← Zurück zu den Nachrichten

Polens Kartellamt beanstandet Butteraktionen von Lidl und Biedronka nicht

Polens Wettbewerbsbehörde UOKiK sieht bei den Butteraktionen von Lidl und Biedronka weder Hinweise auf Preisabsprachen noch auf einen Missbrauch von Verhandlungsmacht. Molkereien und kleinere Händler warnen dennoch, dass Preise ab 0,99 Zloty je 200-Gramm-Packung die Erwartungen der Verbraucher verzerren und Verarbeiter belasten.

Polens Kartellamt beanstandet Butteraktionen von Lidl und Biedronka nicht

Behörde sieht keinen Grund zum Eingreifen

Polens Amt für Wettbewerbs- und Verbraucherschutz UOKiK hat keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die besonders günstigen Butteraktionen von Lidl und Biedronka auf Preisabsprachen oder einem unfairen Einsatz von Verhandlungsmacht beruhen. Die Behörde prüfte den Markt nach Beschwerden über Preise von 0,99 bis 1,99 Zloty für eine 200-Gramm-Packung.

Der Nationale Prüfverband der Konsumgenossenschaften „Społem“ erstattete im Mai offiziell Meldung. Er argumentierte, die beiden Discounter könnten Butter unter dem Einkaufspreis verkaufen und dadurch den fairen Wettbewerb beeinträchtigen. Auch ein anonymer Hinweisgeber wandte sich an die Behörde. Laut Interia Biznes stießen die polnischen Angebote zudem bei tschechischen Produzenten und Einzelhändlern auf Kritik.

UOKiK erklärte gegenüber Rzeczpospolita, die Rabatte seien vor allem Ausdruck des intensiven Preiswettbewerbs zwischen den Handelsketten. Ein sehr niedriger Verkaufspreis, selbst unterhalb des durchschnittlichen Einkaufspreises, belege für sich genommen noch keinen Rechtsverstoß. Aktionen seien häufig zeitlich oder mengenmäßig begrenzt oder an Bedingungen wie den Kauf mehrerer Eigenmarkenpackungen geknüpft. Die Behörde setzt keine Einzelhandelspreise fest, kann aber bei Wettbewerbsbeschränkungen oder einer unfairen Behandlung von Lieferanten eingreifen. Die bisherigen Informationen lieferten dafür keine Grundlage; die Marktbeobachtung werde jedoch fortgesetzt.

Molkereien bezweifeln die Kalkulation der Ladenpreise

Małgorzata Cebelińska, Vizepräsidentin der Molkereigenossenschaft SM Mlekpol, sagte Rzeczpospolita, Aktionen seien ein normaler Bestandteil des Wettbewerbs. Sie müssten jedoch vom Verkauf grundlegender Milchprodukte unter ihren tatsächlichen Herstellungskosten unterschieden werden. Die Händler bestimmten Ladenpreise und Rabatthöhe, während Hersteller lediglich Lieferbedingungen aushandelten und den Endpreis nicht kontrollierten. Butter für einige Dutzend Groszy oder Milch für 1,20 Zloty je Liter bilde ihrer Einschätzung nach die Produktionskosten nicht ab und könne Verbraucher irreführen.

Jakub Olipra, leitender Ökonom bei Credit Agricole, veranschlagte den durch Produktion und Vertrieb gerechtfertigten Butterpreis auf 5–6 Zloty je Packung statt 2 Zloty. Rzeczpospolita verwies darauf, dass der Preis im Dezember 2022 noch bis zu 10 Zloty je Packung erreicht hatte. Für Polens Milchbranche ist der Streit besonders relevant: Genossenschaften kontrollieren 70 % des heimischen Milchmarktes, und Mlekpol, Mlekovita sowie Piątnica zählen zu den größten Akteuren.

Niedrige Preise treffen auf angeschlagene Verarbeiter

Der Preiskampf fällt in eine schwierige Phase für die Verarbeiter. Nach Angaben von Rzeczpospolita stiegen die bei Kreditauskunfteien gemeldeten überfälligen Branchenschulden binnen eines Jahres um 1,5 Millionen Zloty von 4 Millionen auf 5,5 Millionen Zloty. Auf Energieversorger sowie Leasing- und Factoringanbieter entfielen Forderungen von zusammen 3,8 Millionen Zloty. Die Zeitung verwies außerdem auf die Insolvenz von OSM Prudnik und die Schließung der Molkereigenossenschaft in Rypin im Dezember 2025 nach 100 Betriebsjahren.

Olipra erwartet angesichts eines schwächeren Angebots eine Wende im Milchzyklus. Hitzewellen können die Erzeugung durch Hitzestress bei Tieren verringern; zugleich könnten knappes Futter und hohe Düngemittelpreise den Druck verstärken. Er prognostizierte für Dezember einen polnischen Milcherzeugerpreis von mehr als 2 Zloty je Liter und für das nächste Jahr einen Butterpreis von 7–8 Zloty. Für Verarbeiter besteht damit das Risiko, dass die heutigen Blickfangangebote nur vorübergehend gelten, obwohl Verbraucher sie bereits als normalen Referenzpreis betrachten.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.