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Kroatische Händler senken Schweinepreise, Erzeuger drosseln Produktion

Schweineschulter kostet im kroatischen Einzelhandel nur noch 2,29 € je Kilogramm. Ein europäischer Angebotsüberschuss und der Preiskampf der Handelsketten belasten Betriebe, die rund 50 € je Mastschwein verlieren.

Kroatische Händler senken Schweinepreise, Erzeuger drosseln Produktion

Schweinefleisch wird billiger als Obst

Kroatische Handelsketten senken seit mehreren Wochen ihre Schweinefleischpreise. Damit wächst der Druck auf Tierhalter, die bereits mit schwachen Ankaufspreisen und tierseuchenrechtlichen Beschränkungen kämpfen. Novi List und Glas Slavonije berichten, dass Schweineschulter bei einer einheimischen Kette für 2,29 € je Kilogramm erhältlich ist. Ein anderer Händler bietet Schweinekotelett für 2,35 € und Nacken für 3,05 € je Kilogramm an. Schwarze Trauben kosten bei einer Kette dagegen 2,79 € je Kilogramm, heimische Pfirsiche auf Märkten bis zu 4 €.

Die Sonderangebote spiegeln einen breiteren Rückgang der Großhandelspreise wider. Nach Angaben von Croatiastočar-Direktor Branko Bobetić liegt der europäische Ankaufspreis für Schweinehälften derzeit bei 1,56 € je Kilogramm, in Kroatien dagegen bei 1,40 €. Im Juni lag der kroatische Preis 11 % unter dem europäischen Niveau. Schweinehalter Mirko Kolić erklärte, dass ein Hälftenpreis von 1,40 € einem Lebendgewichtspreis von 1,12 € je Kilogramm entspreche. In Kroatiens dritter Zone erhielten Erzeuger lediglich 0,92 €.

Europäischer Überschuss erreicht Kroatien

Den Berichten zufolge weist Europa derzeit einen Schweinefleischüberschuss von 15 % bis 20 % auf, nachdem der Absatz nach China als wichtigem Exportmarkt zurückgegangen ist. Im Handelsstreit mit Europa über Autozölle bezieht China mehr Schweinefleisch aus Brasilien. Spanien, das sich auf dem chinesischen Markt stark positioniert hatte, musste deshalb seine Preise senken. Weitere Lieferungen nach Kroatien kommen aus Frankreich, Deutschland, Belgien und Portugal.

Kroatien deckt nur rund 50 % seines Schweinefleischbedarfs aus eigener Produktion und ist deshalb besonders anfällig für überschüssiges EU-Angebot. Von beiden Zeitungen zitierte Daten von Croatiastočar zeigen, dass die Einfuhren sämtlicher Fleischarten 2025 gegenüber 2021 um 18 % stiegen. Auch die Ausfuhren legten um 18 % zu, allerdings auf einem deutlich niedrigeren Mengenniveau. Der gesamte Fleischverbrauch wuchs um mehr als 10 %, während der Verbrauch von Schweinefleisch aus heimischer Erzeugung um 5 % sank. Gegenüber 2012 lagen die Fleischimporte 2025 um 237 % höher.

Verluste führen zu Produktionskürzungen

Laut Kolić schreiben kroatische Schweinehalter seit anderthalb Jahren Verluste. Das Minus belaufe sich auf rund 50 € je Mastschwein. Er hat seine eigene Produktion bereits um etwa ein Drittel verringert und könnte sie bis Jahresende weiter kürzen, falls sich die Lage nicht bessert. Gleichzeitig müssen die Betriebe eine neue Welle der Afrikanischen Schweinepest und die damit verbundenen Eindämmungsmaßnahmen bewältigen.

Die Regierung hat Hilfen von 7 Millionen € für den Schweinesektor vorgeschlagen. Das entspricht etwa 20 € je Mastschwein, muss jedoch noch auf europäischer Ebene genehmigt werden. Zudem will das Landwirtschaftsministerium die Bewertungskriterien der Intervention 73.11 ändern. Verarbeiter, die mindestens 50 % heimisches Fleisch, Milch, Getreide und andere Agrarrohstoffe einsetzen, sollen bei Förderungen bevorzugt werden. Die kroatische Landwirtschaftskammer erklärte, die Regel verhindere, dass Entwicklungsmittel an vollständig importabhängige Unternehmen fließen. Die Maßnahmen treffen auf ein wachsendes Agrarhandelsdefizit: Kroatien importierte 2025 Agrar- und Lebensmittelprodukte im Wert von rund 7 Milliarden €, darunter lebende Tiere und tierische Erzeugnisse für knapp 2 Milliarden €. Das gesamte Handelsdefizit lag bei rund 3 Milliarden €, wovon mehr als 40 % auf die Tierhaltung und verbundene Branchen entfielen.

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