Lactalis verhandelt exklusiv über die Übernahme des Rians-Eigentümers Triballat
Lactalis ist mit der Familie Triballat in exklusive Verhandlungen über den Kauf des französischen Molkereikonzerns hinter Rians eingetreten. Die Transaktion würde das Portfolio um zehn geschützte Ursprungsbezeichnungen und mehrere bislang fehlende Ziegenkäse ergänzen.
Lactalis zielt auf französischen Milchkonzern mit 365 Millionen € Umsatz
Lactalis ist mit der Familie Triballat in exklusive Verhandlungen über den Erwerb des gesamten Kapitals ihres gleichnamigen Molkereikonzerns eingetreten, berichtet Le Figaro. Das in der französischen Region Berry ansässige Unternehmen produziert Faisselle-Frischkäse und Desserts unter der Marke Rians. Zum Portfolio gehören zehn geschützte Ursprungsbezeichnungen, davon neun für Käse. Ein Kaufpreis und ein Zeitplan für den Abschluss wurden nicht genannt.
Bei einer Einigung würde ein bedeutender französischer Familienbetrieb Teil eines Konzerns, dem bereits Président, Lactel und Galbani gehören. Triballat erzielte laut Le Figaro im vergangenen Jahr 365 Millionen € Umsatz, verglichen mit 31 Milliarden € bei Lactalis. Die Erlöse des Zielunternehmens entsprechen damit etwas mehr als 1 % des Jahresumsatzes des Käufers. Seine regionalen Marken und geschützten Erzeugnisse verleihen der Transaktion jedoch eine Bedeutung, die über diese finanzielle Größenordnung hinausgeht.
Geschützte Käse schließen Lücken im Sortiment
Die Übernahme würde ein Lactalis-Portfolio erweitern, das bereits zahlreiche europäische Käse mit Herkunftsschutz umfasst. Triballat bringt geschützte Produkte ein, über die Lactalis bislang nicht verfügt, insbesondere bei Ziegenkäse. Dazu zählen Crottin de Chavignol, Sainte-Maure-de-Touraine, Selles-sur-Cher und Valençay.
Lactalis würde außerdem die geschützte Bresse-Sahne erhalten, die Triballat unter der Marke La Bressane vertreibt. Rians verschafft dem Käufer neben den Käsebezeichnungen eine etablierte Position bei Faisselle und Milchdesserts. Das Geschäft verbindet damit Markenprodukte für den breiten Markt mit Kategorien, deren Herstellungsverfahren und geografische Herkunft geschützt sind.
Für Milcherzeuger, Verarbeiter und Händler ist entscheidend, wie Lactalis bei einem Abschluss die regionale Beschaffung und die Marken von Triballat integriert. Geschützte Ursprungsbezeichnungen binden die Produktion an festgelegte Gebiete und Spezifikationen. Kapazitäten lassen sich daher nicht so einfach verlagern oder standardisieren wie bei konventionellen Molkereilinien. Der wirtschaftliche Wert hängt teilweise davon ab, lokale Lieferketten und die Identität der einzelnen Herkunftsprodukte zu bewahren.
Übernahme folgt auf Zukäufe in Großbritannien und Kanada
Die geplante Transaktion wäre laut Le Figaro die erste Akquisition von Lactalis in Frankreich seit dem Kauf des Käseherstellers Verdannet im Jahr 2022. Verdannet war ein wichtiger Akteur im Reblochon-Sektor. Damals widersetzten sich einige Erzeuger der Übernahme und lehnten es ab, ihre Milch an den Lebensmittelkonzern zu liefern.
Triballat würde zugleich die jüngste Akquisitionsserie außerhalb Frankreichs fortsetzen. Anfang Juni kaufte Lactalis das britische Unternehmen Protein Works, das 65 Millionen € Umsatz erzielt und proteinangereicherte Getränke, Nahrungsergänzungsmittel und Snacks verkauft. Damit expandierte Lactalis über traditionelle Molkereikategorien hinaus in den wachsenden Markt für proteinorientierte Konsumprodukte.
Le Figaro berichtete zudem, Lactalis habe vergangene Woche das kanadische Spezialkäsegeschäft von Agropur übernommen. Die Marken Monsieur Gustav, OKA und L’Extra ergänzen nun die kanadische Sparte. Die britische, kanadische und geplante französische Transaktion zeigen zwei Stoßrichtungen: Lactalis kauft etablierte regionale Käsemarken und geschützte Herkunftsprodukte und baut zugleich das Geschäft mit wachstumsstärkeren Proteinprodukten aus. Die Triballat-Übernahme hängt noch vom Ausgang der exklusiven Verhandlungen ab; endgültige Bedingungen und operative Folgen stehen daher nicht fest.