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Polnischer Butter-Preiskampf alarmiert tschechische Erzeuger

Polnische Supermärkte bieten 200-Gramm-Packungen Butter zeitweise für umgerechnet rund 5 tschechische Kronen an und beunruhigen damit tschechische Landwirte und Lebensmittelhersteller. Der tschechische Landwirtschaftsminister erwägt ein Vorgehen auf EU-Ebene gegen Verkäufe unter dem Einkaufspreis, während Händler vor steigenden Preisen warnen.

Polnischer Butter-Preiskampf alarmiert tschechische Erzeuger

Polnische Rabatte setzen eine neue Preisreferenz

Der Preiskampf zwischen den polnischen Handelsketten Lidl und Biedronka prägt inzwischen auch die Debatte auf dem tschechischen Lebensmittelmarkt. Laut portalspozywczy.pl ist eine 200-Gramm-Packung Butter in Polen während bestimmter Aktionen für umgerechnet rund 5 tschechische Kronen erhältlich. Die Preisnachlässe betreffen außerdem Fleisch und Speiseöle.

Der Abstand zum tschechischen Preisniveau ist erheblich. Nach Angaben des Preisvergleichsportals Kupi.cz lag der niedrigste in diesem Jahr in Tschechien erfasste Butterpreis bei 18,90 Kronen. Einige tschechische Händler vergleichen in ihren Werbeprospekten bereits die Kosten kompletter Warenkörbe. Der Wettbewerb könnte sich somit über einzelne Produkte hinaus ausweiten.

Verbraucher profitieren unmittelbar von solchen Aktionen. Landwirte und Lebensmittelverarbeiter in beiden Ländern argumentieren jedoch, dass einige Aktionswaren unter ihren Herstellungskosten verkauft werden. Fleischverarbeiter berichten, dass ihre Produkte bei manchen Aktionen bis zu 50 Prozent unter dem üblichen Marktpreis angeboten werden.

Hersteller kritisieren die Kalkulation der Aktionen

Jan Doležal, Präsident der tschechischen Agrarkammer, erklärte, dass Produktpreise häufig nicht die tatsächlichen Kosten widerspiegelten. Besonders groß ist die Belastung für Molkereien, deren hohe Betriebskosten durch die Verkaufspreise einiger Produkte nicht gedeckt werden.

Die Auseinandersetzung betrifft auch Geflügel. David Bednář, Geschäftsführer des Geflügelbetriebs in Klatovy, bezeichnete einen Preis von 99,90 Kronen für Hähnchenbrustfilets als unglaublich. Tschechische Verbraucher reagierten sehr stark auf Sonderangebote; ohne Rabatte seien die Verkäufe minimal.

Der Agrarmarktanalyst Petr Havel warnte, unverhältnismäßig niedrige Preise könnten die Wahrnehmung des tatsächlichen Lebensmittelwerts verzerren und Verschwendung begünstigen. Für die Hersteller schaffen regelmäßige Tiefpreisaktionen zudem Erwartungen im Handel, die schwer mit den Kosten von Landwirtschaft und Verarbeitung vereinbar sind.

Mögliches Verbot spaltet Politik und Handel

Der tschechische Landwirtschaftsminister Martin Šebestyán erwägt eine Initiative auf Ebene der Europäischen Union, um Verkäufe unter dem Einkaufspreis zu verbieten. Gegenüber CNN Prima NEWS sagte er, viele Staaten könnten bereits vor Abschluss der europäischen Debatte handeln, da diese mehrere Jahre dauern könne.

Der frühere Landwirtschaftsminister Marek Výborný lehnt diesen Ansatz ab und hält einen solchen Eingriff in den Markt nicht für sinnvoll. Auch Vertreter des Handels wenden sich gegen die Regelung und warnen, eine Begrenzung von Verkäufen unter dem Einkaufspreis könne Lebensmittel sofort verteuern.

Vergleichbare Beschränkungen gelten bereits in Frankreich, Spanien und Belgien. Im Mittelpunkt steht damit die Frage, ob solche Regeln Landwirte und Verarbeiter vor übermäßigem Preisdruck des Handels schützen oder vor allem Aktionen begrenzen und die Lebensmittelrechnungen der Haushalte erhöhen.

Das Problem reicht über den Wettbewerb zwischen polnischen und tschechischen Supermärkten hinaus. In der ersten Julihälfte trafen sich Molkereien und Branchenverbände aus mehreren Ländern wegen niedriger Milch- und Butterpreise mit EU-Agrarkommissar Christophe Hansen. Die Teilnehmer bezeichneten die Lage als nicht tragbar. Jiří Kopáček, Vorsitzender des Böhmisch-Mährischen Molkereiverbands, sagte CNN Prima NEWS, Molkereien in ganz Europa kämpften mit derselben Kombination aus hohen Kosten und Verkaufspreisen, die diese teilweise nicht deckten. Damit sei nicht nur ein einzelnes Produkt, sondern die gesamte Branche bedroht.

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