Nestlé kauft nach globalen Lieferengpässen mehr Kakao in Brasilien
Nestlé erhöht seine Kakaokäufe in Brasilien und arbeitet mit Hunderten Farmen an Erträgen, Qualität und Versorgungssicherheit. Brasilien produziert derzeit ungefähr genug für den Eigenbedarf, doch die Regierung erwartet binnen fünf Jahren eine Verdopplung auf rund 400.000 Tonnen.
Nestlé erweitert die Beschaffung in Brasilien
Nestlé hat seine Kakaokäufe in Brasilien erhöht. Dort erholt sich die Produktion nach jahrzehntelangen Rückschlägen. Der Lebensmittel- und Schokoladenhersteller will damit seine Lieferkette widerstandsfähiger machen. Vorstandschef Philipp Navratil sagte, das Unternehmen unterstütze brasilianische Landwirte zudem bei Anbaumethoden, die weniger konventionellen Dünger benötigen.
Navratil erläuterte die Strategie in einem Reuters-Interview im Nestlé-Werk in Caçapava im Bundesstaat São Paulo. Der Standort ist die weltweit größte Produktionsstätte des Konzerns für KitKat. Dem von InfoMoney veröffentlichten Reuters-Bericht zufolge verstärkte Nestlé seine Arbeit an der Lieferkette, nachdem jüngste Kakaoengpässe die Preise auf Rekordstände getrieben hatten.
Das Unternehmen unterhält Beziehungen zu Hunderten brasilianischen Kakaofarmen. Nestlé vermittelt dort Fachwissen über regenerative Landwirtschaft, um Bohnenqualität und Flächenerträge zu steigern und zugleich den Einsatz konventioneller Dünger zu senken. Ein geringerer Düngerverbrauch könnte auch die Kosten der Betriebe begrenzen, nachdem sich landwirtschaftliche Betriebsmittel infolge des Konflikts im Nahen Osten verteuert haben.
Brasilien erholt sich vom Hexenbesen-Befall
In den 1970er-Jahren gehörte Brasilien zu den weltweit führenden Kakaoanbietern. Dann verwüstete die als Hexenbesen bekannte Pilzkrankheit die Plantagen. Mehrere Großbetriebe haben die Produktion in den vergangenen Jahren mit widerstandsfähigeren Bäumen wieder aufgenommen und damit die Aussichten auf weiteres Wachstum verbessert.
Die Erholung wird dennoch Zeit brauchen. Kakaobäume benötigen bis zu fünf Jahre, um ihr volles Produktionspotenzial zu erreichen. Neue Pflanzungen und Verbesserungen auf Farmebene können die angespannte Weltversorgung daher nicht kurzfristig beheben. Nestlé verbindet höhere Käufe im aktuellen Markt mit langfristiger Arbeit an Erträgen und Widerstandsfähigkeit in den Ursprungsländern.
Brasilien erzeugt gegenwärtig nur ungefähr so viel Kakao, wie es selbst verbraucht. Die Regierung erwartet, dass sich die Produktion binnen fünf Jahren auf rund 400.000 Tonnen verdoppelt. Wird dieses Ziel erreicht, erhalten Verarbeiter in Brasilien eine größere heimische Rohstoffbasis. Einen sofortigen Exportüberschuss bedeutet die Prognose jedoch nicht.
Lateinamerikas Produktion gewinnt an Gewicht
Brasiliens Pläne sind Teil eines breiteren Produktionsanstiegs in Lateinamerika. Ecuador erweitert seine Kakaoanbauflächen seit Jahren und nähert sich dem Volumen Ghanas, des zweitgrößten Anbieters weltweit. Laut dem Bericht produziert Ecuador inzwischen jährlich mehr als 600.000 Tonnen Kakaobohnen.
Die Elfenbeinküste bleibt mit rund 2 Millionen Tonnen der führende Produzent. Diese Größenordnung zeigt, warum die Entwicklung in den wichtigsten westafrikanischen Ursprungsländern weiterhin die globale Verfügbarkeit und die Preise bestimmt. Wachsende Mengen aus Ecuador und eine anhaltende Erholung Brasiliens könnten Schokoladenherstellern jedoch zusätzliche Beschaffungsoptionen eröffnen. Der konkrete Nutzen für Nestlé und andere Verarbeiter hängt davon ab, wie schnell die Betriebe ihre Erträge erhöhen, Krankheiten eindämmen und Kosten senken können, ohne die Bohnenqualität zu beeinträchtigen.