Steigendes Milchangebot und schwächere Exporte belasten Polens Milchbauern
Polens Milchanlieferungen steigen, während Exporterlöse und Preise für Milchprodukte sinken. Angesichts hoher Produktionskosten fordert die Branche stärkeren rechtlichen Schutz vor dem Preisdruck des Einzelhandels und eine strengere Vertragsaufsicht.
Milchanlieferungen steigen, Produktpreise sinken
Polens Milchwirtschaft steht zugleich unter dem Druck eines wachsenden Rohmilchangebots, fallender Produktpreise und schwächerer Exporterlöse. Dadurch sinken die Auszahlungspreise für die Landwirte. Nach Angaben von Farmer.pl nahmen die Molkereien im Mai 1,23 Milliarden Liter Milch ab, 3,4% mehr als im April und 2,5% mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis Mai erreichten die Anlieferungen 5,85 Milliarden Liter, ein Plus von 3,1% gegenüber dem Vorjahr.
Die zusätzliche Rohmilch lässt die Produktion in weiten Teilen der Verarbeitung steigen. Die Erzeugung von Vollmilchpulver nahm um 78,7% zu, die von Magermilchpulver um 33,9%. Auch Butter, gereifter Käse und Quark wurden in größeren Mengen hergestellt. Gleichzeitig sanken im April die Abgabepreise fast aller wichtigen Produktgruppen, besonders deutlich bei Vollmilchpulver, H-Milch, gereiftem Käse und Butter.
In den ersten vier Monaten 2026 lagen die Preise für Butter und gereiften Käse laut Farmer.pl um 12–14% unter dem Vorjahresniveau. Magermilchpulver verbilligte sich um rund 9%. Auch im Einzelhandel war der Rückgang sichtbar: Butter kostete im April durchschnittlich 22,5% weniger als ein Jahr zuvor. Die Ausgaben der Höfe für Futter, Kraftstoff, Energie und landwirtschaftliche Materialien bleiben laut Dlahandlu.pl jedoch hoch.
Exportflaute trifft einen Überschussmarkt
Polen produziert mehr Milch, als der Binnenmarkt aufnehmen kann. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei rund 120%. Jährlich werden etwa 4,8 Millionen Tonnen in Rohmilchäquivalent exportiert, rund 32% der nationalen Produktion. Polen ist nach Deutschland, Frankreich und den Niederlanden der viertgrößte Kuhmilcherzeuger der Europäischen Union. Seit 2022 übersteigt die jährliche Rohmilchproduktion 15 Millionen Tonnen.
Diese Abhängigkeit belastet nun die Einnahmen. Von Januar bis April 2026 erreichten die Ausfuhren von Milchprodukten einen Wert von 1,2 Milliarden €, 11% weniger als im Vorjahr. Der Importwert sank ebenfalls um 11%, während sich der Handelsüberschuss um 12% auf 0,6 Milliarden € verringerte. Das Landwirtschaftsministerium führt die niedrigeren polnischen Erzeugerpreise vor allem auf das wachsende Milchangebot wichtiger Weltmarktanbieter zurück, darunter Neuseeland, die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich und Australien, vom Jahr 2025 bis in die erste Hälfte 2026.
Das größere internationale Angebot hat die Abgabepreise für Milchprodukte in der EU und weltweit gesenkt. Dadurch schrumpfen die Erlöse der Verarbeiter und schließlich die Rohmilchpreise. Produktivitätsfortschritte bieten einen gewissen Schutz: Nach Schätzungen des IERiGŻ erreichte die durchschnittliche Milchleistung in Polen rund 7.465 Liter je Kuh. In kontrollierten Herden lag sie bei mehr als 9.860 Kilogramm je Kuh, 2,5% über dem Vorjahreswert, aber weiterhin rund 10% unter dem EU-Durchschnitt.
Branche fordert strengere Regeln für Käufer
Branchenvertreter sehen im Preisdruck der Handelsketten eine zusätzliche Belastung. Bei einem Treffen im Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung am 17. Juni 2026 erklärten die Teilnehmer, dass Forderungen der Einzelhändler zunächst an die Verarbeiter und anschließend an die landwirtschaftlichen Erzeuger weitergegeben würden. Diskutiert wurden eine Änderung des Gesetzes zur vertraglichen Überlegenheit, eine Ausweitung verbotener Praktiken und klarere Regeln für die Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Handelsketten.
Zur Debatte stand auch eine Stärkung der Kompetenzen und Ressourcen der polnischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde UOKiK. Sie hat Molkereiverträge hinsichtlich der Berechnung und späteren Änderung von Rohmilchpreisen, Qualitätsprüfungen, Kündigungen, Vertragsstrafen, Ausschließlichkeit und höherer Gewalt untersucht. Ministerium und Verbände wollen nachteilige Praktiken beseitigen und bessere Marktstandards entwickeln. Solange das Angebot wächst und die Exporterlöse fallen, dürften die Erzeugerpreise unter Druck bleiben. Modernisierung, größere Herden und steigende Milchleistungen stärken jedoch die Wettbewerbsfähigkeit polnischer Betriebe.