← Zurück zu den Nachrichten

Niederländische Verarbeitungskartoffeln steigen von 2 auf 15 Euro je 100 kg

Der obere Preis für frei gehandelte Verarbeitungskartoffeln in den Niederlanden ist binnen einer Woche von 2 auf 15 Euro je 100 kg gestiegen. Ob die dürrebedingte Knappheit Europas Verarbeiter sowie die Preise für Pommes und Tiefkühlprodukte breiter belastet, entscheidet die Haupternte ab Ende August.

Niederländische Verarbeitungskartoffeln steigen von 2 auf 15 Euro je 100 kg

Spotmarkt dreht nach monatelangem Überangebot

Der obere Preis für frei gehandelte Verarbeitungskartoffeln in den Niederlanden ist binnen einer Woche von 2 auf 15 Euro je 100 kg gestiegen. Trockenheit und hohe Temperaturen haben die Markterwartungen grundlegend verändert. PotatoNL setzte die Spanne für Kartoffeln großer Pommes-Hersteller am Montag auf 2 bis 15 Euro je 100 kg fest, nach höchstens 2 Euro in der Vorwoche. Die breite Spanne spiegelt Unterschiede bei Sorte, Qualität, Lagerzustand und Verwendungszweck wider.

Kartoffeln für frische Pommes erzielten bis zu 18 Euro je 100 kg, verglichen mit maximal 5 Euro in der Vorwoche, berichtete das niederländische Agrarmagazin Boerderij. Damit hat sich die Lage seit dem Frühjahr deutlich gedreht. Damals überstiegen die Bestände aus der großen Vorjahresernte den Bedarf der Verarbeiter. Im März mussten einige niederländische Landwirte sogar für die Abgabe aussortierter Kartoffeln als Tierfutter bezahlen. In Belgien sank die Notierung der wichtigen Verarbeitungssorte Fontane im April zeitweise auf 0 Euro.

Nachfrage aus Belgien und Deutschland nimmt zu

Belgische Verarbeiter und Händler suchen nun zusätzliche Ware in den Niederlanden, teilte die niederländische Erzeugervereinigung VTA mit. Auch in Deutschland belebt sich die Nachfrage. Agrarmarkt NRW meldete positive Impulse bei Industriekartoffeln, während die deutsche Erzeugergemeinschaft Reka ihre Notierungen deutlich anhob. Vertragsfreie Verarbeitungskartoffeln wurden zuletzt je nach Größe und Sorte mit 5 bis 8 Euro je 100 kg bewertet.

Hauptursache der Marktwende ist die schwache Bestandsentwicklung in mehreren großen europäischen Anbaugebieten. Der Agrarhändler Wilhelm Weuthen berichtete am 17. Juli von enttäuschenden Proberodungen früher Sorten. Nicht bewässerte Flächen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland leiden unter Hitze und Wassermangel. Einige Verarbeiter wollen deshalb länger als geplant auf Kartoffeln der alten Ernte zurückgreifen. Das erhöht die Nachfrage nach gut lagerfähiger Ware.

Haupternte entscheidet über Angebotsdruck

Das landesweite Niederschlagsdefizit in den Niederlanden erreichte nach Berechnungen des Wetterdienstes KNMI zuletzt durchschnittlich 221 Millimeter. In der 15-Tage-Prognose könnte es auf rund 245 Millimeter steigen. Das Jahr verläuft damit trockener als der Durchschnitt der 5 % trockensten Jahre. Besonders betroffen sind die Westküste, Zeeland und Teile Limburgs. In vielen westlichen und südlichen Gebieten fielen zwischen dem 1. und 20. Juli nur wenige Millimeter Regen.

Ferdi Buffen, Geschäftsführer des Agrarhändlers Wilhelm Weuthen, warnte vor endgültigen Schlussfolgerungen vor Beginn der Haupternte Ende August. Die Dürre dürfte die Erträge auf nicht bewässerten Flächen senken, doch Altbestände sind weiterhin ausreichend vorhanden und die Entwicklung im August kann das endgültige Angebot noch beeinflussen. Für Verbraucher ist die direkte Wirkung des Spotpreisanstiegs begrenzt, weil ein großer Teil der Ware über längerfristige Verträge geliefert wird. 15 Euro je 100 kg entsprechen einem Rohstoffpreis von 0,15 Euro je kg. Selbst eine vollständige Weitergabe würde die Kartoffelkosten einer Portion Pommes nur um wenige Cent erhöhen. Speiseöl, Energie, Personal, Transport und Miete bleiben wichtige Kostenfaktoren. Anhaltende Trockenheit und eine schwache Haupternte könnten die europäischen Hersteller von Pommes und Tiefkühlkartoffelprodukten dennoch stärker unter Druck setzen.

Vollständige Marktanalyse

Wir verwenden Cookies, um Ihr Surferlebnis zu verbessern, personalisierte Inhalte bereitzustellen und unseren Traffic zu analysieren. Durch Klicken auf "Alle akzeptieren" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Sie können Ihre Einstellungen verwalten oder mehr erfahren in unserer Datenschutzrichtlinie.