Polnischer Zuckerpreis fällt um 17,3 Prozent – Bauern fordern Dumpingprüfung
Die Zuckerpreise in Polen sinken wesentlich schneller als im EU-Durchschnitt, weshalb Bauernvertreter mögliche Verkäufe unter Produktionskosten prüfen lassen wollen. Ein inländischer Überschuss und das hohe Weltmarktangebot belasten Rübenanbauer und Fabriken, während ukrainische Importe als Hauptursache ausscheiden.
Preisgefälle löst Forderung nach Untersuchung aus
Die Zuckerpreise in Polen sind um 17,3 Prozent gesunken, während der Durchschnittspreis in der Europäischen Union lediglich um 2,7 Prozent nachgab. Das zeigen Daten des Instituts für Agrar- und Ernährungsökonomie, die AgroNews und top agrar anführen. Im selben Zeitraum stiegen die Preise in Deutschland um 2,6 Prozent. Dieser deutliche Unterschied zwischen benachbarten Märkten lässt polnische Bauernvertreter vermuten, dass überschüssiger Zucker zu künstlich niedrigen Preisen in Polen abgesetzt wird.
Auf Ersuchen des Kreistags Piła bat die Landwirtschaftskammer Großpolen den Nationalen Rat der Landwirtschaftskammern, das Landwirtschaftsministerium einzuschalten. Sie fordert eine offizielle Analyse der Preisunterschiede und Kontrollen, ob ausländische Handels- oder Verarbeitungsunternehmen Zucker unter Produktionskosten verkaufen. Die Kammer vermutet, dass Mittel- und Osteuropa zur Abgabe überschüssiger Mengen genutzt werden könnte. Belege für tatsächlich erfolgtes Dumping enthält das Quellenmaterial jedoch nicht.
Polen produziert selbst mehr Zucker, als das Land verbraucht. Die Erzeugung wird auf 2 Millionen bis 2,1 Millionen Tonnen geschätzt. Dieser Überschuss kann die Preise eigenständig belasten, erklärt nach Auffassung der Landwirtschaftskammern aber nicht das vollständige Ausmaß des Rückgangs.
Niedrigere Zuckerpreise erreichen die Rübenverträge
Die Marktdaten für April 2026 zeigen Preisdruck auf mehreren Stufen der Lieferkette. Der Verkaufspreis einer Kategorie abgepackten Zuckers sank gegenüber März um 1,9 Prozent auf 2,59 PLN (0,60 €) je Kilogramm und lag 9,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Ein weiterer Preisindikator für abgepackten Zucker fiel im Monatsvergleich um 2,8 Prozent auf 2,42 PLN (0,56 €) je Kilogramm, blieb aber 0,8 Prozent über dem Niveau vom April 2025.
Im Einzelhandel kostete Zucker im April durchschnittlich 2,73 PLN (0,73 €) je Kilogramm. Das waren 3,2 Prozent weniger als im März und 14,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Verbraucher profitieren, doch die Zuckerfabriken reagieren auf niedrigere Erlöse für das Endprodukt mit geringeren Angeboten für Zuckerrüben. Besonders betroffen sind Rüben für überschüssige Zuckermengen. Auch die Konditionen neuer Verträge verschlechtern sich.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Großpolen sinkt die Rentabilität, weil Arbeits-, Kraftstoff-, Dünge-, Pflanzenschutz- und Transportkosten steigen, während die Rübenpreise fallen. Besonders gefährdet sind Betriebe, die ihre Flächen erweitert oder in Spezialtechnik für Ernte und Transport investiert haben. Niedrigere Erträge verlängern die Amortisationszeit erheblich. Zuckerrüben hatten den Betrieben zuvor vergleichsweise stabile Einnahmen gesichert.
Weltmarktangebot wiegt schwerer als ukrainische Einfuhren
Ukrainischer Zucker wird in der Debatte häufig genannt, doch seine Bedeutung hat zuletzt stark abgenommen. Nach der Handelsliberalisierung importierte die EU 2022 rund 148.000 Tonnen aus der Ukraine; 2023 waren es fast 490.000 Tonnen. Nach administrativen Beschränkungen fielen die Einfuhren von September 2024 bis Juli 2025 auf rund 112.000 Tonnen und damit um 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr. AgroNews sieht ukrainischen Zucker deshalb nicht als Hauptursache des jüngsten Preisrückgangs in Polen und der EU.
Eine breitere Erklärung liefert die globale Versorgungslage. Nach USDA-Daten stieg die weltweite Zuckerproduktion 2024/2025 um 2,9 Prozent, vor allem durch Zuwächse in Brasilien und Indien. Der FAO-Zuckerpreisindex lag im September 2025 um 21 Prozent unter dem Vorjahreswert und auf dem niedrigsten Stand seit März 2021. Das reichliche Angebot und stabile Lagerbestände begrenzen eine Erholung in Europa.
Die Europäische Kommission erwartet für 2025/2026 einen Rückgang der EU-Zuckerproduktion um 7 Prozent, weil die Rübenfläche um etwa 11 Prozent schrumpft. In Polen könnte eine Flächenreduzierung um 7 Prozent die Rübenernte laut Zentralem Statistikamt um etwa 8 Prozent auf 16,9 Millionen Tonnen verringert haben. Sorgen bereitet zudem das EU-Mercosur-Abkommen, dessen Schutzmechanismus die Produzenten für möglicherweise zu langsam halten. Dauerhaft schwache Preise könnten weitere Flächenstilllegungen, Betriebsaufgaben und einen Kapazitätsverlust der polnischen Zuckerindustrie auslösen.