Piemonts Haselnussernte könnte wegen Hitze, Dürre und Hagel um 30 % sinken
Die Haselnussproduktion im Piemont könnte nach Schäden durch Hitze, Dürre, Hagel und Baumwanzen um rund 30 % zurückgehen. Die Ernte dürfte dennoch besser ausfallen als im schwierigen Jahr 2025, doch geringere Erträge und höhere Kosten erhöhen die Bedeutung der Marktpreise.
Wetter beendet den optimistischen Ausblick
Die Haselnussernte im Piemont könnte nach einem Sommer mit hohen Temperaturen und anhaltender Dürre um rund 30 % sinken. Damit trifft die Witterung eines der wichtigsten italienischen Anbaugebiete. GreenMe zufolge waren die Aussichten bis Ende Mai noch günstig. Danach setzten außergewöhnliche Hitze und lang anhaltender Regenmangel die Anlagen zunehmend unter Stress. In einigen Gebieten kamen Schäden durch Baumwanzen und Hagel hinzu, sodass aus der zunächst erwarteten reichlichen Ernte eine deutlich knappere Saison wurde.
In den frühesten Anbaugebieten des Piemont begann die Ernte etwa eine Woche früher als im Vorjahr. Trotz des erwarteten Rückgangs dürfte die Gesamtproduktion besser ausfallen als im schwierigen Jahr 2025. Das Bild ist regional jedoch uneinheitlich. Alter der Bäume, Eigenschaften der Anlagen und Bewirtschaftung beeinflussten die Reaktion auf den Wassermangel. Jüngere und besser gepflegte Bestände schnitten offenbar besser ab, während ältere Anlagen größere Probleme hatten.
Schäden könnten weitere Ernten belasten
Der Rückgang ist nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen. Zu wenig Niederschlag verlangsamte die Pflanzenentwicklung und beeinträchtigte auch das natürliche Herabfallen der Nüsse. Lokal verursachten Insektenbefall und Hagel zusätzliche Verluste. Confagricoltura Cuneo e Piemonte warnt, dass Hagel die Bäume selbst schädigen kann. In den am stärksten betroffenen Anlagen könnten die Folgen daher über die laufende Kampagne hinausreichen.
Enrico Allasia, Präsident von Confagricoltura Cuneo e Piemonte, bezeichnete die Lage als weiteren Beleg für den Druck, den der Klimawandel auf die Landwirtschaft ausübt. Die Betriebe müssen mehr für Schutz und Pflege ihrer Anlagen ausgeben, während Wetterextreme die Produktion schwerer planbar machen. Besonders relevant ist das für Erzeuger, die ältere Bestände erneuern wollen. Die ersten Ernteergebnisse deuten darauf hin, dass diese längere Trockenperioden schlechter verkraften.
Preise werden für Erzeuger und Verarbeiter entscheidend
Im Piemont werden Haselnüsse auf rund 27.000 Hektar angebaut, vor allem in den Provinzen Cuneo, Asti und Alessandria. Die Kultur sichert die Tätigkeit Tausender landwirtschaftlicher Betriebe und prägt die Wirtschaft der Hügellandschaften. Alba und die Langhe sind eng mit der Sorte Tonda Gentile del Piemonte verbunden. Zugleich ist die gesamte regionale Produktion wegen ihrer Qualität und ihrer Bedeutung für die Rohstoffversorgung bei Süßwaren- und anderen Lebensmittelherstellern gefragt.
Mit dem Beginn der Ernte rücken die Notierungen in den Mittelpunkt. Bei geringeren Erträgen wird der Preis je Produktionseinheit für die Rentabilität wichtiger, zumal die Kosten für Bewirtschaftung und Pflanzenschutz steigen. Confagricoltura fordert, dass der Markt sowohl die kleinere Ernte als auch die zusätzlichen Ausgaben der Betriebe berücksichtigt. Angemessene Preise seien nicht nur zum Ausgleich der geringeren Mengen nötig, sondern auch für weitere Investitionen in die Erneuerung der Anlagen. Verarbeiter müssen stärker auf nutzbare Qualität und regionale Verfügbarkeit achten. Piemonts Ernte könnte zwar besser als 2025 ausfallen, doch ein Rückgang um rund 30 % gegenüber früheren Erwartungen würde den Zugang zu einem hochwertigen Rohstoff verengen, während die Nachfrage der Lebensmittelindustrie weiter steigt.