Polens Milcherzeugung konzentriert sich auf größere Betriebe
In Polen halten noch rund 150.000 Betriebe Kühe, 5–6 % weniger als im Vorjahr. Vor allem kleinste Erzeuger geben auf, während größere Spezialbetriebe wachsen und Molkereien regelmäßige Lieferungen einheitlicher Rohmilch verlangen.
Kleine Herden prägen den Rückgang
Die Zahl der polnischen Betriebe mit Kühen ist auf rund 150.000 gesunken, 5–6 % weniger als im Vorjahr, berichtete farmer.pl unter Berufung auf Piotr Szajner vom polnischen Institut für Agrar- und Ernährungswirtschaft. Betroffen sind vor allem Höfe mit bis zu fünf oder neun Kühen. Die Zahl großbetrieblicher Erzeuger nimmt zwar zu, ihre Ausgangsbasis bleibt jedoch vergleichsweise klein.
Auch der Tierbestand verlagert sich zu größeren Erzeugern. Spezialisierte Betriebe stocken ihre Herden auf und erweitern die Milchproduktion, während viele kleine Familienhöfe ihre Bestände reduzieren oder ganz aussteigen. Kleine Höfe sind weiterhin zahlreich, halten aber einen immer geringeren Anteil des polnischen Kuhbestands.
Molkereien verlangen Größe und verlässliche Mengen
Nach Angaben Szajners treibt die Molkereiindustrie die Konzentration mit voran, weil die Werke große, regelmäßige Partien einheitlicher Rohmilch benötigen. Kleine Mengen bei vielen verstreuten Höfen abzuholen, erhöht die Erfassungs-, Transport- und Transaktionskosten. Größere Lieferanten erhalten dadurch einen praktischen Vorteil in der Zusammenarbeit mit Verarbeitern, unabhängig von Unterschieden bei den Produktionskosten auf Betriebsebene.
Wachstum erfordert jedoch erhebliche Investitionen in Ställe, Melktechnik, Tiere und Flächen. Kleinen Erzeugern fehlen häufig Kapital, Arbeitskräfte und Land für solche Vorhaben. Die Konzentration bleibt daher ein langfristiger Prozess. Informelle Pachtverhältnisse, die in Polen weit verbreitet sind, erschweren zusätzlich den Aufbau der für expandierende Betriebe erforderlichen Fläche.
Das Tempo unterscheidet sich regional. Große Spezialbetriebe entwickeln sich im Westen Polens und spielen bereits in den Woiwodschaften Podlachien und Ermland-Masuren eine wichtige Rolle. In Łódź und Masowien sowie in Hochland- und Bergregionen bleibt die Struktur stärker zersplittert. Szajner verglich diese Teilung mit Deutschland, wo im Norden und in der Mitte größere Höfe dominieren, während der Süden kleinteiliger strukturiert ist.
Größe garantiert keine Rentabilität
Große Herden können bestimmte Stückkosten senken, doch laut Szajner führt Größe nicht automatisch zu höheren Gewinnen. Größere Betriebe tragen ebenfalls hohe Investitions- und Betriebskosten. Für Kreditgeber, Verarbeiter und Agrarinvestoren steht Herdenwachstum deshalb für zusätzliche Kapazität, aber nicht zwingend für höhere Margen, insbesondere wenn die Expansion teure Anlagegüter voraussetzt.
Kleinere Höfe können sich stattdessen auf Premiumkäse, Direktverkauf oder bäuerlichen Einzelhandel konzentrieren. Szajner verwies auf Deutschland, die Schweiz, Norditalien und Österreich, wo einige kleine Betriebe für heubasierte Erzeugung höhere Milchpreise erzielen und wegen schwieriger Bedingungen in Berggebieten Unterstützung erhalten. Solche Nischen können polnischen Höfen Zusatzeinkommen bringen, werden aber nicht zum dominierenden Branchenmodell. Erzeugergemeinschaften könnten Mengen bündeln und die Verhandlungsposition stärken, ohne Eigentumsverhältnisse zusammenzuführen; das Interesse polnischer Landwirte daran bleibt jedoch begrenzt.
Auf die polnische Molkereiindustrie entfallen laut Szajner derzeit rund 85 % der Produktion, gegenüber fast 97 % in der Europäischen Union. Da die Binnennachfrage weitgehend gesättigt ist, hängt weiteres Wachstum wesentlich vom Absatz außerhalb Polens ab. Die EU ist der wichtigste Markt; Asien und Afrika könnten bei einer abgestimmten Handels- und Branchenstrategie zusätzliche Chancen bieten. Große Verarbeiter mit erheblichen Mengen relativ günstiger Rohmilch sind für diese Expansion am besten aufgestellt, was den wirtschaftlichen Druck zugunsten größerer und verlässlicherer Lieferbetriebe verstärkt.