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Polnische Futtergerstenpreise fallen auf ein Niveau wie vor fast 20 Jahren

Polnische Erfassungsstellen bieten für Futtergerste rund 600 zł netto je Tonne, regional liegen die Gebote noch darunter. Dürrebedingte Ertragseinbußen und deutlich höhere Produktionskosten als Anfang der 2000er-Jahre belasten Margen und Liquidität der Betriebe.

Polnische Futtergerstenpreise fallen auf ein Niveau wie vor fast 20 Jahren

Erfassungspreise liegen bei rund 600 zł je Tonne

Viele polnische Erfassungsstellen zahlen für Futtergerste derzeit rund 600 zł netto je Tonne. Nominal entspricht das ungefähr dem Preisniveau von vor fast 20 Jahren, berichtet top agrar Polska. Regional fallen die Gebote noch niedriger aus, da mit der frühen Getreideernte zusätzliche Ware auf den Markt kommt.

Damit endet jedoch die historische Vergleichbarkeit. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Kosten für Kraftstoff, Mineraldünger, Pflanzenschutzmittel, Saatgut, Energie, Ersatzteile, Dienstleistungen und weitere Betriebsmittel stark gestiegen. Einige Inputpreise sind zwar von ihren Höchstständen der Jahre 2022–2023 zurückgegangen, liegen aber weiterhin deutlich über dem Niveau von vor mehr als einem Jahrzehnt. Eine für rund 600 zł verkaufte Tonne Gerste bietet deshalb heute wesentlich weniger Kaufkraft und Marge als derselbe Nominalpreis Anfang der 2000er-Jahre.

Marek Twardowski, der im Kreis Biała Podlaska in der Woiwodschaft Lublin 60 Hektar bewirtschaftet, sagte top agrar Polska, bei den aktuellen Preisen sei kaum von Gewinn zu sprechen. Während nach der Ernte früher noch Geld für Investitionen erwartet wurde, gehe es heute vor allem darum, die Produktionskosten zu decken.

Dürre verschärft den Margendruck

Die niedrigen Preise treffen auf ein Niederschlagsdefizit im Frühjahr und Sommer. Die Dürre hat das Ertragspotenzial der Gerste in vielen polnischen Regionen begrenzt. Einige Betriebe ernteten deutlich weniger Getreide, als sie noch im Mai erwartet hatten. Ein großer Teil der Kosten war zu diesem Zeitpunkt bereits angefallen, sodass jede Minderernte den Erlös je Hektar unmittelbar senkt.

Kacper Popławski, Landwirt im Kreis Przysucha in der Woiwodschaft Masowien, bezeichnete den Ertrag als größtes Problem dieser Saison. Sein Betrieb erntete erheblich weniger Gerste als geplant, wodurch die Wirtschaftlichkeit bei den verfügbaren Preisen kaum erreichbar sei. Auch eine gute Kornqualität kann die fehlenden Tonnen je Hektar nicht vollständig ausgleichen.

Die Verbindung aus schwachen Erträgen und einem Erfassungspreis von rund 600 zł je Tonne hat die diesjährige frühe Ernte für viele Erzeuger deutlich schlechter ausfallen lassen als erwartet. Selbst eine moderate Preiserholung hilft einem Betrieb nur begrenzt, wenn die Dürre die Menge verringert hat, während die Kostenbasis nahezu unverändert blieb.

Ernteangebot und vorsichtige Käufer begrenzen die Preise

Auch der saisonale Verkaufsdruck prägt den Markt. Während der Ernte gelangen die größten Mengen neuen Getreides zu den Käufern, was das kurzfristige Angebot erhöht und höhere Gebote erschwert. Handelsunternehmen kaufen in den ersten Erntewochen vorsichtig und warten auf weitere Zufuhren.

Die Inlandspreise orientieren sich zudem an den europäischen und globalen Getreidemärkten, den Exportmöglichkeiten und der Konkurrenz durch Ware aus anderen Ländern. Bei schwachem Exportgeschäft und ausreichendem Angebot bleiben die Gebote für polnische Erzeuger meist unter Druck. Nach der Ernte hängt die Preisentwicklung von der Größe der polnischen und europäischen Ernten, dem Exporttempo, der Lage am Weltgetreidemarkt und der Nachfrage der Futtermittelindustrie ab.

Lagerung schafft Spielraum, doch Liquidität erzwingt Verkäufe

Die Erzeuger müssen zwischen niedrigen Geboten zur Erntezeit und einer Einlagerung in Erwartung einer späteren Erholung wählen. Lagerung verursacht zusätzliche Kosten und bietet keine Garantie für steigende Preise. Betrieben ohne ausreichende Kapazitäten oder Betriebskapital steht diese Möglichkeit ohnehin nicht offen.

Viele Landwirte benötigen kurzfristig Geld, um Verbindlichkeiten zu begleichen, Dünger für die nächste Aussaat zu kaufen und den laufenden Betrieb zu finanzieren. Bei ihnen entscheidet die Liquidität und nicht die Markterwartung über den Verkaufszeitpunkt. Twardowski will einen Teil seiner Ernte einlagern, weil er nicht alles für 600 zł je Tonne abgeben möchte. Wegen fälliger Rechnungen muss er einen anderen Teil dennoch sofort verkaufen.

Das zentrale Problem der polnischen Gerstenerzeuger ist somit nicht allein der Erfassungspreis, sondern das Verhältnis von Preis, Ertrag und Produktionsaufwand. Die Witterung schmälert die Menge, die Kosten bleiben hoch, und immer mehr Betriebe fragen sich, ob Gerste noch genügend Einkommen für weitere Investitionen erwirtschaftet.

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