht zulasten der energetischen Verwertung attraktiver werde.
Das Unternehmen
Bis Juni 2024 firmierte Qemetica unter dem Namen Ciech. Neben Soda produziert das Unternehmen unter anderem Siedesalz, Pflanzenschutzmittel, Polyurethanschäume, Silikate und Glasverpackungen. Es gehört zu einer von Kulczyk Investments kontrollierten Unternehmensgruppe.