Knappes EU-Rinderangebot könnte Rückgang der Rindfleischpreise begrenzen
Das Schlachtgewicht von Rindern in der EU sank in den ersten vier Monaten 2026 um 2 % zum Vorjahr, während die Rindfleischexporte in Drittländer um 8 % auf den niedrigsten Stand seit 2013 fielen. Die Analysten der Bank Pekao erwarten, dass das knappe Angebot den Preisrückgang trotz schwächerer chinesischer Nachfrage begrenzt.
Chinas schwächere Nachfrage belastet den Weltmarkt
Am globalen Rindfleischmarkt mehren sich die Anzeichen einer Abschwächung. China, der weltweit größte Rindfleischimporteur, will seine Käufe durch Importquoten begrenzen. Wie Farmer.pl unter Berufung auf Analysten der Bank Pekao berichtet, sollen davon insbesondere Lieferungen aus Brasilien und Australien betroffen sein.
Das US-Landwirtschaftsministerium prognostiziert für 2026 einen Rückgang der chinesischen Rindfleischimporte um 13 % gegenüber dem Vorjahr. Ein Teil der frei werdenden Mengen dürfte auf andere Märkte, vor allem in die Vereinigten Staaten, umgeleitet werden. Den Ausfall der chinesischen Nachfrage können die Exporteure damit jedoch nicht vollständig ausgleichen.
Die weltweiten Rindfleischpreise haben deshalb leicht nachgegeben, liegen im Durchschnitt aber weiterhin rund 12 % über dem Vorjahresniveau. Die Bank Pekao erwartet, dass der zunehmende Wettbewerb zwischen den Anbietern den Markt in den kommenden Monaten weiter belasten wird.
EU-Produktion und Ausfuhren schrumpfen
In der Europäischen Union unterscheidet sich die Lage vom globalen Gesamtbild. Nach Einschätzung der Ökonomen der Bank Pekao ist die rückläufige Produktion und nicht allein die Nachfrage der wichtigste Faktor für den EU-Rindfleischmarkt. Das Schlachtgewicht von Rindern lag in den ersten vier Monaten 2026 um 2 % unter dem Wert des gleichen Zeitraums 2025.
Polen verzeichnete laut Farmer.pl unter den zehn größten Rindfleischproduzenten der EU den stärksten Rückgang des Produktionsvolumens. Das knappere Angebot verringerte auch die Lieferungen in Drittländer. Von Januar bis April sanken die Rindfleischexporte der EU um 8 % zum Vorjahr und erreichten den niedrigsten Stand seit 2013.
Importe aus Nicht-EU-Ländern schließen die Lücke teilweise. Die Analyse der Bank Pekao zeigt für die ersten Monate 2026 einen Anstieg der EU-Rindfleischimporte um 25 % gegenüber dem Vorjahr. Brasilien steuerte den größten Anteil zu diesem Wachstum bei. Die zusätzlichen Mengen entspannten die Versorgung, lösten aber keinen starken Preisrückgang aus.
Preiskorrektur dürfte begrenzt bleiben
Nach den Rekordständen zu Jahresbeginn sind die Rindfleischpreise in der EU etwas gesunken. Die Analysten führen dies vor allem auf zurückhaltendere Käufe angesichts des hohen Preisniveaus zurück. Auch die Fleischverarbeiter senkten ihre Ankaufspreise für Schlachtrinder, allerdings nur moderat. Im Juni zahlten polnische Betriebe für Schlachtrinder lediglich rund 3 % weniger als ein Jahr zuvor.
Zusätzlicher Druck könnte durch den stärkeren Wettbewerb am Weltmarkt und eine wachsende Zahl geschlachteter Milchkühe entstehen. Eine sinkende Rentabilität der Milcherzeugung könnte einige Landwirte dazu veranlassen, ihre Herden zu verkleinern. Dadurch stünden den Fleischverarbeitern mehr Tiere zur Verfügung.
Die Bank Pekao erwartet dennoch keinen Einbruch der Rinderpreise. Das begrenzte Tierangebot in der EU bleibt die wichtigste Marktstütze. Weitere Korrekturen sind möglich, dürften aber überschaubar bleiben, solange die europäische Rindfleischproduktion unter dem Vorjahresniveau liegt. Für polnische Rinderhalter bedeutet dies vergleichsweise stabile Erlöse, allerdings bei möglicherweise höherer Volatilität als im ersten Halbjahr 2026.