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Polen prüft Abgabe von 0,25 % auf Alkohol- und Tabakumsätze

Polen erwägt eine Abgabe von 0,25 % auf den jährlichen Verkaufswert von Alkohol- und Tabakwaren zur Finanzierung eines neuen Fonds für öffentliche Gesundheit. Bei einem Gesamtumsatz von rund 90 Milliarden Zloty könnte sie jährlich 225 Millionen Zloty einbringen, doch Behörden und Fachleute warnen vor höheren Verwaltungskosten und wachsendem illegalem Handel.

Polen prüft Abgabe von 0,25 % auf Alkohol- und Tabakumsätze

Umsatzbezogene Abgabe soll öffentliche Gesundheit finanzieren

Die polnische Regierung arbeitet an einer möglichen Abgabe von 0,25 % auf den jährlichen Verkaufswert von Alkohol- und Tabakwaren, wie Rzeczpospolita berichtete und dlahandlu.pl zusammenfasste. Unternehmen aus beiden Branchen müssten zudem jährlich Berichte über ihre Umsätze einreichen.

Die Einnahmen sollen einen geplanten Fonds für öffentliche Gesundheit finanzieren, der unabhängig vom Staatshaushalt und vom Nationalen Gesundheitsfonds arbeiten würde. Das Geld wäre für Maßnahmen zugunsten der Gesundheit der Bevölkerung bestimmt. Nach Angaben von Rzeczpospolita bestätigte das Gesundheitsministerium, dass an neuen Finanzierungswegen für die öffentliche Gesundheit gearbeitet werde. Ein größerer Teil der heute vom Gesundheitssystem getragenen Kosten soll demnach mit Unternehmen verknüpft werden, die mit Alkohol und Tabak Umsätze erzielen.

Der Vorschlag wird noch geprüft und ist keine beschlossene Abgabe. Aus den vorliegenden Berichten gehen weder ein Einführungstermin noch die genaue Abgrenzung der betroffenen Produkte und Unternehmen, Erhebungsregeln oder Ausnahmen hervor. Auch ist offen, ob Verbrauchsteuer und Mehrwertsteuer zur Umsatzbasis gehören. Diese Einzelheiten entscheiden über die Verteilung der Belastung auf Hersteller, Importeure, Großhändler und Einzelhändler.

Mögliche Einnahmen von 225 Millionen Zloty

Von Rzeczpospolita zitierte Schätzungen von NielsenIQ beziffern den Verkaufswert von Alkoholprodukten in Polen auf 51,5 Milliarden Zloty. Der Jahresumsatz des Tabakmarktes wird auf 30 Milliarden bis 40 Milliarden Zloty geschätzt. Bei gemeinsamen Verkäufen von ungefähr 90 Milliarden Zloty könnte eine Abgabe von 0,25 % dem neuen Fonds jährlich 225 Millionen Zloty zuführen.

Da die geplante Abgabe auf dem Umsatz und nicht auf dem Gewinn beruht, wäre sie unabhängig von der Marge eines Anbieters fällig. Je 1 Milliarde Zloty steuerpflichtigem Jahresumsatz entstünden direkte Kosten von 2,5 Millionen Zloty. Die wirtschaftliche Wirkung hängt davon ab, ob Unternehmen die Belastung selbst tragen, in Großhandels- oder Einzelhandelspreise einrechnen oder an anderer Stelle Kosten senken.

Die jährliche Meldung würde zusätzlich zur Zahlung eine eigene Verwaltungspflicht schaffen. Unternehmen müssten die erfassten Verkäufe bestimmen und deren Wert nach noch nicht veröffentlichten Regeln dokumentieren. Für Anbieter, die sowohl erfasste als auch nicht erfasste Waren vertreiben, könnten die Definitionen im endgültigen Entwurf die Befolgungskosten erheblich beeinflussen.

Verbrauchsteuern und illegaler Handel sorgen für Bedenken

Das polnische Ministerium für Entwicklung und Technologie hat Vorbehalte geäußert. In einem Schreiben an die Kanzlei des Ministerpräsidenten wies Vizeminister Michał Baranowski darauf hin, dass Alkohol- und Tabakwaren bereits der Verbrauchsteuer unterliegen. Eine weitere Abgabe könne einen übermäßigen Eingriff in die unternehmerische Tätigkeit darstellen. Laut Rp.pl verwies er neben der neuen fiskalischen Belastung auch auf die zusätzliche Dokumentationspflicht.

Die Debatte fällt in eine Zeit, in der sich die Kennzahlen des illegalen Tabakhandels verschlechtern. Der Anteil des Tabakschwarzmarktes erreichte im ersten Quartal 2026 laut den von dlahandlu.pl genannten Daten 9,7 %, nach 6,7 % Ende 2024 und 7,5 % ein Jahr später. Der legale Zigarettenabsatz sank 2025 um 13 % und in den ersten sieben Monaten 2026 um weitere 10 %.

Auch der Alkoholmarkt hat ein Vollzugsproblem. Der illegale Absatz könnte 2025 umgerechnet 23 Millionen Liter reinen Ethylalkohol erreicht haben; die hypothetischen Haushaltsverluste wurden auf 1,8 Milliarden Zloty geschätzt. Diese Zahlen nähren die Sorge, dass zusätzliche Kosten für legale Verkäufe den Preisabstand zu unregulierten Produkten vergrößern. Für Hersteller, Händler und Einzelhändler verbindet der Vorschlag deshalb eine prozentual kleine Abgabe mit grundsätzlichen Fragen zu Verbrauchsteuern, Kontrollen und der Wettbewerbsfähigkeit des legalen Marktes.

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