Mercosur schöpft EU-Zollkontingent für gekühltes Rindfleisch vorzeitig aus
Mercosur-Exporteure haben das EU-Zollkontingent von 6.050 Tonnen hochwertigem gekühltem Rindfleisch vollständig ausgeschöpft. Uruguays Fleischinstitut INAC stellte daraufhin die Ausstellung neuer Zertifikate ein, während der Markt auf das wesentlich größere Kontingent des geplanten EU-Mercosur-Abkommens blickt.
Jahreskontingent für gekühltes Rindfleisch ausgeschöpft
Exporteure aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay haben das jährliche EU-Zollkontingent von 6.050 Tonnen hochwertigem gekühltem Rindfleisch in Schlachtkörperäquivalent bereits vollständig genutzt, obwohl noch mehrere Monate bis zum Jahresende verbleiben. Nach Angaben von Top Agrar Polska hat Uruguays nationales Fleischinstitut INAC deshalb die Ausstellung neuer Exportzertifikate im Rahmen dieses Kontingents eingestellt.
Die frühe Ausschöpfung bestätigt die wirtschaftliche Attraktivität der EU für südamerikanische Rindfleischanbieter. Mercosur-Exporteure nutzen das Kontingent vor allem für hochwertige Teilstücke, die an Gastronomie- und Premiumkunden gehen. Europäische Käufer zahlen dafür deutlich mehr als Importeure in vielen anderen Märkten, sodass die Lieferanten höhere Margen erzielen.
Die ausgeschöpfte Quote bedeutet nicht zwangsläufig das Ende der Mercosur-Lieferungen in die EU. Begrenzt ist der Umfang, der unter die betreffende Zollvergünstigung fällt. Laut Top Agrar Polska steht den Exporteuren weiterhin ein separates Präferenzkontingent von 4.950 Tonnen gefrorenem Rindfleisch zur Verfügung.
Geplantes Abkommen würde Präferenzmengen ausweiten
Das bestehende Kontingent von 6.050 Tonnen für gekühltes Rindfleisch gilt seit vielen Jahren und ist kein Bestandteil des neu ausgehandelten Handelsabkommens zwischen der EU und dem Mercosur. Dieses würde ein separates jährliches Präferenzkontingent von 99.000 Tonnen Rindfleisch in Schlachtkörperäquivalent für die Mercosur-Staaten schaffen. Die Umsetzung hängt weiterhin vom Abschluss der EU-Verfahren ab.
Nach den ausgehandelten Bedingungen sollen rund 55% der Menge, also 54.450 Tonnen, auf frisches und gekühltes Rindfleisch entfallen. Die übrigen 45% beziehungsweise 44.550 Tonnen wären gefrorenes Fleisch. Das Kontingent soll über mehrere Jahre schrittweise erhöht und mit einem Präferenzzollsatz belegt werden.
Die aktuelle Menge von 6.050 Tonnen gekühltem Rindfleisch entspricht nur rund 6% des gesamten Rindfleischvolumens im ausgehandelten Abkommen. Die Europäische Kommission erklärt, das vollständige Kontingent von 99.000 Tonnen entspreche ungefähr 1,5% der EU-Rindfleischerzeugung. Daher dürfte die Wirkung auf den Gesamtmarkt begrenzt bleiben.
EU-Erzeuger sehen Wettbewerb bei Premiumteilstücken
Erzeugerverbände bewerten den möglichen Druck anders. Sie verweisen auf Unterschiede bei Produktionskosten, Umweltauflagen und Tierschutzstandards zwischen der EU und dem Mercosur. Zusätzliche Importe könnten nach ihrer Einschätzung besonders die Preise der wertvollsten Teilstücke belasten, die überproportional zur Wirtschaftlichkeit der Rinderhaltung beitragen.
Polen ist von Veränderungen am EU-Markt besonders abhängig. Das Land erzeugt jährlich knapp 600.000 Tonnen Rindfleisch und exportiert bis zu 80% davon, hauptsächlich in andere EU-Mitgliedstaaten. Preise und Wettbewerb im Binnenmarkt wirken sich deshalb unmittelbar auf die Erlöse polnischer Rinderhalter aus.
Brasilien bleibt der größte Rindfleischexporteur im Mercosur. Die Debatte über seinen Marktzugang betrifft die Rückverfolgbarkeit von Tieren, Rückstände von Tierarzneimitteln, den Betrieb der für EU-Exporte zugelassenen Anlagen sowie die Einhaltung sanitärer und veterinärrechtlicher Vorgaben. Die Europäische Kommission betont, dass jede Lieferung dieselben Lebensmittelsicherheitsanforderungen wie EU-Produkte erfüllen muss und veterinärmedizinischer Überwachung, Kontrollen und Audits unterliegt.
Das geplante Abkommen enthält zudem einen bilateralen Schutzmechanismus, der bei schweren Marktstörungen oder einer Gefährdung von EU-Erzeugern die vorübergehende Aussetzung der Zollvergünstigungen erlaubt. Die schnelle Nutzung der geltenden Quote zeigt zunächst, dass die Nachfrage nach präferenziellem Zugang das verfügbare Kontingent für gekühltes Rindfleisch übersteigt. Umfang und Zeitpunkt des künftigen Wettbewerbsdrucks hängen jedoch stärker davon ab, ob und in welcher Form das umfassendere EU-Mercosur-Abkommen in Kraft tritt.