Polnisches Geflügel gewinnt in Asien, während die EU 45% weniger Werbegeld erwägt
Polen lieferte in den ersten vier Monaten 2026 bereits 177 Tonnen Geflügelfleisch nach Südkorea, nach 245 Tonnen im gesamten Jahr 2025, und begann mit Exporten nach Japan. Gleichzeitig schlägt die Europäische Kommission vor, das EU-Budget für Lebensmittelwerbung 2027 um 45% zu kürzen.
Polnisches Geflügel gewinnt weitere Käufer in Asien
Die polnische Geflügelwirtschaft baut ihre Präsenz auf asiatischen Märkten aus. Südkorea, die Philippinen und Japan entwickeln sich dabei zu zunehmend relevanten Absatzländern. Wie Farmer.pl berichtet, stellte der Nationale Geflügelrat KRD-IG bei einem Pressegespräch aktuelle Exportergebnisse und die Perspektiven für polnisches Geflügelfleisch in Südostasien vor.
KRD-IG führt derzeit Werbekampagnen in Südkorea, Vietnam und auf den Philippinen durch. Nach Angaben der Organisation sind erste Ergebnisse bereits in der Handelsstatistik sichtbar. Südkorea importierte 2025 insgesamt 245 Tonnen polnisches Geflügelfleisch und in den ersten vier Monaten 2026 weitere 177 Tonnen. Das absolute Volumen bleibt zwar gering, doch die Zahlen für 2026 zeigen ein höheres Liefertempo als im Vorjahr.
Dariusz Goszczyński, Präsident von KRD-IG, gab zudem den Beginn von Geflügelfleischlieferungen nach Japan bekannt. Farmer.pl nennt weder ein Volumen für Japan noch detaillierte Zahlen für die Philippinen und Vietnam. Der Eintritt in einen weiteren anspruchsvollen asiatischen Markt erweitert dennoch die kommerzielle Reichweite der Branche und könnte bei Folgeaufträgen die Grundlage für zusätzliche Verkäufe schaffen.
Verkäufe außerhalb der EU verbreitern die Absatzbasis
Die Europäische Union bleibt der wichtigste Markt für polnisches Geflügel. Goszczyński zufolge erfordert die weitere Entwicklung der Branche jedoch einen stetigen Ausbau der Verkäufe in Drittländer. Eine breitere Verteilung der Zielmärkte soll die Abhängigkeit von der Konjunktur in der EU und von der zunehmenden Konkurrenz auf dem globalen Lebensmittelmarkt verringern.
Für Erzeuger und Verarbeiter eröffnet der Zugang zu mehreren asiatischen Märkten zusätzliche Absatzkanäle jenseits der etablierten europäischen Kundschaft. Importeure in Südkorea, Japan, Vietnam und auf den Philippinen erhalten zugleich eine weitere mögliche Bezugsquelle für Geflügelfleisch. Das weitere Wachstum hängt von marktspezifischer Werbung, stabilen Käuferbeziehungen und dem dauerhaften Zugang zu den einzelnen Märkten ab.
Die Expansion fällt in eine breitere Debatte über den Wettbewerbsdruck durch Anbieter außerhalb der EU. Erzeugerorganisationen verknüpfen das Thema mit dem EU-Mercosur-Abkommen und den Verhandlungen mit weiteren Handelspartnern. Sie argumentieren, dass ein stärkerer Zugang für Agrarimporte den Druck auf europäische Landwirte erhöht. Auslandswerbung soll deshalb zusätzliche Exportchancen schaffen.
Brüssel schlägt deutliche Mittelkürzung vor
Die Europäische Kommission will das Budget zur Förderung von EU-Lebensmitteln laut Farmer.pl von 205 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 112 Millionen Euro im Jahr 2027 senken. Das entspricht einem Rückgang von 45%. Die stärksten Kürzungen würden multinationale Programme und Kampagnen in Drittländern treffen – genau jene Bereiche, die den Aufbau europäischer Lebensmittelmarken in Asien unterstützen.
Der Vorschlag wurde am 24. Juni 2026 bei einer Sitzung der Gruppe für den zivilen Dialog über Qualität und Absatzförderung der Europäischen Kommission in Brüssel erörtert. Branchenverbände warnten, die Kürzung werde Maßnahmen zur Unterstützung europäischer Lebensmittelexporte außerhalb der EU beeinträchtigen. Copa-Cogeca betrachtet Absatzförderung als eines der wichtigsten Instrumente zur Exportentwicklung und zur Stärkung der Wettbewerbsposition von EU-Lebensmitteln im Ausland.
Verbände wollen die Marktstrategie weiter bestimmen
Mirosław Maliszewski, Vorsitzender des Landwirtschafts- und Landentwicklungsausschusses im polnischen Parlament, bezeichnete die Signale der Kommission als widersprüchlich. Er erinnerte daran, dass EU-Agrarkommissar Christophe Hansen bei einem Besuch in Polen für funktionierende Fördermittel sowohl im Binnenmarkt als auch auf Auslandsmärkten eingetreten war.
Maliszewski fordert, dass Bauernverbände weiterhin über die Verwendung der Mittel entscheiden. Sie kennen seiner Ansicht nach den richtigen Zeitpunkt und die Anforderungen einzelner Märkte am besten. Der Staat sollte die Gelder verwalten, während die Auswahl der Zielmärkte nicht übermäßig politisch beeinflusst werden sollte.
Für Polens Geflügelwirtschaft kommt die Debatte zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Die Lieferungen nach Südkorea beschleunigen sich, während Japan gerade erst als Zielmarkt erschlossen wurde. Ein kleineres EU-Budget, insbesondere für Kampagnen außerhalb der Union, könnte es erschweren, erste Sendungen in dauerhafte Handelsströme umzuwandeln. Entscheidend wird sein, ob die Kürzung für 2027 beschlossen und wie der verbleibende Betrag von 112 Millionen Euro auf Produkte, Länder und Programmarten verteilt wird.