Melonenexporteure aus Rio Grande do Norte bauen Kanada-Geschäft aus
Rio Grande do Norte exportierte von Januar bis August 2026 Melonen im Wert von rund 54,3 Millionen $. Kanada stieg zum fünftgrößten Absatzmarkt auf, während Agrícola Favorita bis Februar 2027 insgesamt 50 Container liefern will.
Kanada steigt in die fünf wichtigsten Märkte auf
Melonenexporteure aus Rio Grande do Norte bauen ihre Verkäufe nach Kanada aus und wollen damit ihre Kundenbasis über Europa hinaus verbreitern. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Sedec exportierte der nordöstliche brasilianische Bundesstaat von Januar bis August 2026 Melonen im Wert von rund 54,3 Millionen $.
Auf Kanada entfielen 768.500 $, rund 1,4 % der Melonenexporterlöse im Berichtszeitraum. Trotz des noch geringen Volumens war das Land 2026 bereits der fünftgrößte Abnehmer. Spanien führte mit 22 Millionen $, gefolgt von den Niederlanden mit 18,2 Millionen $, dem Vereinigten Königreich mit 11,1 Millionen $ und Norwegen mit 843.200 $.
Die Zahlen verdeutlichen die starke Abhängigkeit der Branche von Europa. Spanien, die Niederlande und das Vereinigte Königreich standen zusammen für den Großteil der ausgewiesenen Erlöse. Sedec sieht im Aufbau eines nordamerikanischen Absatzmarktes zusätzliche Geschäftschancen und eine stärkere internationale Position der Obstwirtschaft des Bundesstaates.
Agrícola Favorita eröffnet neue Route
Agrícola Favorita nahm die Lieferungen nach Kanada in der letzten Augustwoche 2026 auf und verschickte zunächst einen Container Melonen pro Woche. Das Unternehmen will die Frequenz auf zwei Container wöchentlich erhöhen und bis Februar 2027 insgesamt 50 Container liefern.
Der Produzent hatte seinen Betrieb ein Jahr zuvor auf einer Fläche von 45 Hektar an der Grenze der Gemeinden Mossoró und Tibau im Westen von Rio Grande do Norte aufgenommen. Rund 30 Tage nach dem Start des Kanada-Geschäfts will das Unternehmen zudem mit Exporten in Länder der Europäischen Union beginnen.
Der Markteintritt wurde durch RN+ Exportação unterstützt, ein gemeinsames Programm von Sebrae RN und Sedec. David Góis, Leiter für Geschäft, Innovation und Technologie bei Sebrae-RN und einer der Programmkoordinatoren, sagte der Zeitung Tribuna do Norte, Kanada sei zwar kleiner als die wichtigsten Absatzmärkte der regionalen Obstwirtschaft, liege aber bereits vor traditionellen Zielen wie Italien und Deutschland.
Kanada wird laut Góis vor allem von den USA, Mexiko und Guatemala beliefert, die von Handelsabkommen und einfacherer Logistik profitieren. Brasilien könne sich insbesondere während der dortigen Nebensaison als alternativer Lieferant etablieren. Agrícola Favorita sieht zudem in der kanadischen Vorliebe für große Früchte eine passende Marktchance.
Logistik bleibt der Engpass
Agrícola Favorita bezeichnete den Abtransport der Ware als erheblichen Engpass. Bei Melonen wirken sich Transitzeit und Regelmäßigkeit der Verschiffung unmittelbar auf den Zustand der leicht verderblichen Ladung aus.
Sedec verweist auf die hohe Sonneneinstrahlung und das Klima des Bundesstaates, die eine regelmäßige Produktion sowie gute Erträge und Qualität ermöglichen. Der Ausbau der Fernstraße BR-304 soll die Transporte aus den Anbaugebieten zu den Verladepunkten verbessern, Fahrzeiten verkürzen und die Ankunftsqualität der Früchte erhöhen. Auch die vorhandene Hafeninfrastruktur sei für effiziente und wettbewerbsfähige Exporte entscheidend.
Eine erfolgreiche Kanada-Route könnte nach Einschätzung der Behörde anderen Produzenten zeigen, wie sich sanitäre und logistische Anforderungen erfüllen und ausländische Käufer gewinnen lassen. Sie könnte außerdem den Kanada-Export weiterer Produkte aus Rio Grande do Norte fördern. Sedec erwartet für die Ernte 2026/2027 Auslandsverkäufe von 1,42 Milliarden $. Ob Kanada dauerhaft unter den fünf wichtigsten Märkten bleibt, hängt jedoch davon ab, ob aus den ersten Lieferungen regelmäßige Handelsvolumen entstehen.